Proteste in Venezuela: Weitere Tote und Verletze
Wieder sterben zwei Menschen bei den Demonstrationen. Die Polizei setzt Tränengas ein. Protestierende werfen mit Fäkalien.
ap | Bei Protesten in Venezuela ist ein 27-Jähriger in Caracas ums Leben gekommen, ein anderer Mann erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus. Dieser war nach Behördenangaben bereits bei einer Demonstration am Montag in Mérida durch eine Schusswunde verletzt worden. Mindestens 93 Menschen wurden bei den Ausschreitungen in der Hauptstadt Caracas am Mittwoch verletzt.
Einsatzkräfte setzten abermals Tränengas gegen Demonstranten ein, die versuchten, zum Obersten Gerichtshof zu marschieren. Protestierende sangen unter anderem: „Wer sind wir? Venezuela! Was wollen wir? Freiheit!“
Als sich Mitglieder von Milizen in dunkler Kleidung und mit verdeckten Gesichtern näherten, flohen einige Demonstranten und schrien vor Angst. Drei Mitglieder sollen Waffen getragen haben, einer von ihnen gab mutmaßlich auch Schüsse ab – niemand wurde dadurch getroffen. Oppositionsanführer machen die auch als „Colectivos“ bekannten Gruppen für zahlreiche der mittlerweile fast 40 Todesfälle bei den Protesten verantwortlich.
Entlang der Hauptschnellstraße in Caracas warfen Protestierende Gläser mit Fäkalien in Richtung der Einsatzkräfte. Einige Regierungsgegner trugen Holzschilder bei sich, auf denen Bilder des blauen Verfassungsbuchs zu sehen waren. Präsident Nicolás Maduro hat angekündigt, die Verfassung umschreiben zu lassen.
Kritiker werfen ihm vor, so Neuwahlen verhindern zu wollen. Diese fordert die Opposition, die Maduro für steigende Kriminalität, die hohe Inflation sowie knappe Lebensmittel und Medikamente verantwortlich sieht. Auslöser der seit bereits mehr als einen Monat andauernden Proteste war die Entscheidung des höchsten Gerichts in Venezuela, das Parlament zu entmachten. Wenige Tage darauf wurde die Entscheidung revidiert.
Im Zuge der Aufstände sind bereits mehr als 1300 Menschen festgenommen worden. Zusätzlich sind 250 Zivilisten vor Militärgerichte gestellt worden.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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