Proteste in Namibia: Bernadus Swartbooi bleibt standhaft

In der Reparations-Frage rief er gegen die umstrittene Einigung Namibias mit Deutschland auf. Seinen rebellischen Ruf hat sich Swartbooi lange erarbeitet.

Ein Mann mit Brille spitzt die Lippen und blickt konzentriert in den rechten Bildrand

In Namibia gilt Bernadus Swartbooi als unnachgiebig Foto: Hildegard Titus/afp

Eine gewisse Streitbarkeit mag den meisten Po­li­ti­ke­r*in­nen zu eigen sein – doch Bernadus Swartbooi scheint damit in ganz außergewöhnlichem Maße gesegnet zu sein. Der namibische Oppositionspolitiker ist einer der lauten Geg­ne­r*in­nen des Aussöhnungsabkommens zwischen Deutschland und Namibia, das in diesen Tagen der Ratifizierung im Parlament harrte.

Mit anderen Gruppen rief er dieser Tage zum Protest in Windhoek gegen die Abstimmung und die umstrittene Einigung mit Deutschland auf. In den vergangenen Jahren hatte der Politiker immer wieder die Verhandlungen auf Regierungsebene kritisiert und gefordert, Op­fer­ver­tre­te­r*in­nen in die offiziellen Gespräche und Entscheidungen einzubinden.

Zur Opposition gehörte Swartbooi nicht immer, von 2015 bis Ende 2016 war er stellvertretender Minister für Landreform unter der Regierung des Präsidenten Hage Geingob. Doch Swartbooi, damals Mitglied der auch jetzigen Regierungspartei Swapo, hat auch da schon kein Blatt vor den Mund genommen: Bei einer Ansprache bei einem Kulturfestival warf er seinem damaligen Vorgesetzten, dem heutigen Arbeitsminister Utoni Nujoma, vor, Namibier aus anderen Regionen in Südnamibia anzusiedeln – anstelle der örtlichen landlosen Bevölkerung, denen das Land in der Kolonialzeit durch die Deutschen weggenommen worden sei. Präsident Geingob verlangte eine Entschuldigung und drohte mit dem Rauswurf aus dem Kabinett.

So wurde Swartbooi gegangen – denn er verweigerte sich einer Entschuldigung. Der unverblümte 43-Jährige verließ später auch die Partei und gründete die Landlosenbewegungs-Partei Landless People’s Movement (LPM). Diese prangert die Landenteignungen in Namibia an, das eine der weltweit höchsten Raten sozialer Ungleichheit aufweist.

Er könnte auch Battle-Rapper sein

Der Süden Namibias ist Swartboois Heimat, dort ging er in der Stadt Keetmanshoop in der Region Karas zur Schule. Später absolvierte er einen Bachelor in Rechtswissenschaften an der University of Namibia in Windhoek. Der dünn besiedelten Region Karas stand er vor seiner Ernennung zum stellvertretenden Minister auch als Gouverneur vor. Hier fand auch seine LPM-Partei bei den vergangenen Regionalwahlen viel Unterstützung und nahm seiner alten Partei Swapo mit knappem Vorsprung ihre Führungsrolle vor Ort.

In der Oppositionsrolle sorgt der Parteigründer dafür, dass es der Regierung nicht allzu gemütlich wird: Parlamentspräsident Peter Katajavivi schmiss Swartbooi und einen Mitstreiter im April kurzerhand aus dem Parlament. Er suspendierte die beiden wegen ungebührlichen Verhaltens während der Rede zur Lage der Nation des Präsidenten. Eine Entscheidung, die die beiden Oppositionspolitiker später allerdings erfolgreich juristisch anfochten.

Seine Art hat ihm offenbar zu einem besonderen Ruf verholfen. Eine Empfehlung eines Twitter-Users: Vielleicht hätte Swartbooi Rapper werden sollen, „dann hätten wir heute die härtesten Diss-Tracks“.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de