Rauswurf von AfD-Rechtsaußen vertagt: Kevin Dorow ist für die AfD nun doch wieder tragbar
Mit einer Parole der Hitlerjugend löst der GD-Funktionär einen Machtkampf aus. Die AfD-Spitze wollte ihn schnell ausschließen, lenkte dann aber ein.
Sein Markenzeichen: klarer Scheitel. Seine Positionen: völkischer Nationalismus. Im Milieu der AfD ist Kevin Dorow kein Nobody. Der Beisitzer im Bundesvorstand der Generation Deutschland (GD) aus Schleswig-Holstein sucht die politische Auseinandersetzung.
Auf dem Gründungskongress der GD Ende November in Gießen war der 27-Jährige selbst für AfD-Verhältnisse ein bisschen weit gegangen. Dorow bezog sich auf den Thüringer Landes- und Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke: „Wie es Björn Höcke vor wenigen Monaten rezitiert hat: ‚Jugend muss durch Jugend geführt werden‘, und dieses Prinzip muss unser Leitstern sein.“
Die GD solle „die Speerspitze der jungen Rechten in Deutschland sein“, so Dorow. Das Motto „Jugend führt Jugend“ galt schon in der Bündischen Jugend und auch später bei der Hitlerjugend.
Beim Gießener Gründungskongress hatte Dorows Doppeldeutigkeit nicht gestört. Zu politischen Bedenken scheint erst geführt zu haben, dass die Staatsanwaltschaft Gießen prüft, ob Dorow damit Kennzeichen einer verfassungsfeindlichen Organisation verwendet hat. Die Bundesführung um Alice Weidel und Tino Chrupalla wollte deswegen in der vergangenen Woche ein Parteiausschlussverfahren gegen Dorow einleiten.
Seit Wochen betreibt die AfD-Bundesführung politische Scharaden, um der Einstufung als „gesichert rechtsextrem“ durch das Bundesamt für Verfassungsschutz entgegenzuwirken. Positionen werden vermeintlich relativiert, Personen hinausgedrängt. Dorow wurde zur Persona non grata. Aber nicht lange: In dieser Woche nahm die AfD-Bundesführung die Entscheidung zurück. Offizielle Begründung: Der GD-Bundesvorsitzende Jean-Pascal Hohm sei nicht hinreichend angehört worden. An der Sitzung, in der Dorows Rauswurf beschlossen wurde, hatte Hohm allerdings teilgenommen.
Die Auseinandersetzung ist der erste Gradmesser dafür, inwieweit die Parteiführung in dem neu gegründeten Jugendverband durchgreifen kann. Rechtlich könnte sie das, da die GD kein eigenständiger Verein ist. Ende März soll in einer Präsenzsitzung des Bundesvorstands eine Entscheidung fallen.
Der Grund für das einstweilige Einlenken der Parteiführung dürfte Druck aus dem eigenen Milieu sein – sowohl aus der Partei selbst als auch aus dem burschenschaftlichen Spektrum. In beiden ist Dorow fest verankert. Er ist Beisitzer des AfD-Landesvorstands in Schleswig-Holstein und Mitglied der Alten Königsberger Burschenschaft Alemannia in Kiel sowie der Gymnasialen Burschenschaft Germania zu Kiel.
„Grundlagen des Staates infrage stellen“
Dorow, der mit Frau und drei Kindern im Kreis Rendsburg-Eckernförde lebt, ist auch Schriftleiter der Burschenschaftlichen Blätter (BB). Im Editorial beklagt er den „schmalen Korridor“ durch die „orchestrierte Erinnerungskultur“ und forderte die „Grundlagen“ des „staatlichen Systems […] in Frage zu stellen“. Auf Instagram sagt Dorow, alleine die Zugehörigkeit zu einer Ethnie bestimme die Herkunft und Kultur. Sie mache die „Volksseele“ aus, die es zu schützen gelte.
Nach dem Beschluss, ihn aus der Partei auszuschließen, hatte Dorow in der neurechten Jungen Freiheit erklärt, er werde gegen den Ausschluss vorgehen. Unermüdlich wies er darauf hin, dass die Parole lange vor der Hitlerjugend verwendet wurde, und versicherte, er werde sich nicht davon distanzieren.
Schon auf dem GD-Gründungskongress in Gießen hatte Dorow „Distanzeritis“ beklagt: Er appellierte, sich nicht vom Vorfeld der Partei abzugrenzen, ebenso nicht „von denjenigen, die außerhalb der etablierten Parteistrukturen für dieselben Ziele kämpfen wie wir“.
Er selbst handelt danach: In Neumünster hatte Dorow im Juli 2024 den „Tag des Vorfeldes“ organisiert – unter anderen mit den rechtsextremen Vereinen Ein Prozent und Zentrum – Die alternative Gewerkschaft.
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