PYD-Politiker in Prag festgenommen: Kurden und Linke sind alarmiert
Die Türkei will, dass Tschechien den in Prag festgenommenen syrischen Kurdenpolitiker Salih Muslim ausliefert. Dagegen regt sich in Deutschland Protest.
Muslim, der als „Außenminister“ der syrischen Kurdenpartei PYD gilt, war Samstagabend auf Antrag der Türkei während eines Besuchs in Tschechien festgenommen worden. Die türkischen Behörden werfen dem Politiker die Beteiligung an einem Anschlag vor. Muslim bestreitet aber jegliche Verwicklung in die Tat.
Der Fall erinnert an den des Kölner Schriftstellers Dogan Akhanli, der auf Betreiben der Türkei im vergangenen Jahr in Spanien wegen angeblicher Beteiligung an Straftaten festgesetzt worden war.
„Ich appelliere an die tschechische Regierung, einem Auslieferungsersuchen der Türkei für den syrisch-kurdischen Politiker Salih Muslim nicht nachzukommen“, erklärte die deutsche Linken-Politikerin Ulla Jelpke am Montag in Berlin zu dem neuen Vorfall. Sie sprach von einer „regelrechten Kopfgeldjagd“ des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf seine Kritiker und Gegner im Ausland. Muslim hatte vergangene Woche auch politische Gespräche in Berlin geführt, unter anderem mit Vertretern der Linksfraktion im Bundestag.
Mahnmarsch in Berlin
Jelpke warnte, dass dem Politiker im Fall einer Auslieferung in der Türkei Folter und Misshandlung drohten. Sie vermutet eine Verbindung zwischen der Verfolgung Muslims und den türkischen Angriffen auf die syrische Kurdenregion Afrin.
Gegen diese Angriffe sowie gegen die militärische Eskalation im syrischen Ost-Ghuta findet am Montagabend in Berlin ein Mahnmarsch von der russischen zur türkischen Botschaft statt. Russland unterstützt im Syrien-Konflikt den syrischen Machthaber Baschar al-Assad.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Verkehrsminister wollen Kostensenkung
Luxusgut Führerschein
Urteil gegen Marine Le Pen
Populistische Wut am Köcheln halten
Rechtsextreme Gewalt
Drei Monate Deutschland