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Proteste von Schü­le­r:in­nenDer Schulklassen-Kampf

Deutsche und französische Schü­le­r:in­nen demonstrieren in Solidarität mit den französischen Protesten. Im November ist ein europäischer Aktionstag geplant.

Gabrielle Meton

Aus Berlin

Gabrielle Meton

„Ich habe zwei Leidenschaften: Fanfare und Revolution …“, stimmen die Demonstrierenden fröhlich auf Französisch an. Vor dem Französischen Gymnasium in Schöneberg wird am Samstagnachmittag trotz des Regens gesungen und demonstriert. Am Mikrofon erzählt Jade, eine Schülerin des Gymnasiums, von der Blockade der Schule, die die Schü­le­r:in­nen am Montag gegen den Willen der Schulleitung organisiert hatten. „Bleibt so stark, wie wir stark geblieben sind!“, ruft die 18-Jährige unter dem Applaus der Menge.

Rund 300 Menschen kamen zur Demonstration, die vom Kleistpark bis zum Französischen Gymnasium im Ortsteil Tiergarten zog. Der Anlass: Solidarität mit dem großen Protesttag in Frankreich ebenfalls am Samstag, an dem 800.000 Fran­zö­s:in­nen gegen Kürzungen im Bildungsbereich und steigende Lebenshaltungskosten demonstrierten.

Seit September protestieren französische Schü­le­r:in­nen mit Schulblockaden gegen ihre Lernbedingungen und den Mangel an finanziellen Mitteln an ihren Schulen. Auch in Berlin kam es nach der Blockade am Französischen Gymnasium am Freitag zu Protesten und Schulblockaden am Andreas-Gymnasium in Friedrichshain und am Leibniz-Gymnasium in Kreuzberg durch deutsche Schülerinnen und Schüler.

Immer mehr Demotivation

Organisator der Demo war die Gruppe Berlin Insoumise, der Berliner Ableger der französischen Linkspartei La France Insoumise. „Wir sind hier, um die Schü­le­r:in­nen­be­we­gung zu unterstützen und sie zum Teil auch zu schützen“, erklärt Maléva G. von Berlin Insoumise. „Wir wollen, dass die Schü­le­r:in­nen ihre Meinung frei äußern können.“

Die Gruppe organisiert regelmäßig politische Veranstaltungen für Französinnen und Franzosen, die sich von Berlin aus politisch engagieren möchten. In einem Redebeitrag kritisierte ein Mitglied der Gruppe die deutsche Berichterstattung über die französischen Schulproteste, laut der diese von La France Insoumise gekapert würden. Bewusst ging die Gruppe deshalb nicht auf die Forderungen der Schü­le­r:in­nen ein – diese sollten ihre Anliegen selbst vertreten.

Wir freuen uns, wenn die deutschen Schü­le­r:in­nen auch blockieren

Jade, Schülerin des Französischen Gymnasiums

„Das System, in dem wir leben, nimmt uns immer mehr die Lust am Lernen und sorgt für immer mehr Demotivation“, findet Jade. „Von 9 bis 18 Uhr? Das ist eine Zugfahrt von Paris nach Berlin und kein Schultag“, steht auf dem Schild, das eine weitere Schülerin in ihren Händen hält. Mit durchnässten Haaren zittert sie im strömenden Regen vor Kälte, lässt sich aber nicht von ihrem Protest abbringen. Am Französischen Gymnasium in Berlin dauert der Unterricht in der Oberstufe, wie an vielen französischen Schulen, täglich von 8 Uhr bis nach 17 Uhr.

Die Schü­le­r:in­nen des Französischen Gymnasiums kritisieren außerdem die Bewertung der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit in Klausuren sowie das französische staatliche Online-Vergabeverfahren für Studienplätze, Parcoursup. „Ins Berghain zu kommen, ist einfacher, als das Auswahlverfahren über die Plattform zu durchlaufen“, heißt es auf einem Schild, das bei der Demonstration zu sehen war. Diese Forderungen werden auch bei den Protesten in Frankreich immer wieder laut.

Proteste gegen die Wehrpflicht

Auf den Protestschildern vermischen sich Slogans wie „Merz muss weg“ und „Gen Z regelt“ mit Parolen wie „Mort au Roi“ (Tod dem König) und „Bismillah les ténèbres“ (Bismillah in die Dunkelheit). Letzterer Spruch geht auf eine Nachricht zurück, die ein mutmaßlich verdeckter Polizist in einer Snapchat-Gruppe von Schü­le­r:in­nen während Schulblockaden in Frankreich verschickt haben soll. Inzwischen ist der Satz zu einem Slogan der Proteste geworden – und sogar zu einem Lied.

„Wir freuen uns, wenn die deutschen Schü­le­r:in­nen auch blockieren. So können sich die Kämpfe zusammenschließen. Wir wollen nur, dass sie ihre Rechte einfordern – sowohl als Schüler:innen, als auch allgemein als Jugendliche“, sagt Jade.

Auch die deutschen Schüler Eliza und ihre Schulkameradin Kiana sind auf dem Protest. „Wir finden es wichtig, was sie machen, vor allem für Schulen, an denen wirklich schlechte Bedingungen herrschen“, sagt Eliza. Beide besuchen die neunte Klasse eines Gymnasiums in Wilmersdorf. An ihrer Schule fehlten vor allem Jalousien, aber auch Möglichkeiten, ihre Schulbücher über Nacht in der Schule zu lassen, erklärt Eliza.

Vor drei Wochen nahm sie zum ersten Mal an Protesten gegen die Wehrpflicht teil. „Wir wollen hier auch gegen die Musterungen der Bundeswehr und gegen die Repressionen der Polizei auf Schulstreikdemos protestieren“, fügt Eliza hinzu. Auch gegen Kürzungen bei der Jugendkultur, den Sozialleistungen, Jugendclubs und Freizeitangeboten und im Bildungsbereich mobilisieren sich derzeit Berliner Schüler:innen, erklärte eine Sprecherin des Berliner Jugendstreikkomitees.

Anders als auf den Straßen von Limoges, Paris, Rennes und Lyon brannte es in Berlin an diesem Nachmittag nicht. Die Demo verlief friedlich. Für die Berliner Schü­le­r:in­nen gehen die Proteste nach den Schulferien weiter: Für den 20. November haben europäische Jugendorganisationen zu einem internationalen Protesttag aufgerufen.

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