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Rebecca Knaak über Frauenfußball„Wir sind so weit, dass wir eigenständig werden“

Verteidigerin Rebecca Knaak vor der WM-Quali über Frauenfußball als unabhängige Marke, den persönlichen Glücksfall Schweden und Investments der WSL.

Hat sich im DFB-Team ihren Platz erkämpft: Rebecca Knaak Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Interview von

Frank Hellmann

taz: Die WM-Quali des DFB-Frauenteams startet mit einem Heimspiel gegen Slowenien (Dienstag 17.45 Uhr/ARD). In Dresden sind bereits über 17.000 Karten verkauft, auch die Publikumszahlen in Düsseldorf und Kaiserslautern waren zuletzt beachtlich.

Rebecca Knaak: Genau das wollten wir immer erreichen. Das motiviert noch einmal mehr. In jedem Heimspiel hat es einen Riesenunterschied gemacht, wenn so viele Leute hinter uns stehen.

Im Interview: Rebecca Knaak

ist deutsche Fußballspielerin. Im Alter von 28 Jahren kam sie zu ihrem Debüt in der A-Nationalmannschaft. Seit 2025 spielt sie beim britischen Erstligisten Manchester City.

taz: Das letzte Länderspiel in Dresden war ein 2:1 im Oktober 2022 gegen Frankreich. In der Innenverteidigung spielte noch Sjoeke Nüsken – und eine Rebecca Knaak hatte niemand auf dem Zettel. Warum hat es so lange gedauert mit Ihrem Debüt?

Knaak: Ich hatte eigentlich einen nahtlosen Übergang in die A-Nationalmannschaft, als ich 2015 bei Silvia Neid im Kader stand. Aber rückblickend habe ich damals meine Chance nicht so genutzt. Als junge Spielerin war ich für diesen großen Schritt mental, physisch und taktisch noch nicht bereit.

taz: Als Abwehrspielerin müssen Sie am Dienstag ein Augenmerk auf Lara Prašnikar richten, die in der Bundesliga bis letzten Sommer bei Eintracht Frankfurt gespielt hat. Was zeichnet sie aus?

Knaak: Eine Klassespielerin. Ihr Nationalteam steht für viel Kampfgeist. Das wird ein gutes Stück Arbeit.

taz: Das zweite WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen wird dann auf Kunstrasen ausgetragen. Wie blicken Sie auf diese Herausforderung?

Knaak: Ich bin das aus Schweden ein bisschen mehr gewohnt. Es ist nicht optimal, aber am Ende reden wir mal kurz drüber und dann wird das auch akzeptiert. Wir müssen diese Umstände einfach annehmen.

taz: Sie sind im Januar 2022 vom SC Freiburg zum FC Rosengård gewechselt.

Knaak: Es war für mich genau der richtige Ortswechsel. Raus aus einem strukturierten Umfeld. Ich konnte die gewohnten Leitlinien, damit meine ich auch die taktischen Anweisungen, verlassen. Ich hatte keinen Stempel mehr, sondern bin dort als Spielerin wie ein weißes Blatt Papier empfangen worden. Ich habe dort von vielen erfahrenen Nationalspielerinnen fußballerisch, aber auch menschlich viel lernen können. Dieser Input hat Stärken in mir geweckt, die mir selber gar nicht bewusst waren. Für mich war Schweden ein Glücksgriff.

taz: Ist das Land weiter, was die Akzeptanz des Frauenfußballs angeht?

Knaak: Teilweise gibt es ähnliche Herausforderungen wie bei uns, denn aktuell kann Schwedens Liga seine besten Spielerinnen kaum noch halten. Generell ist die Bevölkerung vielleicht etwas positiver, aber die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen sind fast dieselben wie bei uns.

taz: Sie sind 2025 zu Manchester City gewechselt und spielen im gelobten Land des Frauenfußballs. Ihr Klub hat für 15 Millionen Euro mal eben ein Trainingszentrum gebaut.

Knaak: Wir werden diesen Komplex gleich nach der Länderspielphase beziehen. Wir bekommen jetzt eigene Meeting-, Physio-, Kraft- und Essensräume – und eigene Plätze. Unsere Bedingungen waren schon top, und jetzt werden sie nochmal optimiert. Der Stellenwert des Frauenfußballs in unserem Verein ist extrem hoch.

taz: Haben Sie das Gefühl, dass der Frauenfußball im Sog der großen Männervereine mitschwimmt oder mittlerweile als eigene Marke wertgeschätzt wird?

Knaak: Anfangs wurden die Frauen durch die Marke mitgezogen, aber jetzt sind wir so weit, dass wir eigenständig werden. Wir haben extra Manager, damit Manchester City Women als eigene Brand wahrgenommen wird. Arsenal ist das beste Beispiel: Da kommen jedes Spiel fast 40.000, weil deren Ladys eine eigene Marke geworden sind.

taz: Der Zuschauerschnitt in der Women’s Super League liegt aber bei knapp 7.000. Vor wie vielen Leuten spielen Sie im Alltag?

Knaak: Bei uns kommen mindestens immer 5.000 Zuschauer ins Academy Stadium. Die Atmosphäre ist echt gut. Im Stadion der Männer spielen wir drei, vier Partien.

taz: Manchester City ist Tabellenführerin in England und Sie sind Stammspielerin.

Knaak: Wir haben uns nach einem Trainerwechsel richtig reingearbeitet. Ich genieße beim Trainerteam ein hohes Standing. Die Gedanken habe ich mir ja schon gemacht: Bekomme ich bei der Konkurrenzsituation genug Spielzeit? Aber wir haben uns in der Viererkette gefunden.

taz: In Deutschland haben die 14 Vereine beschlossen, die Professionalisierung der Frauen-Bundesliga ohne den DFB voranzutreiben.

Knaak: Wir Nationalspielerinnen wollen auch, dass die Liga hier das bestmögliche Potenzial entfaltet. Konflikte bedeuten ja, dass alle Beteiligten etwas wollen. Vereine, Verband und Spielerinnen möchten die Liga nach vorne bringen. Langfristig wird das hoffentlich zu etwas Positivem führen.

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