Polizeirepression in den USA: „Wie einen Hund, wie Müll“

Der querschnittsgelähmte Afroamerikaner Clifford Owensby wird bei einer Kontrolle aus seinem Auto gezerrt. Nun soll eine Untersuchung den Fall klären.

Clifford Owensby sitzt in seinem Auto

Standbild aus dem Video der Bodycam eines der Polizisten Foto: youtube/bodycam/police dayton

30 September 2021, eine Polizeikontrolle an der West Grand Avenue in Dayton, Ohio. Ein Schwarzer Mann liegt auf dem Boden, Polizisten ziehen an seinen Haaren und Armen, ein Knie fixiert ihn. Immer wieder ruft der Mann: „Ich bin querschnittsgelähmt, ich bin querschnittgelähmt. Kann mir bitte jemand helfen?“

In einem zwölfminütigen Video, gefilmt von der Bodycam des handelnden Polizisten, sieht man zunächst eine Personen- und Verkehrskontrolle. Nachdem die Papiere des 39-jährigen Clifford Owensby überprüft worden sind, möchte der Polizist, dass er aussteigt. Er werde des Drogenhandels verdächtigt, daher soll ein Spürhund zu seinem Auto gebracht werden.

„Ich kann nicht aus dem Auto aussteigen, Sir. Ich bin querschnittsgelähmt“, sagt Owensby und fügt hinzu, dass ihm beim Einsteigen geholfen wurde. Der Polizist erklärt, dass das Aussteigen keine Bitte sei, sondern eine Aufforderung. Er werde ihm beim Aussteigen helfen, aber Owensby wehrt das entschieden ab, verweist darauf, dass die Polizisten ihn dabei verletzen könnten: „Sie werden mich nicht anfassen.“ Mit seinem Handy kontaktiert er einen Freund und fragt, ob dieser zum Einsatzort kommen könne, die Polizei fordere ihn auf auszusteigen, obwohl er seine Querschnittslähmung angegeben habe.

Die Situation wird hitziger, der Polizist öffnet den Gurt und schreit Owensby an: „Sie haben zwei Möglichkeiten. Entweder Sie kooperieren und steigen aus dem Auto oder wir ziehen Sie heraus.“ Sichtlich genervt verlangt Owensby einen Vorgesetzten, kurz danach wird er von zwei Polizisten aus dem Auto gezogen. Sie ziehen an seinen Haaren, er fällt auf den Asphalt, schreit um Hilfe und weist wiederholt auf seine körperliche Behinderung hin. Die Polizisten legen ihm draufhin Handschellen an und schleifen ihn zum Streifenwagen.

Fall wird nun überprüft

Gegen den Vorfall hat Clifford Owensby Beschwerde bei der größten Schwarzen Bürgerrechtsorganisation in den USA, NAACP, eingereicht. Das Video sorgt in den sozialen Netzwerken für große Empörung.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bei einer Pressekonferenz am vergangenen Sonntag sagt Owensby: „Sie haben mich wie einen Hund zu ihrem Fahrzeug gezerrt, wie Müll“. Owensby beschuldigt das Dayton Police Department einer rechtswidrigen Festnahme, der illegalen Durchsuchung und Beschlagnahme seiner Sachen. Außerdem hätten die Beamten ihm vor der Inhaftierung nicht seine Rechte verlesen, sagte Derrick Forward, Präsident der Dayton Unit NAACP, auf der Pressekonferenz.

Das Dayton Police Department gab an, dass es den Vorfall vom September prüfe und sich dazu äußern werde, sobald die Untersuchung abgeschlossen sei. Im Auto von Owensby hätten sie eine Tüte mit einer hohen Summe Bargeld gefunden, außerdem hätte sich auf dem Rücksitz ein dreijähriges Kind befunden.

Die Bürgermeisterin von Dayton, Nan Whaley, äußerte sich kritisch zu dem Vorfall und versicherte, dass dessen Überprüfung transparent sein werde. „Das Video dieser Polizeiinteraktion ist sehr besorgniserregend“, sagte Whaley in einer Erklärung gegenüber dem Hörfunksender NPR. „Deshalb hat die Stadt unmittelbar nach diesem Vorfall die Aufnahmen der Körperkamera veröffentlicht. Allen Beteiligten steht eine gründliche Untersuchung zu, und diese ist bereits im Gange“, so Whaley.

Immer wieder gibt es aus den USA Berichte von fragwürdigen und aggressiven Polizeikontrollen von Schwarzen. Überproportional viele Schwarze und Persons of Color kommen auch infolge rassistischer Polizeistrukturen ums Leben.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de