Radpremiumrouten in Bremen: Warten auf die Radwege

Die erste und auch längste Radpremiumroute soll bis 2023 fertig sein. Die Umsetzung der Maßnahmen dauere viel zu lange, sagen Kritiker:innen.

Ein Radfahrer mit Maske auf dem Bremer Marktplatz

Fehlt die Premiumroute, wird auch die Fußgängerzone befahren Foto: dpa

BREMEN taz | Bremen braucht Radpremium­routen. So steht es im Verkehrsentwicklungsplan 2025 (VEP), und im aktuellen Koalitionsvertrag. Der Bremer Osten soll besser angebunden werden, denn mit den Gewerbegebieten Hansalinie und Achim-West befinden sich dort viele Arbeitsplätze. „Wichtig ist es, diese Standorte nicht nur mit dem PKW, sondern auch mit dem ÖPNV und dem Fahrrad sicher und zügig erreichen zu können“, heißt es daher in einer Anfrage der SPD-Fraktion, die vom Senat wissen wollte, wie der Ausbau der Route voran geht.

Die Fragen betreffen die längste Route, die geplant ist – rund 43 Kilometer. Sie soll von Bremen-Nord durch die Innenstadt nach Hemelingen, Mahndorf und Blumenthal führen. Gesamtkosten: etwa 20 Millionen Euro. Das sei allerdings eine Prognose von 2017, erklärt Jens Tittmann, Sprecher der Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne).

„Wir fangen mit dieser Route an, weil wir glauben, dass der Anschluss vom Osten und Norden an die Innenstadt für Pendler massive Vorteile bringt.“ Durch das Aufkommen der Pedelecs seien die Menschen inzwischen bereit, täglich bis zu 15 Kilometer zu pendeln. Für die Planung der Route wurden 300 Kilometer Strecke abgefahren. Die Absprache mit den beteiligten Beiräten sei inzwischen weit fortgeschritten, so Tittmann.

Entsprechend seien einige Abschnitte schon geplant und würden bald umgesetzt, heißt es in der Senatsantwort. „Die Umsetzung der weiteren Abschnitte erfolgt sukzessive bis 2023.“ Auch eine Unterführung für die Radfahrer:innen bei der Kreuzung an der Erdbeerbrücke werde bald geplant. Ein Ausbau der Route bis nach Achim sei grundsätzlich möglich – ein Zeitpunkt „kann aktuell nicht genannt werden“.

Heiko Strohmann (CDU)

„Das ist politisches Versagen und macht mich manchmal ein bisschen sprachlos“

Kristin Klimbert, Referentin für Verkehrsplanung beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, freut sich, dass die SPD-Fraktion nachhakt. „Das ist nicht immer so gewesen.“ Radpremiumrouten, also Radschnellwege, die sich durch hohen Komfort, Sicherheit und kurze Reisezeit auszeichnen, seien ein wichtiger Baustein der Verkehrswende. „Das wollen wir gerne zeitnah erlebbar machen.“

Neben der in der Anfrage genannten Ost-West-Route präferiert Klimbert auch einen schnellen Ausbau der Nord-Süd-Achse. „Dann hätte man wenigstens ein Kreuz.“ Auch der Kleine Ring um die City sei wichtig.

Verkehrspolitikerin Anja Schiemann von der SPD ist die Antwort des Senats zu unpräzise. „Aus unserer Sicht sollte eine Realisierung nicht unnötig aufgeschoben werden, weil die Radpremiumroute einen wichtigen Beitrag zur Aufwertung der Radinfrastruktur darstellt.“ Auch Ralph Saxe, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, wünscht sich ein höheres Tempo beim Ausbau. „Ich weiß aber auch, dass wir die Beiräte mitnehmen müssen.“

Heiko Strohmann, Sprecher für Mobilität der oppositionellen CDU-Fraktion, sieht das etwas anders. Dem Senat fehle es an „politischem Mut“, so sein Vorwurf. Dem Mut, Dinge durchzusetzen, auch wenn man dabei mal „vor Ort jemandem auf die Füße tritt“. Hinter den Plänen im VEP steht Strohmann aber: „Das war damals Stadtkonsens.“ Die Bedarfe und Maßnahmen seien sehr professionell erarbeitet worden. Viel zu wenig sei seither passiert. „Das ist politisches Versagen und macht mich manchmal ein bisschen sprachlos.“

Rein rechtlich seien die Beiräte nur beteiligungs- und nicht zustimmungspflichtig, räumt Tittmann ein, dennoch brauche man die Akzeptanz in den Stadtteilen. „In der heutigen Zeit hat man sonst schnell eine Bürgerinitiative und eine Anti-Stimmung gegen eine Route.“

All die Vorhaben bis 2025 umzusetzen, „war schon bei der Verabschiedung extrem motiviert“, entgegnet Tittmann der Kritik. „Am politischen Willen liegt es nicht.“ Man könne eben nur die Dinge umsetzen, für die es auch Geld gibt. Und „halbgare Sachen“, also Strecken, auf denen man dann doch an fünf bis sieben Ampeln steht, wolle man vermeiden.

Die drei Weser-Brücken sollen kommen

In der Anfrage geht es auch um eine viel diskutierte neue Weser-Brücke. Von Habenhausen nach Hemelingen soll sie führen, auf Höhe der A1, und somit den Obervieländer:innen eine Radfahrt in den Bremer Osten ermöglichen. „Dadurch entfallen in Zukunft lange Umwege über die Erdbeerbrücke“, heißt es dazu im VEP. Insgesamt sollen drei neue Brücken über die Weser entstehen, um „die Stadt näher zusammen zu bringen“, sagt Tittmann.

Zunächst eine auf Höhe der umgedrehten Kommode auf der Werderinsel, um die Wilhelm-Kaisen-Brücke zu entlasten. „Da sind wir schon bei der Planung der Ausführung.“ Erst danach sei die Obervieländer Brücke dran. Und zu guter Letzt die dritte in Woltmershausen, auf Höhe des Pier 2. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 30 Millionen Euro, so Tittmann, bis zu 90 Prozent davon soll der Bund zahlen.

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