Ramona Pops Tesla-Tweet: Von Kirchen und Bäumen

Für die grüne Berliner Wirtschaftssenatorin ist ein Großteil des regionalen Waldes gar kein Wald. Kann das Zeug also schnell weg? Mitnichten.

In Grünheide hat Tesla schon eine Menge hölzerne Tatsachen geschaffen Foto: imago images / lausitznews.de

Ramona Pops jüngster Tesla-Tweet hat auch am Mittwoch noch Wellen geschlagen. Für ihre Aussage, man müsse „nicht immer gegen alles sein“, solle mal „die Kirche im Dorf lassen“ und lieber die „Zukunftsinvestition“ für „saubere Mobilität und Klimaschutz zügig ermöglichen“, bekam Berlins grüne Wirtschaftssenatorin viel Zuspruch von bekennenden Nicht-Grünen – und vereinzelt harsche Kritik aus den eigenen Reihen.

„Liebe Ramona, du sägst gerade an unseren Wurzeln“, schreibt etwa ein Brandenburger Grünenpolitiker. Er bezieht sich dabei in erster Linie auf die Bereitschaft, mal eben ein paar Beteiligungs-Grundsätze über Bord zu werfen und erprobte Verfahren anzuzweifeln, nur weil Tesla vermeintlich so gut fürs Klima ist und Arbeitsplätze verspricht.

Im Zusammenhang mit der Musk-Firma von Zukunftsfähigkeit zu sprechen ist tatsächlich erst mal ein ungedeckter Scheck. Und ob E-Mobilität à la Tesla wirklich so „sauber“ ist? Großes Fragezeichen. Am eigenen Ast, ja den eigenen Wurzeln als Öko-Partei sägt Pop aber mit diesem Satz: „Abwegig, eine Kiefernplantage zu einem Wald zu erklären.“

Dass der Protest gegen die Abholzung genau solcher Kiefern an der Frankfurter Startbahn West einst den Grünen großen Auftrieb gab – geschenkt. Damals ging es ja auch um den Fluglärm (die Sache mit dem CO2 war dagegen noch etwas für Nerds). Aber einfach mal einer in Deutschland weit verbreiteten Vegetationsform das Waldsein abzusprechen, weil es gerade in die Ansiedlungseuphorie passt, geht gar nicht.

Natürlich sind die Kiefernmonokulturen in und um Berlin arten- und strukturarm, was sie bekanntlich für Schädlinge und Brände anfällig macht. Als die riesigen Forsten nach dem Krieg angelegt wurden, sollten sie eben schnell Holz bilden, nicht das Klima schützen oder der Biodiversität Raum geben.

Heute sehen wir das alles natürlich anders. Aber wenn Klima- und Naturschutz wirklich so funktionierte, wie Ramona Pop sich das vorstellt, würden wir künftig einfach die wertlosen „Plantagen“-Flächen kahlschlagen, um dann dort oder anderswo schöne Laub- und Nadelmischungen hochzupäppeln. Für Menschen mit forstlicher Expertise eine groteske Vorstellung.

Das probate Mittel lautet immer noch „Waldumbau“: Wird die geschmähte Monokultur gelichtet und mit anderen Arten untersetzt, kann ein solcher Wald einerseits noch viel atmosphärischen Kohlenstoff binden (die verbleibenden Kiefern wachsen dann noch viele Jahrzehnte in die Breite und bilden stattliche Kronen aus). Er behält aber auch sein Binnenklima, das den diversifizierten Nachwuchs vor Temperaturspitzen und Erosion schützt.

Okay, in Grünheide war ein solcher Umbau nie in Gang gebracht worden, weil das Gelände bereits als Industriegebiet ausgewiesen war. Aber während sie mit ihren ökologisch wenig fundierten Aussagen vielleicht die Kirche im Dorf lässt, sieht Ramona Pop ganz offenbar den Wald vor lauter Bäumen nicht.

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Jahrgang 1969, lebt seit 1991 in Berlin. Seit 2001 arbeitet er mit Unterbrechungen bei der taz Berlin, mittlerweile als Redakteur für die Themen Umwelt, Mobilität, Natur- und Klimaschutz.

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