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Protest gegen HafenerweiterungSchlechte Aussichten für den Elbwald

Eine Bürgerinitiative will die Abholzung im Rahmen der Hamburger Hafenerweiterung stoppen. Doch die Hafenbehörde lässt sich nicht aufhalten.

Im Schneegestöber kaum zu erkennen: die Pappelreihe am Bubendey-Ufer. Noch schützenswerter soll der Bereich dahinter sein

Der Hamburger Hafen wächst. 2025 ist der Containerumschlag auf 8,4 Prozent gestiegen, rund ein Drittel der Container kommen aus China, so die offiziellen Zahlen der Hamburg Port Authority. Und nicht nur die Umschlagszahlen, nein, auch das Hafengebiet soll wachsen: Eine Kaimauer soll errichtet, der Drehkreis für noch größere Containerschiffe erweitert, zwei neue Liegeplätze sollen geschaffen werden. Dies sei für die „Verbesserung der nautischen Bedingungen“ erforderlich, so die Sprecherin der Hamburg Port Authority.

Das Geschehen im Hafen macht bei Weitem nicht alle glücklich. Im vergangenen Jahr hatten An­woh­ne­r*in­nen gegen die Lärm- und Schadstoffbelastung geklagt – und verloren. Im November besetzten Ak­ti­vis­t*in­nen von Ende Gelände Schienen, auf denen Rüstungsgüter transportiert wurden, nach sechs Stunden wurden sie geräumt. Und im Sommer hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet, um die knapp 400 Bäume am Bubendey-Ufer zu retten.

Die Bäume sollen für die geplante Westerweiterung zwischen Januar und Februar vollständig gerodet und im Anschluss soll die Fläche planiert werden, so heißt es in einer Ausschreibung von Mitte Dezember. Hätte der Landschaftsgärtner, der von der Hafenbehörde die Rodungsausschreibung bekommen hat, nicht die Bürgerinitiative „Elbwald retten“ informiert, hätte die womöglich gar nichts von dem Rodungstermin mitbekommen.

Die paar Pappeln

Erst vor wenigen Wochen hat die Bürgerinitiative eine Volkspetition gegen die Abholzung gestartet, Jan Delay war unter den Erstunterzeichnern. Man wollte sich mit aktivistischen Gruppen vernetzen: „Wir sind ja jetzt nicht die Typen, die auf Bäume klettern“, so Rainhard Moratz.

Der Professor für Geoinformatik hat ursprünglich mal mit Jens Meier, dem Geschäftsleiter der Hamburg Port Authority, zusammen studiert. Jetzt sitzt er mit dem Kapitän Ulf Wolter und dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative Franz Hermann in der Strandperle, einem Restaurant am Elbstrand. Vor dem Restaurant und in den benachbarten Gärten hängen grüne Flaggen, auf denen „Elbwald retten“ steht. Von hier aus kann man durch das Schneegestöber auf die Pappelreihe blicken.

Diese vorderen Pappeln, das hat eine Sprecherin der Hafenbehörde versichert, sollen zumindest „diesen und nächsten Monat“ nicht gefällt werden. „Das ist doch absurd. Die Pappeln lassen sie stehen, damit man nicht sieht, dass das ökologisch Wichtige dahinter abgeholzt wird“, sagt Hermann.

Die wollen alles kaputt machen, bevor man nachweisen kann, dass hier etwas Schützbares lebt

Franz Hermann, Vorsitzender von „Elbwald retten“

„Das ökologisch Wichtige“ – damit meint er die insgesamt knapp 28.000 Quadratmeter große Fläche neben dem Petroleumhafen. Auf dem Gelände konnte „eine über die normalen Maße der hafentypischen Belastungen hinausgehende Belastung“ festgestellt werden, das ergab eine Anfrage der Linken im August. Trotzdem wachsen hier, zwischen Containerkränen und alten Gastanks, Trauerweiden, Eichen und Ahornbäume.

„Pappeln filtern den Feinstaub und den verseuchten Boden“, so Hermann. „Das ist die grüne Lunge des Industriegebiets“. In einer Kartierung von 2007 wurde festgestellt, dass hier Mäusebussarde und Fledermäuse leben. Seitdem wurde das Waldstück größtenteils sich selbst überlassen. Die Bürgerinitiative geht davon aus, dass sich noch weitere Arten angesiedelt haben: Ein Seeadler soll gesichtet worden sein, auch die sehr seltene Schwarz-Pappel vermutet man unter den Bäumen.

Um das nachweisen zu können, braucht man jedoch neue Umweltgutachten, einen Gentest und vor allem: Zeit. „Man muss die Brutsaison im Frühjahr abwarten. Wie soll man denn jetzt herausfinden können, ob hier seltene Tierarten brüten?“ Hermann zeigt auf die zugeschneite Landschaft. „Die wollen alles kaputt machen, bevor man nachweisen kann, dass hier etwas Schützbares lebt.“

Nicht gegen den Hafen, aber gegen die Erweiterung

Man sei nicht gegen den Hafen, das ist allen dreien wichtig zu betonen. „Der Hafen braucht dringend eine bessere Logistik“, so der Kapitän Wolter. Die geplante Westerweiterung des Hafens könne man jedoch nicht nachvollziehen.

Der Beschluss für die Erweiterung fiel 2016. Die Wachstumsprognosen, von denen er ausgeht, sind trotz der steigenden Zahlen nicht eingetreten. „Wir prüfen, ob wir rechtlich gegen die Rodung vorgehen können“, so Hermann.

Glaubt man der Hamburg Port Authority, dann sieht das schlecht aus: Der Beschluss sei bereits gerichtlich überprüft und vollziehbar, so eine Sprecherin. Man wolle als Ausgleich rund zwei Hektar Wald schaffen. Auf die Frage, wann die Rodungsarbeiten beginnen, gibt die Behörde keine Antwort. Da der Zeitraum, in denen Bäume in Hamburg gefällt werden dürfen, nur noch bis Ende Februar geht, ist damit zu rechnen, dass die Arbeiten demnächst beginnen.

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