Podcast „We Care!“: So geht profeministische Praxis

Viele Männer finden Feminismus mittlerweile gut. Aber welche Strategien gibt es für einen gendergerechten feministischen Kampf?

Eine Hand hält eine andere

„Nur weil man Feminismus drauf schreibt, ist da noch lange nicht Feminismus drin“ Foto: Markus Winkler/Unsplash

LEIPZIG taz | Es gibt einen Roman von Svende Merian, der sich „Tod eines Märchenprinzen“ nennt. Und nein, es geht darin nicht etwa um den dramatischen Mord an einem Prinzen, sondern um Männer. Genauer gesagt geht es aus der Perspektive einer Frau darum, welche Erfahrungen sie in ihrer ach-so-emanzipatorischen, aufgeklärten Liebesbeziehung zu einem linken Mann macht. Man könnte den Roman als Drama bezeichnen: Als das alltägliche Drama, das Frauen und Queers in der Auseinandersetzung mit cis Männern durchmachen.

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Da ist der vermeintliche linke super Typ: Politisch aktiv, gutaussehend, taz-Leser. Er wird von allen total gemocht und bekommt viel Anerkennung für seine (politische) Arbeit. Und da ist die Frau, die immer wieder zermürbende, diskriminierende, ermüdende Erfahrungen patriarchaler Machtausübung mit ihm macht. Männliche Privilegien par excellence. Das Buch aber ist nicht etwa von 2020, sondern von 1983. Es ist also 38 Jahre alt. Und dennoch – leider – sehr aktuell.

Viele Frauen und Queers, die sich mit Fragen auseinandersetzen nach Fürsorge, emotionaler Arbeit, gleichberechtigter Verteilung von Haushalts-Arbeiten und anderen Sorge- und Reproduktionsfragen, finden sich dabei auf verlorenem Posten wieder. Nur selten sind es tatsächlich die cis Männer, diese Auseinandersetzung suchen, sie gehen und daran wachsen.

Denn auch, wenn sich heutzutage viele als Feministen verstehen oder Feminismus zumindest gut finden – „na klar dürfen Frauen arbeiten gehen“ – oftmals fehlt es an Strategien, tatsächlich progressive Prozesse anzustoßen und die notwendigen Auseinandersetzungen zu führen, um die Reflexion der eigenen Männlichkeit in den Blick zu nehmen.

Janosch kennt diese Probleme. Er ist selbst ein cis Mann und betreibt seit einer Weile den Blog kritische-maennlichkeit.de, in dem es um profeministische Perspektiven und die kritische Reflexion von Männlichkeit geht. Profeministisch ist ein Begriff aus der Männerbewegung, um die feministischen Kämpfe und Errungenschaften nicht zu vereinnahmen und trotzdem zu verdeutlichen, den feministischen Befreiungskampf unterstützen zu wollen.

„Nur weil man Feminismus drauf schreibt, ist da noch lange nicht Feminismus drin“, sagt Janosch auf die Frage, welche Fallstricke beispielsweise die sogenannten Kritischen Männlichkeitsgruppen mit sich bringen. Gruppen, in denen cis Männer zusammenkommen, um über ihre männliche Identität, ihre Rollen, ihr diskriminierendes Verhalten gegenüber FLINT (Frauen, Lesben, Inter, nichtbinäre und trans Personen) zu reflektieren. Insbesondere, nachdem im vergangenen Jahr bekannt wurde, das ein Mann auf den Toiletten linker Festivals gefilmt und die Videos auf Pornoseiten hochgeladen hatte, gründeten sich viele dieser Gruppen.

Der Autor Kim Posster hat einmal in einer Diskussion gesagt, für eine antisexistische Auseinandersetzung von Männern brauche es keine Suche nach einer „neuen“, „besseren“, „feministischen“ Männlichkeit. Diese Suche könne sogar selbst zum Problem werden. Feministisches, revolutionäres Begehren, führe daher nie zu Männlichkeit hin, sondern immer nur von ihr weg. Doch was bringt es dann, sich in Männergruppen zu organisieren?

Janosch sagt, dass diese zwar gut und wichtig für die Reflexion sind, aber nicht zu einem Wettbewerb werden dürfen, in dem es darum geht, wer der beste Feminist wird. Denn das reproduziert letztendlich nur die gleiche patriarchale Logik. „Man muss als Mann nicht sonderlich reflektiert sein, um sich reflektiert zu fühlen.“ Deshalb, so Janosch, brauche es zusätzlich zur männlichen Selbstreflexion durchaus auch den Austausch mit Frauen und Queers. Und das Bewusstsein, dass auch Scheitern zur profeministischen Praxis dazugehört.

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Tatsächlich ist der Leidensdruck bei denen, die von patriarchalen Strukturen diskriminiert werden, viel größer als bei denen, die davon profitieren. Dass diese dann jedoch immer wieder darauf aufmerksam machen müssen, um das Problembewusstsein auch bei cis Männern zu fördern, bleibt wohl eine unauflösliche Frage des feministischen Kampfes um Gleichberechtigung.

Um diesem Ziel ein Stück näher zu kommen, sind es aber dennoch cis Männer, die selbst aktiv werden müssen, die Missstände zu erkennen, anzusprechen und die eigene Rolle darin zu bearbeiten.

Ob im Haushalt, in der Kinderbetreuung, im Umgang mit Freund:innen, in der Liebesbeziehung, in der Familie, in Gruppen und bei der Arbeit oder überall anders. Dazu gehört auch, den bei der männlichen Sozialisation antrainierten Zugang zu den eigenen Gefühlen zu stärken und diese zu äußern, um so miteinander in Beziehung treten zu können – ohne dass nur die eine Seite die Beziehungsarbeit leistet.

In einer neuen Folge von „We Care!“, dem feministischen taz Podcast zu emotionaler Arbeit und Care, geht es genau um diese Fragen und Schwierigkeiten. Janosch erzählt darin von seinen eigenen Erfahrungen und Schwierigkeiten in der profeministischen Praxis und der Auseinandersetzung mit sich selbst als cis Mann, während Sarah Ulrich über die Widersprüche sogenannter linker Männer spricht und feministische Strategien vorschlägt, Beziehungen gendergerecht zu organisieren.

„We Care!“ Der feministische taz-Podcast zu emotionaler Arbeit und Care. Immer monatlich auf taz.de, Spotify, Deezer und iTunes.

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