Norbert Röttgen und die CDU: Mit aufgerissener Jacke

Röttgen als CDU-Chef? So blöd ist das nicht. Er wirkt freundlicher als Merz und hat sich als Umweltminister das wichtigste Thema erschlossen.

Norbert Röttgen auf dem Weg zu einer Pressekonferenz.

Anders als Merz schaffte es Röttgen, seinen Groll nicht Jahre vor sich herzutragen Foto: Felix Zahn/photothek/imago

Der größte Fehler in der Bewertung der CDU ist es jetzt, Norbert Röttgen mit Friedrich Merz zu verwechseln: Herrje, da reaktiviert sich erneut einer, den Angela Merkel mal aus der ersten Reihe entfernte. Und – hihi – wann tritt bloß der Koch wieder an und wann der Oettinger.

Schon richtig, Merkel hat Röttgens Aufstieg 2012 beendet. Der damalige Bundesumweltminister verlor die Wahl in Nordrhein-Westfalen kläglich, vorher versuchte er noch Prozentpünktchen auf Kosten der Kanzlerin zu retten. Die entließ ihn als Minister, es wirkte, als stieße sie jemanden in voller Fahrt vom Fahrrad.

Aber anders als Merz schaffte es Röttgen, seinen Groll nicht Jahre vor sich herzutragen. Er blieb Politiker, was auch erklärt, warum ihm nicht so viele handwerkliche Fehler unterlaufen wie Merz. Röttgen ist Chef des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Was Merkel betrifft, hielt er meistens die Klappe.

Jetzt lästert er über das Verfahren der scheidenden Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer zur Besetzung des CDU-Vorsitzes und der Kanzlerkandidatur: Eine Jacke, wo schon der erste Knopf falsch geknöpft sei. Tatsächlich wirkten die Bemühungen ziemlich verzweifelt, den Umfragefürsten Merz, Gesundheitsminister Spahn und den mächtigen, aber noch zaudernden nordrhein-westfälischen Regierungschef Laschet irgendwie zusammenzubringen.

Die Partei ist nicht doof

Röttgen hat diesen Moment genutzt. Um in seinem Bild zu bleiben: Die Jacke hat er aufgerissen, dass die Knöpfe abgeplatzt sind. Er will einen schnellen Bundesparteitag, eventuell auch eine Mitgliederbefragung.

Röttgens Kandidatur ist ernst zu nehmen. Nicht nur, weil auch in der CDU viele Merz’ Song von den guten alten Zeiten nervt. Sondern weil die Partei nicht doof ist. Röttgen wirkt freundlicher als Merz. Und erschloss sich damals als Umweltminister das wichtigste Thema. Ja, er ist Teil der deutschen Klimamisere, und auf der Konferenz von Kopenhagen scheiterte er 2009 mit. Aber er lernte dort, und dealte später erste Absprachen zwischen EU und Schwellenländern aus. Für die Grünen wäre Röttgen im Bundestagswahlkampf das schwierigere Match, schwieriger als eins gegen Merz.

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Jahrgang 1974, schreibt gerne über Parteien und Personen, Machtfragen und Merkel, Debatten und Demokratie. Hat seit 2005 über alle Bundestagswahlen und etliche Landtagswahlen berichtet. Kommentare, Interviews, Porträts.

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