Politik in der Corona-Krise: Merkel am Bügeleisen

Notstandsgesetze, SPD unter fünf Prozent – alles vorstellbar. Aber Bügeltipps von der Bundeskanzlerin? Eine Glosse.

Angela Merkel macht ein überraschtes Gesicht

Angela Merkel empfiehlt der Bevölkerung, sich am Bügelbrett auszutoben Foto: Markus Schreiber/ap

Eigentlich ist alles fast wie immer. Nur kleine Nuancen verweisen im politischen Betrieb darauf, dass sich in diesem Land etwas geändert haben könnte. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner verlangt routiniert Steuersenkungen und die völlige Abschaffung des Solis. Die AfD will die deutschen Grenzen schließen, und fordert nun, weil diese schon geschlossen sind, die Kontrollen auf Dauer auszudehnen.

Die Grünen drängen auf die Einführung von Eurobonds, die nun Corona-Bonds heißen. Die Linke will eine Vermögensabgabe, die sie jetzt Corona-Agabe nennt. Und die zwei SPD-Vorsitzenden verlangen alles mögliche, was wie zuvor schon schnell wieder in Vergessenheit gerät. Auch die Bundeskanzlerin verhält sich eigentlich so, wie wir das gewohnt sind: ruhig und besonnen.

Das ging so bis zum Montag, Stand 98.128 Infizierte und 1.534 Todesopfer. An diesem Nachmittag machte Angela Merkel zum ersten Mal klar, dass dies tatsächlich eine neue, gefährliche, nie gekannte Situation in der sonst so behäbig-bräsigen Bundesrepublik ist, in der ansonsten die immer gleichen Rituale und Redewendungen den politischen Betrieb dominieren. Denn die Bundeskanzlerin redete übers Bügeln. Heiß müsse das gemacht werden und regelmäßig, sagte sie, und empfahl als Alternative die „Erwärmung im Backofen oder der Mikrowelle“. Merkel sprach über den sachgemäßen Umgang mit Schutzmasken.

Ich hätte mir vieles vorstellen können in Deutschland: Notstandsgesetze, explodierende Atomkraftwerke, die SPD unter fünf Prozent. Aber nicht, dass die Bundeskanzlerin der Bevölkerung Bügeltipps gibt.

Es ist diese scheinbar banale Äußerung, die erst verdeutlicht hat, dass wir uns am Rand einer menschlichen Katastrophe befinden. Und zugleich macht sich die Kanzlerin mit ihrem Bügel-Hinweis zu einer grundsympathischen, gerade zu geerdeten Person: Andere Regierungschefs mögen vom Krieg sprechen, wenn es um das Virus geht. Unsere spricht über den pfleglichen Umgang mit einem ungewöhnlichen Bekleidungsstück.

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Jahrgang 1957, ist Leiter von taz.eins, dem Ressort, das die Seite eins und die Schwerpunktseiten plant und produziert. Er ist seit den 1980er Jahren bei der taz und war u.a. Chef vom Dienst und Ressortleiter im Inland. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten. Hillenbrand ist Autor mehrerer Bücher zur NS-Geschichte. Zuletzt erschien von ihm herausgegeben: "Das Amulett und das Mädchen", Hentrich & Hentrich 2019

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