Polizist über Bestrafung von Freiern: „Prostitution sollte reguliert werden“
Zuhälterei und Menschenhandel sind schwer zu erkennen. Ist es sinnvoll die Freier zu bestrafen? Das bringt nichts, meint ein Polizist.
taz: Herr X, Sie sind Insider aus Polizeikreisen – warum wollen Sie sich nur anonym äußern?
X: Zu politischen Debatten wie der jetzigen äußert die Polizei sich grundsätzlich nicht.
Dann mal informell: Die Unionsfrauen wollen Freier von Zwangsprostituierten bestrafen. Ist das eine gute Idee?
Nein. Es gibt immer das Problem des Nachweises. Schon jetzt können wir Menschenhandel und Zuhälterei nur sehr schwer nachweisen, dazu braucht es die Aussage der Opfer. Und die bekommen wir in der Regel nicht. Das ist den Frauen zu gefährlich.
Wie kann der Freier Zwangsprostituierte erkennen?
Gar nicht. Wir haben in unserer Stadt etwa 500 Prostituierte, die sind offiziell alle freiwillig und ganz legal hier. Und wenn eine blaue Flecken hat, dann ist sie „die Treppe runtergefallen“. Man kann da absolut nichts machen.
Ist ein Insider aus Polizeikreisen. Mit Klarnamen darf er sich zu politischen Fragen nicht äußern.
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Union und SPD wollen rasch gegen Zwangsprostitution vorgehen. Dies sei „eine der ersten Aufgaben“, die die neue Regierung angehen müsse, sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig.
Schwesig räumte zugleich ein, dass das geplante Strafgesetz gegen die Freier von Zwangsprostituierten wegen der schwierigen Nachweisbarkeit unter Juristen umstritten sei. Grüne und Linke äußerten Kritik an dem geplanten Gesetz.
Nun könnte diese Forderung ja als Türöffner dazu dienen, die generelle Freierbestrafung durchzusetzen, wie sie Frankreich gerade diskutiert.
Das ist auch keine Lösung. Wir hatten schon mal das Verbot von Alkohol, und das war keine gute Erfahrung. Da schoss die Kriminalität in die Höhe.
Aber die Schweden scheinen mit ihrem Sexkaufverbot ganz zufrieden zu sein.
Da bin ich nicht so sicher. Denn dass man Prostituierte nun nicht mehr sieht, heißt nicht, dass sie nicht da sind. Das Problem ist, dass man nun ein riesiges Dunkelfeld hat. Und die Illegalität ist auf jeden Fall gefährlicher für die Frauen als ein Land, in dem man Prostitution vernünftig reguliert.
Und wie?
In Belgien kann man ohne die Aussage des Opfers gegen Menschenhändler ermitteln. Es gibt einen Katalog von Indizien. Wenn eins oder zwei davon erfüllt sind, kann die Polizei tätig werden. Eines der Indizien ist etwa die Tatsache, dass der Frau der Pass abgenommen wurde. Ein anderes, dass sie unmenschliche überlange Arbeitszeiten hat oder kaum eine Pause. Das würde uns sehr weiterhelfen. Gut wäre auch, wenn man Prostitutionsstätten zertifizieren würde.Wer da nicht mitmacht, hat auf dem Markt dann ein Problem.
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