Polnische Spenden für Ukraine: Generatoren für Kyjiw
Polen spenden innerhalb weniger Tage rund 1,2 Millionen Euro für Stromgeneratoren. Die Ukrainer sind dankbar für diese dringend benötigte Hilfe.
Die polnische Spendenaktion „Wärme aus Polen für Kyjiw“ schlägt Rekorde. Innerhalb weniger Tage spendeten Polen und Polinnen bereits 5,5 Millionen Złoty (circa 1,3 Millionen Euro), um möglichst viele Stromgeneratoren für die frierenden Menschen in der Ukraine kaufen zu können. Auch der polnische Energiesektor hat bereits beträchtliche Summen auf das Spendenkonto überwiesen.
Was es bedeutet, mehrere Tage in einer kalten und dunklen Wohnung ausharren zu müssen, während zweistellige Minusgrade die Rohre im ganzen Haus platzen lassen, wissen gerade ältere Polen noch sehr gut. In der Zeit des Realsozialismus (1945 bis 1989) fiel die marode Energieinfrastruktur immer wieder aus.
Andrij Sybiha, ukrainischer Außenminister
In der Ukraine ist es Wladimir Putin, der Machthaber Russlands und Aggressor, der 2014 die ukrainische Halbinsel Krim überfiel und seit 2022 die ganze Ukraine systematisch zerbomben lässt. So will er die Kapitulation erzwingen. Die solidarische Hilfe aus Polen wird in der Ukraine mit großer Dankbarkeit angenommen.
Dank vom ukrainischen Außenminister
Mit dem Einmarsch im 24. Februar 2022 begann der groß angelegte russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Bereits im März 2014 erfolgte die Annexion der Krim, kurz darauf entbrannte der Konflikt in den ostukrainischen Gebieten.
Schon am Montag, als die Einzahlungen auf das Spendenkonto stündlich stiegen, schrieb Andrij Sybiha, der ukrainische Außenminister, auf der Social-Media-Plattform X: „Für uns alle haben die Nachrichten über das Engagement unserer Nachbarn und Freunde aus Polen bei der Spendenaktion für Generatoren für die Ukraine eine sehr große Bedeutung. Besonders jetzt, in Zeiten des Frostes und des unaufhörlichen russischen Raketenterrors.“
Die Hilfe, so der Minister in seinem Post weiter, sei Ausdruck echter Solidarität, Menschlichkeit und ehrlicher Unterstützung in Zeiten, in denen Wärme und Licht Sicherheit und Leben bedeuteten. „Herzlichen Dank an alle mit offenem Herzen, an die Freiwilligen und die Organisationen, die die Spendenaktion initiierten und unterstützen. Wir fühlen, dass wir nicht alleine sind“, so Minister Sybiha weiter. „Wir danken Polen für diese sehr wichtige Hilfe und für die Wärme, die uns in den dunkelsten Momenten umgeben wird.“
Die Spendenaktion "Ciepło z Polski dla Kijowa (Wärme aus Polen für Kyjiw)" läuft seit dem 16. Januar 2026.
Ziel der Kampagne ist, so viele Stromgeneratoren und Notstromaggregate wie möglich kaufen und nach Kyjiw zu liefern. Diese Geräte retten Leben. Ein Generator ermöglicht es, die Räume zu heizen, in denen ältere Menschen und Kinder Zuflucht suchen. Er ermöglicht es, Wasser zu kochen. Er spendet Licht, was in der Realität des Krieges zumindest ein Gefühl der Sicherheit wiederherstellt. Im Laufe von 7 Tagen haben bereits über 43.000 Menschen insgesamt mehr als 5,5 Millionen Zloty (ca. 1,3 Millionen Euro) gespendet.
Antiukrainische Kommentare
Die meisten Kommentare unter diesem in polnischer Sprache verfassten Dankespost auf X sind allerdings negativ. Das spiegelt die Stimmungslage in Polen wider. Die große Hilfsbereitschaft der Polen bei Kriegsbeginn begann schon ein Jahr später zu schwächeln und kippte nach zwei Jahren endgültig ins Negative. Dies geht auf die Propaganda rechter Parteien zurück, die immer wieder historische Wunden aufreißen und an ukrainische Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg erinnern, für die sich die Ukraine angeblich zu wenig entschuldigt hat.
Dabei werden die polnischen Verbrechen an Ukrainern gerne ausgespart. Dafür behaupten sie, dass die ukrainischen Geflüchteten den Polen und Polinnen die Arbeit wegnähmen, Sozialschmarotzer seien und das polnische Gesundheitssystem ausnutzten. Dabei sprechen die Zahlen eine ganz andere Sprache: Die Geflüchteten verrichten meist Arbeiten, um die sich die Polen nicht gerade reißen, zahlen Steuern und Sozialabgaben und erwirtschaften im Jahr rund 3 Prozent des polnischen Bruttoinlandseinkommens.
Präsident Nawrocki gegen ukrainische Geflüchtete
Dennoch will auch Präsident Karol Nawrocki die Geflüchteten lieber heute als morgen loswerden und kündigte bereits an, das nächste Gesetz zur Aufenthaltsverlängerung der Ukrainer in Polen mit seinem Veto belegen zu wollen. Gegen die tägliche Flut an negativen Fake News aus Russland kommt Polen nicht an. Ob die Regierung überhaupt dagegen ankämpft, ist unklar. Aber russische Bots zerstören die Solidarität der Polen gegenüber den Ukrainern wie auch den gesellschaftlichen Frieden innerhalb Polens.
Für die nachlassende humanitäre Hilfsbereitschaft des polnischen Staates ist die polnische Zivilgesellschaft mit mehreren Stiftungen und Vereinen eingesprungen. So steht hinter der großen Spendenaktion „Wärme aus Polen für Kyjiw“ die Stiftung Stand with Ukraine, die von Natalia Panchenko geleitet wird. Die Ukrainerin, die auch die polnische Staatsbürgerschaft besitzt, engagiert sich seit Jahren von Polen aus für die Ukraine.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert