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Reaktion auf Gewalt-Studie an SchulenHärteres Durchgreifen im Klassenzimmer

Ein 13-Punkte-Plan soll Konflikten und Gewalt an Berliner Schulen besser entgegenwirken. Unter anderem soll das Schulgesetz verschärft werden.

Etwa zwei Kilogramm Papier hält Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) am Donnerstagmorgen in die Höhe. 400 Seiten umfasst das Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer, das im Juni vorgestellt worden ist. Nun hat die Bildungsverwaltung ein umfassendes Maßnahmenpaket entwickelt, um gegen Gewalt an Berliner Schulen gezielt vorgehen zu können. Der ambitionierte 13-Punkte-Plan wird teilweise mit sofortiger Wirkung an den Schulen umgesetzt.

Die Maßnahmen erstrecken sich von Prävention wie einer digitalen Beratungsplattform über Intervention, etwa durch Jugendämter, bis hin zu Repressionsmaßnahmen durch die Schule, etwa vereinheitlichte Bußgelder bei chronischer Schuldistanz.

Durch die Studie hat sich gezeigt, dass schon Grundschulkinder eine geringe Frustrationstoleranz zeigen. Durch den Ausbau von temporären Lerngruppen an Orten außerhalb der Schule soll die Gewalt, die sich deshalb entladen kann, früh unterbunden werden. „Die Kinder müssen früh stabilisiert werden, um auch die Rückkehrperspektive an ihre Stammschulen zu verbessern“, sagte Günther-Wünsch bei der Vorstellung des Maßnahmenpakets.

Wertelotsen als Konfliktprävention

Ein fachlich gesteuertes Wertelotsenprogramm an den Schulen soll neue Zugänge zu Konflikten ermöglichen. Außerdem wird eine Positivliste qualitätsgesicherter Präventionsangebote aufgebaut, an der sich Schulen orientieren können.

Spätestens in einem Jahr sollen klare und verbindliche Mindeststandards für Schul- und Hausordnungen formuliert werden, die auch den Umgang mit religiösen Riten und Gebräuchen einschließen. „An Berliner Schulen gelten die Regeln der Schule. Und zwar für alle. Niemand darf unter Druck gesetzt werden, weil er anders glaubt, anders lebt oder andere Entscheidungen für sein Leben trifft“, sagte die Bildungssenatorin.

Günther-Wünsch möchte zudem eine neue gesetzliche Grundlage schaffen, die es Schulen ermöglicht, sozialpädagogische Intensivmaßnahmen wie Anti-Gewalt-Trainings verbindlich anzuordnen. Die Studie gebe dafür ausreichenden Handlungsgrund, so Günther-Wünsch. Schwere Gewaltvorfälle sollen nach einheitlichen verfahren dokumentiert und aufgearbeitet werden.

Die insgesamt 13 Maßnahmen wurden unter anderem in Workshops mit wissenschaftlichem Fachpersonal erarbeitet. Ein Experte, den der Senat dazu beauftragte, ist Ahmad Mansour. Der Psychologe ist umstritten, vor allem, weil seine Thesen über den Islam und den politischen Islamismus von Kritikern als undifferenziert eingestuft werden.

Mehr Eltern an Elternabenden erreichen

Mansour sieht vor allem im digitalen Konsum der Schü­le­r*in­nen die Ursache für fehlende emotionale Begegnung untereinander. Darunter leide das Empathieverständnis der Kinder und Jugendlichen. Die Vermittlung eines wertschätzenden Umgangs hätten auch zunehmend die Eltern vernachlässigt.

Deshalb sollen jetzt die Elternabende fachlich umstrukturiert werden. „Wenn wir Themen wie Gewalt in der Erziehung ansprechen und nicht nur über die Klassenkasse sprechen, können wir auch die Eltern sensibilisieren“, sagte Mansour.

Das Berliner Modell soll zukünftig auch für andere Bundesländer als Beispiel für Gewaltprävention an Schulen dienen. Wie das Maßnahmenpaket konkret finanziert werden soll, blieb offen. Die zukünftige Regierung müsse in der Haushaltsaufstellung einen klaren Schwerpunkt für die Maßnahmen setzen, sagte Günther-Wünsch. Schließlich sei es auch ein gesellschaftlicher Auftrag.

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