piwik no script img

Neuigkeiten aus der TischtennisweltZurück zu den Vereinen

Der Trend seitens der Profis, für die internationale Karriere auf der Klubebene zurückzustecken, ist wieder rückläufig.

Der Brasilianer Hugo Calderano schlägt ab kommender Saison für den 1. FC Saarbrücken auf Foto: Tom Weller/dpa

E s gibt wieder Neuigkeiten aus der Tischtenniswelt. Da wäre zum einen noch ein Wettbewerb, den sich der ITTF ausgedacht hat, nämlich der ITTF Doubles World Cup, der erstmals 2027 stattfinden soll, Ort noch unbekannt. Als ob der Kalender der Profis nicht eh schon voll genug wäre!

Aber es scheint ja zu funktionieren, und Geld ist anscheinend da. Sogar der Trend seitens der Profis, auf Vereinsebene zugunsten der internationalen Karriere zurückzustecken, ist wieder rückläufig. Benedikt Duda hat doch wieder bei seinem Heimatverein unterschrieben, und World-Cup-Sieger Hugo Calderano ist aus der Vereinslosigkeit zurückgekehrt, er spielt nächste Saison für den 1. FC Saarbrücken.

Der musste sich – nächste Hot News! – unterdessen mitanschauen, dass sich der amtierende Olympiasieger und Ex-Weltmeister Fan Zhedong entschieden hat, noch ein weiteres Jahr Bundesliga zu spielen, allerdings nicht in Saarbrücken, sondern bei Borussia Düsseldorf. Timo Boll – ist der nicht eigentlich „Markenbotschafter“ für Borussia Dortmund? – soll mitverantwortlich für diese Entscheidung gewesen sein.

Wie auch immer, für Borussia Düsseldorf, dem Verein, der im Ruf steht, der FC Bayern des Tischtennis zu sein, ist das ein Coup; der Abwärtstrend nach Bolls Karriereende scheint aufgehalten. Spannend wird sein, wie in diesem Sommer der Meisterschaftskampf entschieden wird. Also, ob Fan mit Saarbrücken am Ende in einen Gewissenskonflikt gerät, wenn es gegen Düsseldorf gehen sollte.

Macht und Machterhalt

Die Deutsche Bundesliga scheint sich also gegen die Übermacht des WTT (World Table Tennis) mit seinem Turnierzirkus zu behaupten. Was daran liegt, dass hier die Spieler Geld verdienen, während sie dort in Vorleistung gehen müssen und bei frühem Ausscheiden eventuell auf ihren Unkosten sitzen bleiben. Im Tennis gibt es das Auffangsystem Verein lange nicht mehr: Hier hat ein Profi mal die Rechnung aufgestellt, dass man schon Millionär sein muss, um einmal Millionär werden zu können; für Reisen, Betreuung etc. pp gebe man nämlich schon eine gute Million Euro aus, bevor man überhaupt anfängt, das Geld wieder einspielen zu können.

Anderswo, zum Beispiel in Österreich, leidet der Tischtennis-Ligabetrieb schwer. Hier werden Spielkalender- und Aufstellungsverzerrungen beklagt; die ohnehin zweitklassigen Kader spielen bei Weitem nicht die Unkosten ein. Mal sehen, wohin der Trend geht – mehr Sponsoring? Oder eine internationale Superliga?

Dazu hat man in Österreich noch ganz andere Probleme, nämlich einen MeToo- oder besser: Missbrauchsfall (übergriffiger Trainer, Opfer minderjährig), dessen Aufklärung gehörig verschleppt wurde, während Konsequenzen nur halbherzig gezogen wurden. In der ÖTTZ, der Verbandszeitung, die Sportjournalismus noch im Geiste der 1980er Jahre betreibt, steht von der Causa genau: nichts.

Und doch: Nach dem x-ten Vorstoß des Standard und – aha! – der Ankündigung des österreichischen Sportministeriums, dem Verband die Gelder zu streichen, kam endlich Bewegung in die Sache: Nach der ÖTTV-Vizepräsidentin Liu Jia ist mittlerweile auch der Präsident Wolfgang Gotschke zurückgetreten; der Rest des Vorstands hüllt sich noch in Schweigen oder droht mit juristischen Gegenmaßnahmen.

Schon seltsam, wie sehr Funktionäre in Ehrenämtern an ihren Ämtern kleben. Was haben sie bloß davon?

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

René Hamann
Redakteur Die Wahrheit
schreibt für die taz gern über Sport, Theater, Musik, Alltag, manchmal auch Politik, oft auch Literatur, und schreibt letzteres auch gern einmal selbst.
Mehr zum Thema

0 Kommentare