Randgruppen in der Corona-Krise: Hotels für Obdachlose

Die Gruppe Lampedusa verlangt vom Hamburger Senat, Zimmer für Geflüchtete, Obdachlose und Menschen ohne Papiere anzumieten.

Ein Mensch in einem kleinen blauen Schlafsack auf einer großen Wiese in einem Park

Sollte eigentlich nicht vorkommen, zumindest nicht aus Not: schlafen im Park Foto: Christian Charisius/dpa

HAMBURG taz | Der Senat soll seine Politik gegenüber Obdachlosen, Geflüchteten und Menschen ohne Papiere grundlegend überdenken. Das hat eine Reihe von Flüchtlings- und Obdachloseninitiativen gefordert. „Corona zeigt die Fehler im System“, sagte Ali Ahmed von der Gruppe Lampedusa in Hamburg bei einer Pressekonferenz der Initiative „#openthehotelshamburg“.

Die Initiative präsentierte am Mittwoch ein Hotel, das bereit wäre, Menschen aus diesen Gruppen aufzunehmen. Finanzieren müsste das die Stadt. Kurz zuvor hatte die Zigarettenfirma Reemtsma mitgeteilt, dass sie es ermöglichen werde, 250 Hotelzimmer für Obdachlose vier Wochen lang anzumieten. Die Diakonie soll das koordinieren.

#openthehotels schlug einen großen Bogen über alle Gruppen, die durch die Corona-Epidemie besonders gefährdet seien: Flüchtlinge in Massenunterkünften, Menschen ohne Papiere und damit auch ohne medizinische Versorgung, Menschen, denen gesagt werde, sie sollten zu Hause bleiben, die aber kein Zuhause haben.

Leer stehende Hotels böten eine Möglichkeit, sie unterzubringen, ohne die oft geschwächten Menschen einem besonderen Infektionsrisiko auszusetzen. „Das könnte Leben retten“, sagte Ali Ahmed. Die Stadt müsse Verantwortung übernehmen.

Medibüro

„Mehrere Tausend Menschen in Hamburg leben ohne medizinische Versorgung und die Behörden schauen weg“

Die nimmt für sich in Anspruch, dass sie das bereits tut. „Bis Ende Mai stehen allen Personen Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung“, sagt Martin Helfrich, Sprecher der Sozialbehörde. In diesen zentralen Unterkünften könne die Stadt die Obdachlosen auch betreuen, beraten, medizinisch und mit Lebensmitteln versorgen. „Das wäre nicht möglich, wenn die Leute einzeln an verstreuten Standorten untergebracht wären“, warnt er.

Die Betreuung solle den Menschen eine Perspektive jenseits des Lebens auf der Straße ermöglichen. Die Zimmer seien nur mit zwei bis drei Personen belegt. Mehrere Zimmer teilen sich zum Teil Waschräume und Küchen. Menschen mit Corona-Symptomen und Kranke würden gesondert untergebracht. „Es verbleibt ein allgemeines Lebensrisiko“, räumt Helfrich ein.

Stephan Karrenbauer, Sozialarbeiter bei Hinz&Kunzt findet, der Wunsch, sich zurückziehen zu können, sollte respektiert werden. 40 der Reemtsma-Zimmer seien bereits vermittelt. „Die Leute, die Angst vor den großen Unterkünften hatten, waren die ersten, die wir angesprochen haben“, sagt Karrenbauer. Er spricht von einer „Ausnahmesituation“, in der es darum gehe, jedem Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben.

#openthehotels zieht die Blende weiter auf: „Mehrere Tausend Menschen in Hamburg leben ohne medizinische Versorgung und die Behörden schauen weg“, kritisierte das Medibüro, das zu dem Bündnis gehört. Dieses Problem werde durch die Corona-Epidemie verschärft, weil viele „Parallelstrukturen“, die diesen Mangel ausgeglichen hätten, schließen mussten. Zwar habe die Sozialbehörde signalisiert, diese Einrichtungen zu unterstützen, das reiche aber nicht.

Letztlich müsse der Aufenthalt von Geflüchteten und Leuten ohne Papiere legalisiert werden. „Die Gruppe Lampedusa gibt es seit sieben Jahren in Hamburg“, illustrierte Ali Ahmed. „Jetzt ist es Zeit, dass wir einen legalen Status bekommen.“

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