Ressourcenschutz ausweiten: Andere Bio­ökonomie ist möglich

Forscher drängen auf den Ausbau der Kreislaufwirtschaft. Bioökonomie allein reicht nicht. Der Biosprit vom Acker ist nicht nachhaltig.

grünes Maisfeld aus der Luft

Maisfeld aus der Luft Foto: C.Kaiser/imago

BERLIN taz | Vor dem Hintergrund der Energie- und Rohstoffkrise kommt die Bioökonomie wieder auf den Plan, aber anders als bisher. Die Nutzung natürlicher Ressourcen für die Wirtschaft wurde in den vergangenen Jahren zwar massiv gefördert. Dass dies hauptsächlich zum Anbau von Industriepflanzen zur Gewinnung von Biosprit geführt hat, wird seitdem heftig kritisiert.

Auf den Technologiegesprächen des Europäischen Forums Alpbach wurde in der vorigen Woche deutlich, wie ein Kurswechsel aussehen muss. „Derzeit werden nur acht Prozent der Ressourcen weltweit in Kreislaufwirtschaft geführt“, berichtete der Wiener Bioökonom Martin Greimel. Er leitet das Zentrum für Bioökonomie an der Universität für Bodenkultur Wien. Dabei müsse zwischen den Rohstoffklassen unterschieden werden.

So verlange der Kreislauf von nicht nachwachsenden Rohstoffen, wie Metallen oder Gestein, zwar zusätzlich viel hoch konzentrierte Energie. Dagegen werde für nachwachsende Rohstoffe nur Sonnenenergie als Energiegrundlage gebraucht. „Daher ist die Bioökonomie eigentlich das Wirtschaften nach den Naturgesetzen, und sie sollte alle Bereiche des Wirtschaftens erfassen“, so der Forscher auf dem jährlichen Innovationstreffen im österreichischen Tirol. Immer wichtiger wird zudem der Aspekt der Welternährung – Stichwort „Tank oder Teller“. Laut Greimel ist Österreich das erste Land, in dessen Bioökonomie-Strategie „die Berücksichtigung gesellschaftspolitischer Komponenten explizit erwähnt“ ist. In Alpbach stellte Greimel das Projekt „Bioeconomy Austria“ vor, das die Wertschöpfungskette Holz untersucht und alle unterschiedlichen Wald-Nutzer in ein neues Kreislauf-Modell einbeziehen will.

Von deutscher Seite hat sich in dieser Woche eine Allianz von Umwelt- und Entwicklungsverbänden zu Wort gemeldet, die angesichts „Ukraine-Krieg und den Folgen für die Welternährung“ von der Bundesregierung fordert, die Bioökonomie-Politik neu auszurichten.

So wie in der Energiepolitik jetzt der Ausstieg aus fossilen Quellen forciert werde, so „müsste auch unser Ressourcenverbrauch insgesamt, sowie die Art der landwirtschaftlichen Produktion und der verschwenderische Umgang mit biogenen Rohstoffen ähnlich konsequent auf den Prüfstand gestellt werden“, heißt es in einer Stellungnahme der NGOs, darunter der Deutsche Naturschutzring DNR, Robin Wood und „Brot für die Welt“.

Sozial gerecht und ökologisch nachhaltig

Bisherige Bioökonomie-An­wendungen wie „Zuckerrohr für Bioplastik in Getränkekartons oder mit Gülle überdüngtem Mais für Biogas“ müssten ein Ende finden. Nötig sei eine Bioökonomie, „die sozial gerecht und ökologisch nachhaltig ist“. Wenn die Beimischungsquote für Biokraftstoffe außer Kraft gesetzt würde, könnten 800.000 Hektar, die derzeit für die Energieproduktion genutzt werden, wieder dem Artenschutz und der Renaturierung von Mooren zugutekommen.

Die weitere Entwicklung der Bioökonomie brauche in Deutschland „einen klaren, gesellschaftlich abgestimmten Fahrplan für die Priorisierung von Bioökonomie-Nutzungen“. Das Versprechen des Koalitionsvertrags von 2021, den Ressourcenverbrauch zu begrenzen, müsse eingelöst und klare absolute Reduktionsziele erarbeitet werden, fordert das Papier. Ein Ressourcenschutzgesetz sollte „nationale Ressourcenschutzziele“ sowie die „Reduktion der biotischen und abiotischen Ressourcenverbräuche verbindlich vorschreiben“.

So wie in Österreich wird auch für Deutschland ein anderer Umgang mit dem Wald verlangt. „Primärholz aus dem Wald darf nicht als Ersatz für fossile Energieträger verbrannt werden, sondern muss für eine höherwertige stoffliche Nutzung zur Verfügung stehen“, fordern die Verände. Artenreiche Lebensräume und Kohlenstoffsenken des Waldes müssten erhalten und ausgebaut werden. Dies lasse sich „nur über ein gesetzlich verankertes Kreislauf- und Kaskadenprinzip und die Abschaffung von Subventionen für die klimaschädliche Holzverbrennung“ ermöglichen.

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