Neues ARD-Format vor der „Tagesschau“: Lieber Sprüche

Statt eine Sendung über das Klima, startet die ARD das Format „Sprüche um acht“, in dem Redewendungen erklärt werden.

Jan Hofer

Jan Hofer soll „Klima vor acht“ bei RTL moderieren Foto: Christoph Hardt/imago

Sind Sie auch schon so aufgeregt? Am Freitag startet das TV-Ereignis des Jahres! Damit ist übrigens nicht die Fußball-EM gemeint, obwohl es schon etwas damit zu tun hat. Es geht um „Sprüche vor acht“, das neue ARD-Format freitags kurz vor der „Tagesschau“. Es ersetzt hier für die EM-Wochen die „Sportschau vor Acht“. Als Entspannungsmaßnahme und Hirnerfrischung bei drohendem Fußball-Overkill.

Den Anfang macht diesen Freitag die Redewendung „Jemandem aufs Dach steigen“. Irre spannend. Warum haben sie nicht mit „Ein buschiger Schwanz allein reicht nicht, man muss auch ein Fuchs sein“ angefangen? So schießt sich die ARD mal wieder ’nen Bock.

Denn da gibt es die Initiative „Klima vor acht“, die ihren Rundfunkbeitrag wörtlich nimmt. Sie will zur Verbesserung des Programms bei­tragen. „Klima vor acht“ hat vorgeschlagen, dass die ARD diese fünf „Sportschau“-Minuten fürs Klimabewusstsein hergibt. Doch daraus wird nichts.

„Die ARD tut sich wohl schwer damit, dass plötzlich frische Ideen an sie herangetragen werden“, meint die Mitbewohnerin. „Da gab es ja keinen Aushang am Schwarzen Brett: Programmplatz zu vergeben.“ Und weil es bestimmt auch keine Dienstanweisung gibt, wie hier zu verfahren ist, wirkt die ARD völlig überfordert.

RTL schlägt zu

Jetzt wüssten wir schon gern, wer das in der ARD eigentlich verbockt hat. Immerhin gab es mittlerweile ein Gespräch der „Klima vor acht“-Initiative mit der neuen ARD-Programmdirektion. Trotz der Public-Value-Aktion „Wir sind deins“ anscheinend ohne wirkliches Ergebnis. Dann hätte ja auch Volker Herres ARD-Programmdirektor bleiben können.

Wenn sich zwei streiten, freut sich bekanntlich der Dritte. RTL, der alte Fuchs, kündigte prompt an, anstelle der ARD „Klima vor acht“ ins Programm zu nehmen. Auch direkt vor den Hauptnachrichten. Frontmensch wird übrigens Ex-Mr. „Tagesschau“ Jan Hofer. Zu diesem Klimawandel passt die aktuelle Meldung, dass auch Pinar Atalay im August von den „Tagesthemen“ zu RTL wechselt.

Das ZDF ist bei all dem wieder aus dem Schneider. Da laufen die Hauptnachrichten ja schon um sieben. ZDF-Intendant Thomas Bellut würde aber auch kein Klima vor sieben machen. „Klima ist wichtig, aber danach kommt das nächste Thema“, so Bellut. Und deswegen sei es falsch, „so etwas vorzugeben, denn damit macht man Politik“.

Durchs Nichtmachen aber auch! Von wegen Ende gut, alles gut, das klingt eher nach Angst vor der eigenen Courage. Aber das ist auch wieder nur so’n blöder Spruch. Die Mitbewohnerin hat derweil schon mal was vorbereitet. Ein Exposé fürs ARD-Format „Weltuntergang nach acht“.

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2000-2012 Medienredakteur der taz, dann Redakteur bei "ZAPP" (NDR), Leiter des Grimme-Preises, 2016/17 Sprecher der ARD-Vorsitzenden Karola Wille, seit 2018 freier Autor, u.a. beim MDR Medienportal MEDIEN360G. Schreibt jede Woche die Medienkolumne "Flimmern und rauschen"

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