Palantir vermeidet Steuern: Sonderbehandlung für die Tech-Kinder der USA
Der US-Konzern Palantir zahlt nur ein Zehntel der Steuern, die die globale Mindeststeuer verlangt. Das zeigt ein neuer Gewerkschaftsbericht.
Sechs Verfilmungen der Herr-der-Ringe-Reihe könnte Palantir mit seinem Gewinn im Jahr 2025 produzieren. Auf diesen Profit hat das Tech-Unternehmen weltweit nur etwa 21,7 Millionen US-Dollar Steuern gezahlt – da springt gerade mal ein Zehntel einer Verfilmung bei heraus. Der Konzern, der nach einer magischen Kugel aus den Tolkien-Büchern benannt ist, zahlt wenig Steuern.
Das geht aus einem Bericht der European Public Service Union (EPSU) hervor. Der Gewerkschaftsverband setzt sich gegen Steuervermeidung und die Auslagerung öffentlicher Dienstleistungen ein. Nun veröffentlicht er in Zusammenarbeit mit dem Center for International Corporate Tax Accountability and Research einen Bericht, der der taz im Vorhinein vorlag. Er legt offen, wie Palantir global Steuern vermeidet.
Das Unternehmen Palantir ist Spezialist für Datenanalyse und verspricht Schutz vor Kriminalität, Terror und ineffizienten Arbeitsvorgängen. Das Geschäftsmodell hat sich in den vergangenen Jahren ausgezahlt. Inzwischen gehört Palantir zu den 50 größten Unternehmen der Welt. 2003 gegründet, machte es zwar erst 2023 Profit, dann aber richtig: Sein Gewinn vor Steuern verdreifachte sich von 2024 zu 2025 auf 1,66 Milliarden US-Dollar. Der Trend hält an. Am vergangenen Montag veröffentlichte das Unternehmen seine Zahlen für das zweite Quartal. Es verzeichnet eine Ertragssteigerung von rund 62 Prozent.
Viele öffentliche Behörden haben Verträge mit Palantir, in den USA etwa das Immigration and Customs Enforcement, kurz ICE, in Deutschland unter anderem die hessische Polizei. Kurz sah es so aus, als ob Software des Unternehmens auch vom deutschen Geheimdienst eingesetzt wird. Die Kritik war laut: Zivile und politische Akteure sahen Datenschutz und digitale Unabhängigkeit bedroht.
USA, Steueroase für Palantirs Gewinn
Zu den kritischen Stimmen kommt nun der Bericht der EPSU, der Palantir Steuervermeidung vorwirft. Eine Steueroase findet das Unternehmen in seinem Heimatland. Laut dem Bericht stammen etwa 74 Prozent des Umsatzes 2025 aus den USA. Aber 96 Prozent des Profits wurden in den USA verzeichnet. Das liegt nicht unbedingt daran, dass Europa nicht profitabel ist. Dem EPSU-Bericht zufolge verlagert Palantir seine Gewinne von Europa in die USA.
So wird in Europa möglicherweise weniger versteuert, als wirklich erwirtschaftet wird. 65 Prozent des deutschen Umsatzes machten zum Beispiel „Servicegebühren“ an das Mutterunternehmen in den USA aus.
Illegal ist das nicht. Doch Unternehmen suchten aktiv nach Schlupflöchern, während sie gleichzeitig von öffentlichen Aufträgen und öffentlich finanzierter Infrastruktur profitierten, sagt Jan Willem Goudriaan, Generalsekretär der EPSU. „Legalität ist der Mindeststandard, nicht das Ende der Diskussion“, ist seine klare Haltung.
Denn sind die Profite in den USA verbucht, muss Palantir kaum Steuern darauf entrichten. Auf Staatenebene zahlte das Unternehmen 22,5 Millionen US-Dollar Steuern, auf Bundesebene gar keine. Grund dafür sind großzügige Steuerfreibeträge – unter anderem aus dem „One Big Beautiful Bill“, den Trump Anfang des Jahres erließ. Zudem profitiert Palantir von sogenannten latenten Steuern. Das sind Steuervorteile, die sich in den Jahren ansammelten, als Palantir Verluste machte. Die Autor*innen des Berichts rechnen damit, dass Palantir deswegen auch in den nächsten Jahren auf US-Bundesebene keine Steuern zahlen muss.
Palantir landet so bei einem effektiven globalen Steuersatz von 1,55, so der Bericht. Zum Vergleich: Die Körperschaftssteuer in Deutschland beträgt 15 Prozent.
Globale Mindeststeuer macht Ausnahme bei US-Unternehmen
Eigentlich soll die globale Mindeststeuer der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) einen einheitlichen, fairen Steuersatz sichern. Doch Anfang des Jahres vereinbarte die Trump-Regierung einen neuen Deal mit den anderen Staaten. Für die USA gelten nun Ausnahmeregeln, bei denen Unternehmen mit Sitz in den USA nur der US-amerikanischen Mindeststeuer unterliegen.
Auf eine Anfrage nach Stellungnahme antwortet Palantir der taz nicht. Ob Palantir seinen Gewinn aktiv mit dem Ziel verschiebt, Steuern zu umgehen, ist deswegen nicht klar.
Generalsekretär Goudriaan sieht trotzdem allen Grund zur Kritik: „Der Einfluss von Palantir in Europa nimmt rasch zu, insbesondere in den Bereichen Verteidigung, Sicherheit und öffentliche Dienste“, sagt er. Wer sich vom öffentlichen Dienst finanzieren lasse, solle auch Steuern zahlen. Alles andere sei weder fair noch nachhaltig.
Die Autor*innen des EPSU-Berichts formulieren einen klaren Appell an Regierungen und Behörden: Palantir vermeiden und bestehende Verträge überdenken. In Deutschland zeigte der öffentliche Widerstand der Vergangenheit bereits erste Wirkung: Letztendlich entschied sich der deutsche Geheimdienst für eine französische Alternative.
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