OB-Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern: AfD verliert in Schwerin und Wismar
In Schwerin hat ein CDU-Mann gewonnen. SPD, Linke und Grüne hatten eine gemeinsame Kandidatin aufgestellt. Ist das Konzept gescheitert?
Das Rathaus von Schwerin fällt erstmals seit Langem in die Hände der CDU: Sebastian Ehlers wird neuer Oberbürgermeister (OB) und löst damit nach 18 Jahren die SPD ab. Der CDU-Mann kam auf 54 Prozent der Stimmen, seine Konkurrentin Mandy Pfeifer erhielt nur 46 Prozent. Die SPD-Politikerin war von Linken und Grünen unterstützt worden. Ist die Strategie der Konsenskandidatin damit gescheitert?
Auf Pfeifer hatten die progressiveren Parteien sich geeinigt, um der erstarkenden AfD etwas entgegenzusetzen. Diese stellt im Schweriner Stadtrat mit 12 Sitzen bereits die stärkste Fraktion, mit der CDU und ein paar anderen kommt das rechte Lager insgesamt auf 25 Sitze. Dagegen verfügt die SPD nur über 9. Zusammen mit Grünen, Linken und einem Fraktionslosen macht das gerade einmal 19 Sitze.
Sebastian Ehlers, der jetzt zum OB gewählt wurde, ist seit 2019 Vorsitzender dieser Stadtvertretung. Der 43-jährige Politikwissenschaftler sitzt zudem seit 2016 im Landtag, wo er Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion ist. Beides will er zugunsten des neuen Amts aufgeben.
„Bei Ehlers muss man aufpassen. Der hat keine Scheu, mit der AfD im Stadtparlament zusammen abzustimmen“, warnt der Grüne Sebastian Hüller im Gespräch mit der taz. Als Beispiel nennt er den Skandal zur Arbeitspflicht für Arbeitslose. Diese hatte die AfD in Schwerin Anfang 2025 vorgeschlagen, die CDU trug die Idee mit. Die Fragen der taz dazu hat Ehlers nicht beantwortet.
Was progressive Parteien daraus lernen können
„Ich bin positiv überrascht“, sagt Hüller trotz allem zum Wahlausgang. Er sei froh, dass die Stichwahl zwischen zwei demokratischen Kandidierenden entschieden worden sei – und AfD-Frau Petra Federau schon in der ersten Runde ausgeschieden sei. Doch das war knapp: Federau erhielt 26,3 Prozent, SPD-Frau Pfeifer bekam mit 27,9 gerade mal 1,6 Prozent mehr.
Was können progressive Parteien – auch mit Blick auf die Landtagswahl – aus dieser Niederlage lernen? Hüller, der als Direktkandidat der Grünen antritt, sagt dazu: „Wir müssen diesen Elan früher zünden, den Mandy Pfeifers Wahlkampf zum Schluss hatte.“
Inhaltlich findet der Grüne es richtig, dass es viel um Themen wie Bauen und Wohnen ging und weniger um das Streitthema Migration. Schließlich habe im Land ohnehin nur eine niedrige einstellige Prozentzahl überhaupt Migrationsgeschichte.
Gemeinsame Kandidatin trotzdem richtig
Am Konzept der Konsenskandidatin zweifelt Hüller auf keinen Fall. Im Gegenteil, er habe auch für die Landtagswahl vorgeschlagen, dass Linke, SPD und Grüne die Wahlkreise für Direktkandidierende entsprechend der letzten Wahlergebnisse und Erfolgsaussichten aufteilen sollten. Doch dies habe leider nicht die Zustimmung aller Beteiligten gefunden, so der Grüne.
Hennis Herbst, Landesvorsitze der Linken in Mecklenburg-Vorpommern
Auch der Landesvorsitzende der Linken, Hennis Herbst, ist froh, dass die AfD in keiner der Wahlen einen Erfolg einfahren konnte. Für ihn zeigt das Ergebnis: „Es ist kein Naturgesetz, dass die AfD Wahlen gewinnt.“
Gemeinsame Kandidierende findet er im Einzelfall durchaus angebracht, wobei es für ihn auf die Person ankomme und ob die Linke genug berücksichtigt werde. Geklappt habe die Wahl in seiner Stadt Greifswald, wo es in der Vergangenheit gelungen sei, einen CDUler durch einen Grünen abzulösen, der Unterstützung von Linken und SPD bekommen hatte. Zu den Gründen für die Niederlage von Pfeifer könne er nichts sagen. „Dafür bin ich nicht genug Schweriner.“
Die unterlegene Mandy Pfeifer, 48, seit 2021 im Landtag, hatte in Schwerin besonders in ärmeren Gegenden wie dem Mueßer Holz gut abgeschnitten. Was das Ergebnis für die Landtagswahl bedeutet, bei der auch Pfeifer als Direktkandidatin antritt, hat die Politikerin nicht beantwortet. Die taz-Anfrage vom Morgen sei „zu kurzfristig“, hieß es.
Schwerin hat gut 98.000 Einwohner, von denen rund 77.800 wählen durften. Die Wahlbeteiligung lag nur bei 41,6 Prozent. Das ist selbst für Kommunalwahlen ausgesprochen niedrig. Dennoch erwähnt keiner der Politiker im Gespräch mit der taz die größte Gruppe der Nichtwähler – und was Parteien ändern müssten, um diese wieder zu erreichen.
In Wismar gewinnt die SPD gegen die AfD
In der Hansestadt Wismar konnte die SPD sich hingegen durchsetzen. Insgesamt 34.301 der rund 44.000 Bewohner*innen waren wahlberechtigt. In der Stichwahl siegte der Sozialdemokrat Frank Junge sehr deutlich gegen die AfD-Frau Manuela Medrow. Junge bekam 68,2 Prozent der Stimmen, die AfD-Frau nur 31,8 Prozent.
Das Ergebnis entspricht den Erwartungen, nachdem Junge in der ersten Runde vor gut zwei Wochen mit 42,1 Prozent bereits gut doppelt so viele Stimmen wie Medrow bekommen hatte. Während der 58-jährige Junge bereits seit 2013 für die SPD im Bundestag sitzt, ist Medrow erst im Mai letzten Jahres in die AfD eingetreten und gilt als unerfahren. Die Wahlbeteiligung in Wismar lag bei 50,7 Prozent. Junge übernimmt das Amt am 20. Juli und folgt damit auf seinen Parteikollegen Thomas Beyer. Der war nach 16 Jahren im Rathaus nicht noch einmal angetreten.
„Die Menschen haben sich klar für demokratische Werte entschieden“, wertet Rachel Hanf das Ergebnis. Die 20-Jährige ist Aktivistin, organisiert unter anderem den CSD in Wismar, ist Mitglied der Linken und arbeitet als Barista in einem Café. „Zum Glück hat die SPD gewonnen. Ich bin froh und dankbar, dass Frank Junge nun unser Bürgermeister wird“, sagt sie auf taz-Anfrage.
Wäre die Wahl anders ausgegangen, hätte das die Demokratie im „so schönen Wismar“ für die nächsten acht Jahre massiv gefährdet. Bei aller Erleichterung fordert sie weiterhin Wachsamkeit, damit die rechtsextreme AfD keine anderen Wahlen gewinnt. „Wir müssen genau hinschauen, welche Parteien mit ihr zusammen arbeiten.“
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