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Präsidentin gewähltEine Powerfrau für Litauen

Litauen hat eine neue Präsidentin: Die bisherige EU-Kommissarin Dalia Grybauskaité. Ihr eilt der Ruf einer "Eisernen Lady" voraus.

Dalia Grybauskaité schaffte einen Rekord. Noch nie wurde ein litauisches Staatsoberhaupt mit so einem klaren Ergebnis gewählt. Auf 69 Prozent der Stimmen brachte es die erste Frau in diesem höchsten Staatsamt bei der Direktwahl am Sonntag gleich im ersten Wahlgang. Die promovierte Volkswirtin mit fünfjähriger Erfahrung als Vertreterin Litauens in der EU-Kommission schien einer deutlichen Mehrheit der WählerInnen in diesen krisenhaften Zeiten die geeignete Kandidatin zu sein.

Obwohl für die Wirtschaftspolitik nicht zuständig, glaube sie, mit ihrer Erfahrung und ihrem Wissen hilfreich sein zu können, hatte sie selbst entsprechende Hoffnungen geweckt. Den Entschluss, für das Präsidentenamt zu kandidieren, fasste sie nach eigener Aussage, nachdem sie im Januar die Fernsehbilder von den sozialen Protesten in der Hauptstadt Vilnius gesehen hatte.

Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften im damaligen Leningrad, in Moskau und Washington machte Grybauskaité als Parteilose im unabhängigen Litauen schnell Karriere. Ab 2001 trug sie als Finanzministerin dazu bei, ihr Land aus einer tiefen ökonomischen Krise zu führen. Ihre umstrittenen Rezepte - umfassende Privatisierungen und eine Steuer- und Sozialpolitik, die soziale Gräben weiter vertieften - trugen der ledigen Frau mit dem schwarzen Karategürtel den Beinamen "eiserne Lady" ein.

Gegenüber dem 82-jährigen Amtsvorgänger Valdas Adamkus steht mit der 53-Jährigen, die neben Russisch auch Englisch, Französisch und Polnisch spricht, nicht nur ein Generationenwechsel an. Von der in Brüssel wegen ihrer frischen, zupackenden Art geschätzten und für Budgetfragen und die Finanzplanung zuständigen Ex-EU-Kommissarin wird auch das Bemühen um eine deutliche Entspannung des Verhältnisses zu Moskau erwartet.

REINHARD WOLFF

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