Plagiatsvorwürfe gegen Generalsekretär: Dr. Huber von der CSU

Auch der neue CSU-Generalsekretär Martin Huber bereitet der Partei bereits Verdruss. Der Grund: Er hat eine Plagiatsaffäre am Laufen.

Huber schaut nach unten

Abgeschrieben? Foto: Hoermann/Sven Simon/imago

MÜNCHEN taz | Nein, für die CSU läuft es gerade wirklich nicht gut. Nach den Ermittlungen gegen Ex-Minister Andreas Scheuer, immer neuen Einzelheiten aus dem Maskenskandal und dem unrühmlichen Abgang von Generalsekretär Stephan Mayer sieht sich nun auch schon dessen Nachfolger Martin Huber heftigen Vorwürfen ausgesetzt – am zweiten Tag im Amt. „Doktor erschummelt?“ fragt die Bild-Zeitung. „Die nächste CSU-Affäre“ antwortet die Süddeutsche Zeitung.

Bei der Vorstellung seines neuen Generalsekretärs am Freitag überschlug sich CSU-Chef Markus Söder noch mit Lob für den Neuen, das in der prägnanten Zuschreibung endete: „Einfach seriös.“ Nun könnte man es an sich schon interessant finden, dass Seriosität für Söder eine Qualität zu sein scheint, mit der man in der CSU herausragen kann, noch bemerkenswerter klingt die Zuschreibung freilich angesichts der jetzigen Vorwürfe.

Der luxemburgische Journalist und Buchautor Jochen Zenthöfer, dessen Buch „Plagiate in der Wissenschaft“ noch in diesem Monat erscheinen soll, hat in Hubers Doktorarbeit nach eigener Auskunft zahlreiche Plagiatsstellen gefunden und diese Entdeckung in der Bild am Sonntag kundgetan. Huber habe Textpassagen aus anderen Arbeiten verwandt und die Quellen dabei nicht genannt. Nach Zenthöfers Ansicht übersteigt die Anzahl der fehlenden Quellenangaben ein Ausmaß, wo man noch von vereinzelten Fehlern ausgehen könne. Bei Huber sei sogar ein Muster zu erkennen: Er habe zwar einzelne Sätze mit Quellenangaben versehen, im Umfeld dieser Sätze dann aber weitere Passagen übernommen, ohne zu kennzeichnen, dass es sich auch bei diesen um fremde Gedanken gehandelt habe.

„Mit dieser Arbeit hätte Herr Huber nicht promoviert werden dürfen“, sagte Zenthöfer gegenüber der Bild am Sonntag. Der Nachrichtenagentur dpa sagte er jedoch auch, es sei noch nicht das Stadium erreicht, in dem man sagen müsse: „Da ist der Doktorgrad auf jeden Fall weg.“ Er selbst habe die Arbeit noch nicht systematisch Seite für Seite überprüft. Das müsse die Universität jetzt tun. Darum hat Huber die Ludwig-Maximilians-Universität nun auch gebeten. „Meine Doktorarbeit wurde von mir nach bestem Wissen und Gewissen erstellt“, beteuerte Huber am Sonntag.

Huber promovierte über die CSU – und arbeitete bereits dort

Fälle von Plagiarismus ziehen sich durch so ziemlich alle Parteien. Im vergangenen Jahr etwa wurde der SPD-Politikerin Franziska Giffey ihr Doktortitel von der Freien Universität Berlin aberkannt. Nichtsdestotrotz wurde sie wenig später Regierende Bürgermeisterin der Hauptstadt.

Auch in der CSU stünde Huber, sollten sich die Vorwürfe erhärten, nicht alleine da. Allein in der Liste der Generalsekretäre dieser Partei finden sich mindestens zwei weitere zweifelhafte Doktoren. Der erste von ihnen war Karl-Theodor zu Guttenberg. Der damalige Shooting-Star der CSU war Verteidigungsminister, als ihn die Plagiatsaffäre 2011 zu Fall brachte. In seiner Dissertation fand sich wohl tatsächlich sehr wenig Eigenleistung.

Und dann wäre da noch Scheuer, der in Prag ein sogenanntes kleines Doktorat erworben hatte. Titel seiner Arbeit: „Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns“. Der Abschluss entspricht aber nicht einer deutschen Promotion. In Deutschland berechtigt er nur in den Bundesländern Bayern und Berlin zum Führen eines Doktortitels. Nach starker Kritik verwendet Scheuer seit 2014 – damals war er noch Generalsekretär – den Titel nicht mehr.

Auch Huber hatte über die Partei geschrieben, in der er gerade Karriere machen wollte: „Der Einfluss der CSU auf die Westpolitik der Bundesrepublik Deutschland von 1954–1969 im Hinblick auf die Beziehungen zu Frankreich und den USA“. Während er an der Arbeit schrieb, arbeitete er zugleich in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der CSU-Landesleitung.

„Mich wundert wirklich, was in Bayern geht“

„Der Schummelverdacht“, so FDP-Partei- und Fraktionschef Martin Hagen auf Twitter, sei „die nächste Negativ-Schlagzeile für die CSU.“ Bis zum Abschluss der Überprüfung solle Huber seinen Doktortitel freiwillig ruhen lassen. Und Hagens SPD-Kollege Florian von Brunn schimpft: „Ein #CSU-Skandal nach dem anderen & Herr #Söder tingelt über Volksfeste…“

SPD-Politikerin Katarina Barley schließlich wurde in einer Talkshow des Bayerischen Rundfunks „ein bisschen sauer“: „Ich habe meine Doktorarbeit mit Blut, Schweiß und Tränen und jedes Wort selbst geschrieben und jede Fußnote einzeln recherchiert. Und dann kommt immer wieder: ‚Du hast einen Doktor in Jura, hast ja eh nicht selbst gemacht‘.“ Angesichts der Vielzahl der CSU-Skandale sagte die Vizepräsidentin des EU-Parlaments: „Mich wundert wirklich, was in Bayern geht.“

Und auch Hubers Vorvorgänger Markus Blume, der den Abbruch seines eigenen Promotionsstudiums nie verschleiert hat, fand im Focus deutliche Worte: „Vorsätzlich getäuscht, schlampig gearbeitet und bei der eigenen Leistung schon wieder hochgestapelt“ – das habe scheinbar System. Das war allerdings im vergangenen Sommer und bezog sich auf Plagiatsvorwürfe gegen die damalige Grünen-Kanzlerkandidatin und Buchautorin Annalena Baerbock.

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