Recyling-Industrie für „Rohstoffwende“: Ein neues Label als letzter Ausweg
Zwei große Metallrecycler fühlen sich mit ihren Problemen allein gelassen. Sie beklagen ein mangelndes Interesse von Politik und Industrie.
So deutlich haben Recycling-Unternehmen ihre Verzweiflung noch nie publik gemacht: Die Kreislaufwirtschaft in Deutschland bestehe nur auf dem Papier, produzierende Industrie und Politik ließen die Recyclingindustrie mit riesigen Problemen allein. Das formulierten die Geschäftsführer der beiden Branchenführer TSR Recycling und Scholz Recycling am Mittwoch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin.
Gemeinsam forderten Bernd Fleschenberg von TSR und Scholz-Chef Klaus Hauschulte ein Maßnahmenpaket für eine „notwendige Rohstoffwende“. Dazu gehört es, einen „Nationalen Rat für Recycling“ zu gründen, weil „Recycling als gesamtstaatliche Aufgabe begriffen werden muss“, so Hauschulte. Solange sich nur das Umweltministerium mit der Frage befasse, das Wirtschaftsministerium sie aber links liegen lasse, komme man nicht weiter.
In einem neuen „Nationalen Think Tank Recycling“ sollen Industrie, Kreislaufwirtschaft und Wissenschaft gemeinsam Rahmenbedingungen entwickeln, um Produkte besser recycelbar zu machen. Als dritte Maßnahme fordern die beiden, Ressourceneffizienz in die Ökodesign-Richtlinie aufzunehmen. Dann hätten etwa Kühlschränke nicht mehr nur ein Label für Energieeffizienz, sondern auch eines, das angibt, wie leicht ihre Bestandteile zu recyceln und welche Sekundärmaterialien enthalten sind.
Von den zahlreichen Industrieverbänden, etwa dem branchenübergreifenden BDI oder den zahlreichen Fachverbänden, fühlen sich die beiden Metallrecycler nicht ausreichend vertreten. Scholz Recycling befindet sich im Besitz der chinesischen Chiho Environmental Group, TSR Recycling ist eine Tochter des Branchenriesen Remondis. Die beiden Unternehmen verarbeiten jeweils 7 Millionen Tonnen Altmetall im Jahr. Laut der beiden Manager könnte das viel mehr sein: So werde nur jedes vierte Schrottauto in Deutschland auch hier recycelt.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert