Verkehrsentwicklung in Bremen: Mehr Raum für Fußgänger

Die Umweltsenatorin will den Fußverkehr fördern. In Gröpelingen geht es los. Ein Problem des Stadtteils sind zugeparkte Gehwege.

Beim Parking Day nehmen Menschen mit Pflanzen und Stühlen Parkräume ein

Beim sogenannten Parking Day funktioniert es schon: Menschen erobern Parkraum zurück Foto: dpa

BREMEN taz | Wer an Bremer Verkehrspolitik denkt, hat vermutlich die umstrittene autofreie Innenstadt im Sinn, den Ausbau von ÖPNV und Radverkehr oder im Berufsverkehr verstopfte Straßen. Weniger im Mittelpunkt steht der Fußverkehr. Dabei ist er, gerade weil lange vernachlässigt und dazu klimafreundlich und niedrigschwellig, ein zen­traler Baustein einer lebenswerten Stadt. Welche Maßnahmen den Fußgänger:innen das Gehen leichter machen, soll nun zunächst in Gröpelingen getestet werden.

„Rund ein Viertel aller Wege werden von Bremer:innen zu Fuß zurückgelegt“, sagt Sandra Reinert vom Team Nahmobilität, welches Anfang letzten Jahres im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans 2025 bei der Verkehrssenatorin Maike Schae­fer (Grüne) entstanden ist. Daher sei es notwendig, den Fußverkehr mehr in den Fokus zu rücken.

Gröpelingen soll als Pilotstandort dienen, weil es neben den innerstädtischen Bereichen die niedrigste Autobesitzquote hat, so Reinert. „Wenn die Menschen hier im Quartier bereits ohne Auto unterwegs sind, wollen wir dies gerne weiter fördern.“ Zudem könne man mit der Entwicklung des Fußverkehrs an das Integrierte Entwicklungskonzept Gröpelingen (IEK) anschließen, welches den Stadtteil schon seit 2014 in vielen Bereichen aufwerten soll – Reinert hofft auf einen „wunderbaren Synergieeffekt“.

Neben dem Ausbau von Fußwegen selbst können Verbesserungen von Querungen, Schaffung von Aufenthaltsflächen und Sitzmöglichkeiten Maßnahmen sein. Aber auch der Radverkehr werde mitgedacht, um keine Konkurrenz zwischen Verkehrsteilnehmer:innen zu schaffen. „Es geht um die Rückeroberung des öffentlichen Raumes durch die Menschen“, sagt Reinert.

Sandra Reinert, Team Nahmobilität

„Es geht um die Rückeroberung des öffentlichen Raumes“

Vergangene Woche wurde in der Verkehrsdeputation ein entsprechender Bericht der Verwaltung vorgestellt. Falk Wagner (SPD), Fraktionssprecher für Stadtentwicklung sowie Sprecher der Deputation, sieht in dem Pilotprojekt eine Chance, Erfahrungswerte zu sammeln, die sich dann auch auf andere Stadtteile übertragen lassen. Dass dafür Gröpelingen ausgewählt wurde, habe ihn gefreut. „Es ist toll, dass ein solches Projekt, was man eher mit der Neustadt oder dem Viertel assoziiert, genau da mal nicht stattfindet.“

Auch Ralph Saxe, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, erhofft sich vom Projekt Erkenntnisse über die systematische Förderung des Fußverkehrs.

Heiko Strohmann (CDU), Fraktionssprecher für Mobilität, steht ebenso hinter den Plänen. Er kritisiert jedoch, dass der Gröpelinger Beirat im Vorfeld nicht einbezogen wurde. „Das schadet der Akzeptanz für ein so wichtiges Projekt.“ Das Bewusstsein der Menschen in Gröpelingen für den Fuß- und Radverkehr sei ein anderes als in Schwachhausen. „Hier wird eben noch viel mit dem Auto gefahren, obwohl es gar nicht notwendig wäre“, sagt Strohmann.

Als Beiratssprecherin Barbara Wulff (SPD) über Pfingsten zufällig von den Plänen erfuhr, war sie dennoch erfreut, dass „die Verwaltung mal an uns gedacht hat“. Sie sieht vor allem in den zugeparkten Gehwegen ein Problem. Auch rasende Radfahrer:innen seien eine Gefahr für die Fußgänger:innen. „Es gibt aber nicht genügend Radwege“, so Wulff. Neben der Freude schwingt Enttäuschung mit, nicht mit in die Pläne einbezogen worden zu sein. „So ganz ideenlos sind wir hier ja auch nicht.“

Gegen das Parkverhalten sind rigorosere Kontrollen eine Möglichkeit, so Reinert. Den Beirat werde man einbeziehen, sobald das Projekt durchstartet. Zurzeit warte man noch auf die Fertigstellung der Fortschreibung des IEK. Um die Bevölkerung mitzunehmen, sei außerdem eine breite Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen.

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