Olympia – Trampolin: Drehung mit Pfiff
Genau genommen war es ein Zweikampf: Kanada gegen China. Am Ende gewinnt Kanada, weil die Chinesinnen stürzen und sich vertreten. Da helfen auch die Pfiffe nicht.
Die Startbedingungen: Was die männlichen Trampolinturner gestern gezeigt haben, gilt auch für die Frauen heute: Die großen Trampolinnationen sind China und Kanada. Als Favoritinnen starten die Chinesin Wenna He (Gold in Peking) und Shanshan Huang und die Kanadierinnen Karen Cockburn (Silber in Peking) und Rosannagh Maclennan (kanadische Meisterin).
Die Entscheidung: Spannend wird es ganz zum Schluss, in der buchstäblich letzten Sekunde: Die Favoritin Wenna He turnt eine exzellente Kür, aber verrutscht beim letzten Sprung und landet auf dem Hintern statt auf den Beinen. Das reicht nur für Bronze. Auch ihre Teamkollegin Shanshan Huang turnt nicht einwandfrei und bekommt Silber. Dafür ist die Kanadierin Rosannagh MacLennan überragend. Sie zeigt eine grandiose Kür, fehlerfrei, hoch, schnell und kompliziert. Das beschert ihr Gold.
Das Drama: Anna Dogonadze, die deutsche Teilnehmerin, verpasst das Finale. Schade, denn vor wenigen Tagen hatte sie bekannt gegeben, nach den Spielen ihre Karriere zu beenden. Eine Medaille wäre ein schöner Abschluss gewesen, für die Olympiasiegerin von 2004.
Die Schlussfolgerung: Die Chinesen, sowohl die Männer als auch die Frauen, erkennt man am Pfiff: Wenn die Turner – mitten in der Drehung des Saltos oder der Schrauben – die volle Höhe erreicht haben, pfeifen sie, um anzuzeigen, dass sie jetzt die nächste Figur einleiten.
Und sonst? Wahnsinn! Dieser Sport ist unglaublich. In einer Höhe von sieben bis neun Metern legen die Turnerinnen mehrfache Salti und Schrauben hin, als sei es das Leichteste der Welt. Kein Schwindel, keine Gleichgewichtsstörungen bei der Landung. Wird denen nicht schlecht?
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 130 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert