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Rechtes Internet feiert die „Ostmulle“Hübsche Mädels singen Landser

Am #OstmullenDienstag posten rechte Frauen Videos von sich. Sie tragen Piercings, mögen Rechtsrock und haben Reichsflaggen im Zimmer: die Ostmullen.

Sie hat Piercings, rasierte Seiten und Gesichtstattoos. Sie trägt die szenetypische Jacke von Helly Hansen oder Adidas. Nein, sie ist eher kein Berlin City Girl, sondern ein Bautzen City Girl, ein Chemnitz City Girl oder ein Cottbus City Girl. Die Rede ist von der „Ostmulle“, die in rechten Internetkreisen in Deutschland gerade zum Trend geworden ist.

Dahinter stehen junge Frauen aus Ostdeutschland, die auf TikTok Videos hochladen, wie sie ihre Lippen zu Rockliedern der rechten Band Landser bewegen. Die lasziven Videos haben auch auf der Plattform X Anhänger gefunden, die dort den „Ostmullen-Dienstag“ zelebrieren.

„Mulle“ ist dabei ein abschätziger Begriff für Frauen, der offenbar aus dem Ruhrpott oder aus Berlin stammt. Eigentlich bezeichnet „Mulle“ eine Gruppe verschiedener Säugetierarten, die meist unter der Erde leben. Ähnlich „underground“ und subversiv inszenieren sich auch die Ostmullen.

Nun verschrecken die Piercings heutzutage wohl kaum jemanden mehr, doch aber die zur Schau gestellten Reichskriegsflaggen im Zimmer. Und darum geht es: Die Ostmullen präsentieren sich als Gegenmodell zum liberalen Westbürgertum. Selbstbewusst, ostdeutsch, rotzig, rechtsextrem.

Keine Ostmullen aus gutem Elternhaus

So feierte der rechte Aktivist Martin Sellner den Trend als „massiven metapolitischen Dammbruch“. Er und seine neurechten Mitstreiter haben es nach (oberflächlicher) Lektüre des Marxisten Antonio Gramsci schon länger auf den Kampf um die „kulturelle Hegemonie“ abgesehen. Und es stimmt: Musste die NPD früher noch die Rechtsrock-CDs auf Schulhöfen verteilen, liefert der Algorithmus die Songs heute direkt ins Kinderzimmer.

Dieser strategischen Einschätzung setzt die rechte Publizistin Ellen Kositza in der Sezession jedoch ihre eigenen Erfahrungen aus Sachsen-Anhalt entgegen: Die Ostmullen, denen sie begegnet sei, seien „auf verzweifelte wie mutige Art Outlaws“. Sie kenne keine Ostmulle aus gesundem Elternhaus, schreibt Kositza, „auch keine mit einer geradlinigen Schulausbildung. ‚Meine‘ Ostmullen haben Kinderheim/Abtreibung/psychiatrische Klinik/gewaltvolle Beziehung etc. pp. in ihrer Bio stehen.“

Geordnete Verhältnisse sind hier also Fehlanzeige. Damit steht der Ostmullen-Trend im Gegensatz zu einem anderen Meme, das rechte Weiblichkeit zelebrieren will, der „Tradwife“. Die traditionelle Ehefrau, gerne dargestellt in idealisierten KI-Bildern, sieht zarter aus, sie trägt traditionelle Kleidung und kümmert sich im Eigenheim um Küche und Kinder. Nicht so die Ostmulle. Sie steht nicht am Herd, sondern eher bei Dynamo Dresden in der Kurve.

Gemein haben Tradwife und Ostmulle dagegen das normschöne Ideal: Volle Lippen und makelloses Gesicht sind auch bei den Ostfrauen angesagt, im Zweifel hilft der Filter nach. Während die Tradwife aber eine vermeintlich natürliche Schönheit ausstrahlen soll, donnert sich die Ostmulle lieber auf.

Der Trend hat einige Eigenheiten, die eigentlich auch Linken gefallen könnten: Junge, eher nicht akademische Frauen, die einen abfälligen sexistischen Begriff umwerten und ihre ostdeutsche Identität zur Schau stellen. Doch auch daran sollten Linke mittlerweile gewöhnt sein: Die Inhalte dieser Rebellion sind dann eher zum ­Gruseln.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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10 Kommentare

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  • PartyChampignons

    Familie Ritter lässt Grüßen

  • Schytomyr Shiba

    "Der Trend hat einige Eigenheiten, die eigentlich auch Linken gefallen könnten: Junge, eher nicht akademische Frauen, die einen abfälligen sexistischen Begriff umwerten und ihre ostdeutsche Identität zur Schau stellen".



    Nein Taz. Nazischeisse bleibt Nazischeisse. Auch in Feminismus -Lila.

  • B. Iotox

    Die gute Ellen, der gute Martin. Schauen aus 30.000 Fuß Flughöhe auf sie herab, aber tun so als seien sie die besten Buddies (darf man sowas Denglisches noch sagen?) ihrer Mulle & Minions.

  • Lowandorder

    Ja wie? Wat issen nu wieder ditte?!

    “Mulle“ ist dabei ein abschätziger Begriff für Frauen, der offenbar aus dem Ruhrpott oder aus Berlin stammt. Eigentlich bezeichnet „Mulle“ eine Gruppe verschiedener Säugetierarten, die meist unter der Erde leben. Ähnlich „underground“ und subversiv inszenieren sich auch die Ostmullen.“



    “Ach härm! Dat wüßt ich ever!



    Öscher Platt - du Tubbes!“



    MullefluppesEin Redseliger, Schwadronör; auch: Mullefluppet



    Mullejan(Mauljohannes), vgl. Mullefluppes



    Schlaatemull, Schlaat(Salatmaul), Plappermaul sojet Schrappnell(wohl Granate), abfällige Bezeichnung für „grantige“ „granatige“, energische Weibsbilder ahl Hoddelemull(„Lumpenmaul“) eine/r mit losem Mundwerk!

    kurz - Ach härm! Elftrappejesechter - „Elftreppengesicht“ Armesündergesicht (von den elf Treppenstufen am Rathaus, die zum Galgen führten) - 🙀🥳🧐 -

  • rero

    "Eigentlich bezeichnet „Mulle“ eine Gruppe verschiedener Säugetierarten, die meist unter der Erde leben."

    Die Mulle hat doch nichts mit dem Mull zu tun.

    Den Begriff gab es schon, bevor die Kleinsäuger breitere Bekanntheit erlangten.

    Traurig, dass die taz da so weit weg ist.

  • Thomas Koll

    Der Staat muss schon bei der Kinderarmut und Schule ansetzen: Wer schon von kleinauf in Armut aufwächst ohne eine Chance den Fähigkeiten nach gefördert zu werden wird anfällig für die Populisten die die eigene kleine Gruppe über alles stellen und so den Hass gegen andere fördern. Armut darf nicht mehr vererbbar sein!

    • Frank Michael Blättner

      @Thomas Koll:

      Ich bin vollkommen Ihrer Meinung, denke aber, dass ein (jüngst festgestelltes) Wählerpotential von 26% AgD-Wählern nicht nur mit Armut und mangelnder Bildung zu begründen ist. Es ist auch nicht nur Hass gegen andere, denke ich.



      Mehr Frustration?



      Ich bin gespannt, wo wir in 4 Jahren politisch stehen werden.

    • OldFrank

      @Thomas Koll:

      Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass die Zonis permanent mit Verachtung und Häme aus dem politischen Linksspektrum überzogen werden.

    • Breitmaulfrosch

      @Thomas Koll:

      Sie haben es nicht verstanden.

      "Meine‘ Ostmullen haben Kinderheim/Abtreibung/psychiatrische Klinik/gewaltvolle Beziehung etc. pp. in ihrer Bio stehen."

      Das hat mit Armut nur bedingt zu tun und ist durch staatliche Interventionen nicht zu verhindern.