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Podcasterin über Frauen im NS-Widerstand„Wir zeigen, dass Einzelpersonen viel ausrichten können“

Diana Ringelsiep und Sabrina Waffenschmidt stellen Frauen vor, die sich gegen die Nazi-Diktatur wehrten. Darunter sind auch völlig Unbekannte.

Späte Ehrung: Emilie Schindler hat mit ihrem Mann Oskar jüdische Zwangsarbeiter vor der Ermordung bewahrt Foto: Peter Endig/dpa

Interview von

Wilfried Hippen

taz: Frau Ringelsiep, Sie machen zusammen mit Sabrina Waffenschmidt einen Podcast zum Thema „Frauen im NS-Widerstand“. Geht es Ihnen dabei um mehr als Erinnerungskultur?

Diana Ringelsiep: Ja! Wir leben in schwierigen Zeiten und das Resultat davon ist, dass man sich oft ohnmächtig und hilflos fühlt. Und darum haben wir uns gedacht, dass wir den Menschen ein paar gute Vorbilder an die Hand geben, die zeigen, dass Einzelpersonen viel ausrichten können.

taz: Welche Frauen stellen Sie vor?

Diana Ringelsiep: Zum Beispiel Emilie Schindler, die Ehefrau von Oskar Schindler, der ja durch den Film „Schindlers Liste“ sehr bekannt geworden ist. Aber kaum jemand weiß, dass seine Ehefrau maßgeblich an der Rettung der 1.200 Juden und Jüdinnen beteiligt war. Er hätte das ohne sie gar nicht stemmen können. Sie ist nach dem Krieg zusammen mit ihrem Mann nach Argentinien ausgewandert, aber er hat sie dann verlassen und ist zurück nach Deutschland, wo er als Held gefeiert wurde. Obwohl sie eine Zeitzeugin war, die das alles mit initiiert hatte, haben weder Regisseur Stephen Spielberg noch der Autor Thomas Keneally, auf dessen Roman der Film basiert, sie je dazu befragt. Der Film hat mehr 300 Millionen Dollar eingespielt und sie ist in Armut gestorben.

Bild: Manuel Paulus
Im Interview: Diana Ringelsiep

geboren 1985, ist Journalistin, Autorin und Co-Host des Podcasts „Krawalle und Liebe“, in dem sie mit der Journalistin Sabrina Waffenschmidt patriarchale Geschlechterrollen in Alltag und Popkultur verhandelt.

taz: Über welche Frauen sprechen Sie noch?

Diana Ringelsiep: Wir haben Berühmtheiten wie Marlene Dietrich und Josephine Baker dabei, die als Diven kollektiv in Erinnerung sind, doch über deren immenses antifaschistisches Engagement nicht so viel bekannt ist. Aber haben auch nach ganz unbekannten Frauen gesucht.

taz: Zum Beispiel?

Diana Ringelsiep: Hedwig Porschütz, die in sehr armen Verhältnissen in Berlin lebte und damals vielen Menschen geholfen hat, der Deportation zu entkommen. Als sie dann nach dem Krieg einen Antrag auf Anerkennung als politisch Verfolgte gestellt hat, wurde dieser aufgrund ihrer „frivolen Lebensumstände“ abgelehnt, weil Sie, als ihr Ehemann arbeitslos wurde, gezwungen war als Prostituierte zu arbeiten. Diese Frau hat kein Grab und es existiert kein Foto von ihr.

Live Podcast

In ihrem Podcast „Krawalle & Liebe“ sprechen Diana Ringelsiep und Sabrina Waffenschmidt anlässlich des Alternativen Hafengeburtstages über „Frauen im NS-Widerstand“, 6.5., 19 bis 22 Uhr, Semtex, Hopfenstraße 34, Hamburg

taz: Es geht in Ihren Podcasts mit dem schönen Namen „Krawalle und Liebe“ um feministische Selbstermächtigung. Warum sind Sie dabei oft sehr selbstkritisch?

Diana Ringelsiep: Als wir vor drei Jahren mit dem Podcast anfingen, haben wir schnell gemerkt, dass wir uns oft feministischen Ambivalenzen widmen. Wir sind ja selber feministisch aktiv, aber wir stoßen auch an unsere Grenzen, sodass wir uns manchmal fragen, ob wir vielleicht schlechte Feministinnen sind. Wir sind ja als Frauen in einem patriarchalen System aufgewachsen und auch wir haben darum misogyne Vorurteile und verinnerlichte Rollenbilder.

taz: Mögen Sie dafür ein Beispiel nennen?

Diana Ringelsiep: Viele Frauen schauen sich gerne plumpe romantische Komödien an, die voller sexistischer Klischees sind. Man ist sich dessen bewusst, aber dennoch tut es irgendwie gut, durch sie den Kopf freizukriegen und abzuschalten. Wir haben darüber einen Podcast mit dem Titel „Romantik am Arsch“ gemacht.

taz: Heißt es deshalb in der Ankündigung zu Ihrer Veranstaltung in Hamburg, dass Sie „dahin gehen wo es weh tut“?

Diana Ringelsiep: Wir haben auch eine Folge über Billigmode gemacht. Da schauten wir auf die Etiketten von allen Kleidungstücken, die wir gerade anhatten. Und die kamen aus Ländern wie Bangladesch, Hongkong und der Türkei. Dann haben wir den Weg dieser Produkte zurückverfolgt. Dabei ging es dann von Umweltaspekten wie Mikroplastik und die extrem umweltbelastende Färbung der Jeans zu den Arbeitsbedingungen. In Bangladesch kommt es immer wieder zu schweren Unfällen in Fabriken und die Ar­bei­te­r*in­nen haben keinen Atemschutz, damit wir für zehn Euro T-Shirts kaufen können. Das war eine Folge, in der wir die Leichen im eigenen Keller, oder Kleiderschrank, untersucht haben.

Hinweis: Der Name von Hedwig Porschütz war fehlerhaft wiedergegeben worden und ist inzwischen korrigiert. Wir bitten um Entschuldigung, d. Red.

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