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Rechercheformat der TagesschauAlle ausnehmen

Das neue Format der Tagesschau „rabbit hole“ beschäftigt sich mit Fakes und Trends. Die erste Folge geht dem Geschäft mit Obstdramen auf Insta nach.

Dramaqueen: eine Hauptdarstellerin aus dem Format der Tagesschau „rabbit hole“ Foto: instagram/vital.pilot

Kaum verschwinden die nervigen Reels von westlichen In­flu­en­ce­r:in­nen in Dubai wieder, die uns weismachen wollen, wie sicher es dort angeblich ist, rückt ein neuer kurioser Trend in den Feed. Ersetzt wird der Scheich-Content durch Lebensmittel mit Gesichtern. Die KI generierten Kurzfilme bringen das Obst und Gemüse nicht nur zum Sprechen, nein, ganze Dramen werden vorgeführt, mit wahlweise Brokkoli, Bananen, Orangen, Äpfeln oder sogar Käse. Wobei der Käse eher seltener ist.

Der Inhalt, der kurzen Videos mit Lebensmitteln als Hauptdarsteller:innen, ist dabei breit aufgefächert. Für die Fantastikfans gibt es den Brokkoli, der mit seiner Superkraft die Obst- und Gemüsewelt rettet und dann beiläufig erwähnt: „Brokkoli, das Beste gegen Krebs.“

Wer es lieber soapiger mag, kann sich am Menü aus klassischen Liebesdramen erfreuen und etwa bei der Ehekrise von Herrn Banane und Frau Orange mitfiebern: Frau Orange geht Herrn Banane fremd mit einer anderen Banane, doch am Ende: Heiraten die beiden Bananen! Doch was soll das Ganze eigentlich? Dieser Frage geht ein neues Rechercheformat der „Tagesschau“ nach.

„rabbit hole“, seit 9. März, dreimal im Monat neue Folgen, in der ARD-Mediathek und bei Youtube

„rabbit hole“ überprüft Behauptungen auf Social Media und begibt sich auf die Spur dubioser Trends. Auch die Machart des Formats richtet sich gezielt an jüngere Zuschauer:innen. Sowohl die Sprache als auch die schrittweise Erklärung des Ablaufs erinnern an ein Step-by-step-Tutorial auf Youtube.

Die Filmorte und -geräte wechseln dabei, damit alles ein bisschen dynamischer wirkt. Mal mit einer professionellen Kamera in der Redaktion oder scheinbar mit einer Handykamera vor der Tür im Instastory-Style. Auch die Länge von 13 Minuten wirkt, als wäre sie klassischen Youtube-Formaten nachempfunden. Oder vielleicht doch der „Tagesschau“?

So oder so lohnt sich die erste Folge sehr, denn am Ende stellt sich heraus: Auch mit dem Gemüse soll mal wieder Geld gemacht werden. Die niedlichen Videos sind eine Masche, um Menschen teure Abnehm- und Gesundheitsprogramme zu verkaufen.

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3 Kommentare

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  • Wie wäre es eigentlich, wenn wir alle die Bildung für alle Teile unserer Gesellschaft mal wieder auf Vordermann bringen, damit man keine solchen Videos braucht, weil alle in die Lage versetzt sind Information von Blödsinn und Propaganda zu unterscheiden. Man kann damit ganz kleinteilig schon in der Familie beginnen.

    • @Axel Schäfer:

      Mein Kommentar ist nicht als Widerspruch gedacht, sondern betrachtet das Problem aus einem Teil-Blickwinkel.



      Wie vermittelt man Bildung an Menschen, die nicht daran interessiert sind?

    • @Axel Schäfer:

      Das wäre ja mal was. Etwa auch noch etwas Geld in Schulgebäude und soziale Infrastruktur investieren?