RSF-Miliz in Sudan: Regierung verliert Zalingei
Eine weitere Provinzhauptstadt ist an die RSF-Miliz gefallen. Diese versucht ein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet zu errichten.

Fotos und Videos zeigten RSF-Kämpfer in der Armeebasis der Stadt. Die dort stationierte 21. Infanteriedivision der sudanesischen Streitkräfte habe die Basis in der Nacht kampflos übergeben, berichteten lokale Aktivisten gegenüber lokalen Medien. Viele Soldaten hätten sich der RSF angeschlossen, der Aufenthaltsort der Kommandeure sei unbekannt.
Damit sind nun drei der fünf Darfur-Provinzen unter Kontrolle der RSF, die aus den Janjaweed-Milizen hervorgegangen ist, die vor 20 Jahren im Regierungsauftrag schwere Verbrechen an Darfurs Zivilbevölkerung begingen. Im April war die RSF in der sudanesischen Hauptstadt Khartum in den Aufstand gegen die Militärregierung getreten, in der sie bis dahin mitgearbeitet hatte. Aktuell versucht sie offenbar im Westen und Süden Sudans ein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet unter ihre Kontrolle zu bringen.
Am Montagabend hatte die RSF die Vertreibung der Regierungsarmee aus der Luftwaffenbasis Balila im an Süd-Darfur angrenzenden Bundesstaat West-Kordofan gemeldet. Der Militärflughafen Balila sei bisher von sudanesischen Regierungsstreitkräften für Luftangriffe genutzt und „mit großem Erfolg befreit“ worden, gab die RSF bekannt. Zugleich habe man die Kontrolle über das Ölfeld Balila übernommen.
Friedensgespräche belastet
Es war vor dem Krieg eines der wichtigsten nach der Abspaltung Südsudans verbleibenden Ölfelder Sudans, mit einer Förderkapazität von bis zu 70.000 Barrel pro Tag, betrieben von Chinas staatlicher Ölfirma CNPC. Die Ölingenieure wurden laut einem Bericht des Radiosenders Dabanga zuvor in die nahe Provinzhauptstadt El Fula gebracht. Aus Balila kommt dem Bericht zufolge ein Großteil des Öls, das in Sudans größter Ölraffinerie El Jeili bei Khartum verarbeitet wird. El Jeili befindet sich bereits seit Juli in RSF-Händen.
Die militärischen Erfolge der RSF belasten die neuen Friedensgespräche zwischen den sudanesischen Kriegsparteien in Dschiddah in Saudi-Arabien, die vergangene Woche begannen. Die politische Sudan-Mission der UNO erklärte, sie erhoffe sich von den Gesprächen eine Umsetzung der Ergebnisse der letzten Dschiddah-Gespräche im Mai, die eine Waffenruhe und humanitäre Korridore zur Versorgung der notleidenden Bevölkerung vorgesehen hatten und dann aber folgenlos geblieben waren.
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