Radsport nach der Coronapause: Mit Spaß durch den Staub

Weltmeisterin Annemiek van Vleuten dominiert bei den Strade Bianche einfach weiter. Bei den Männern meldet sich die junge Garde.

Das Peloton rast über eine staubige Schotterstraße einer Fahre Sienas entgegen

Kein Geisterrennen: leibhaftige Radsportfans an der Strecke der Strade Bianche Foto: Fabio Ferrari/ap

SIENA taz | Staubwolken lagen über den Hügeln der Toskana. Gleich zwei Radsportpelotons bahnten sich den Weg über die Schotterstrecken rings um Siena. Die Strade Bianche bildeten den Auftakt für den neuen World-Tour-Kalender. 125 Frauen und 166 Männer machten sich mit ihren Rädern auf den Weg. Die Pneus wirbelten dabei den Schotter derart auf, dass man auch aus einigen Kilometern Entfernung anhand der Staubwolken sehen konnten, wo sich die Pelotons befanden.

„Es war heute wirklich schwer auf den Schotterabschnitten. Man konnte gar nichts sehen. Wenn man nicht unter den besten fünf war, war man ständig im Staub“, meinte ­Annemiek van Vleuten. Die Niederländerin gewann das Rennen. Ihre Solofahrt begann sie für ihre Verhältnisse allerdings recht spät, und war die meiste Zeit tatsächlich in der Gruppe – und dort dem Staub ausgesetzt.

Sie hatte am Ende sogar für kurze Zeit den Durchblick über ihre Siegstatistiken verloren und dachte, es wäre das dritte Rennen nacheinander, das sie gewonnen hätte. Es war aber bereits der fünfte Sieg in Serie. Man nennt die Nie­derländerin daher schon Edda Merckx.

Sie selbst sieht das etwas anders. „Es ist schon lustig, dass die Leute denken, dass ich immer gewinne. Gewöhnlich gewinne ich nur sechs, sieben Rennen im Jahr“, meinte sie. Das sind dann aber die Hochkaräter wie der Giro Rosa, das wichtigste Etappenrennen, oder die Frühjahrsklassiker. Dennoch meint van Vleuten: „Gewinnen ist auch für mich nicht normal. Aber ich denke, das ist auch eine Belohnung dafür, dass ich auch in der Coronaperiode motiviert geblieben bin, dass ich da auch mit viel Spaß trainiert habe. Ich habe mich nicht nur gepusht, sondern es auch genossen, einfach Rad zu fahren.“

Annemiek van Vleuten

„Ich habe es genossen, einfach Rad zu fahren“

Die Freude am Radfahren war denn auch das vorherrschende Moment beim World-Tour-Auftakt in der Toskana. Van Vleuten genoss es. Auch Max Schachmann, Dritter bei den Männern, war beglückt. „Es war schön, wieder Rennen zu fahren. Es hat wirklich Spaß gemacht. Aber ich muss ehrlich sagen, im Frühjahr ist es angenehmer, wenn man wenigstens vor sich noch den Boden sieht“, meinte der Berliner zur taz.

Rolf Aldag in ungewohnter Rolle

Auch im Backstage-Bereich war die Freude groß. Rolf Aldag, Ex-Profi und lange Manager bei T-Mobile, Quick Step und Dimension Data, war bei seinem zweiten Frauenrennen im Einsatz. „Es ist superschade, dass es erst mein zweites Rennen ist. Ich muss noch so viel lernen und habe jetzt wegen Corona ein halbes Jahr verpasst“, meinte er.

Den Frauenradsport hat er dennoch schätzen gelernt. „Erst mal gibt es weniger Meckerei. Und dann ist es taktisch anspruchsvoller“, meint er. „Bei den Männern konnte man immer sagen: Oh, da ist eine Gruppe fünf Minuten weg, unsere Helfer sind so stark, die holen die sowieso wieder. Bei den Frauen ist das Niveau aber nicht so ausgeglichen. Da kann man das Rennen schon nach 15 Minuten verloren haben.“ Mit der Entscheidung hatte die von ihm gecoachte Equipe Canyon-SRAM nichts zu tun. Als Beste wurde die israelische Meisterin Omer Shapira 19.

Während bei den Frauen Routinier van Vleuten (37 Jahre) die Szene dominiert, gab es bei den Männern einen Generationswechsel. Es siegte der Belgier Wout van Aert (25) vor dem italienischen Meister Davide Formolo (27) und Schachmann (26). Von dem Trio darf man auch bei Rundfahrten einiges erwarten. Dass sie sich bei einem Klassiker gegen die Spezialisten durchsetzten, hatte mit der Härte des Rennens zu tun. Hitze und Staub machten es schwerer als gewohnt. Und manche der elf Schotterabschnitte führten auch noch bergauf.

An einzelnen Abschnitten hatten sich auch Zuschauer eingefunden. Weniger als in den Jahren zuvor, aber Geisterrennen waren diese Strade Bianche nicht. Gespenstisch wirkte allerdings die Piazza del Campo im Herzen Sienas. Hier war das Publikum weitgehend ausgesperrt. Paradox wirkte, dass sich der Platz füllte, kaum dass nach dem Rennen die Absperrungen entfernt worden waren.

Auch Ralph Denk, Schachmanns Arbeitgeber, schüttelte den Kopf. „Dass das Team in einer Hygieneblase ist, macht natürlich Sinn. Ich verstehe aber nicht, dass man zum Einschreiben Masken aufsetzen soll. Im Rennen fahren wir dann ohne Masken. Die Siegerehrung machen wir wieder mit Masken. Ich bin kein Virologe, aber für mich macht das keinen Sinn“, meinte er.

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