Neuer Zürich-„Tatort“: Ein ungleiches Duo
Der Zürich-„Tatort“ ist ein schönes Beispiel für zwei Kumpels mit und ohne Behinderung. Dann verzettelt er sich aber leider in zu vielen Geschichten.
Foto: ARD Degeto Film/Bild Kommunikation
E s gibt einen Moment im „Tatort“ diese Woche, der könnte der Anfang sein von einer Geschichte mit Potenzial.
Zwei Männer, ein Motorrad, eine Mission: Jacob, ein Wäschereimitarbeiter mit Down-Syndrom (Benjamin Raue) geht zusammen mit Simon, einem Ex-Rockerchef ohne Down-Syndrom (Ronald Zehrfeld) auf Böse-Buben-Jagd. Sie suchen nach Simons Tochter, die entführt worden ist.
Das ist ein Duo, das man, soweit ich weiß, noch nicht gesehen hat. Die Chemie stimmt auch zwischen den beiden: Zehrfeld gibt den abgehalfterten Kriminellen mit Herz aus Gold, Raue dagegen den scheinbar unschuldigen Sidekick, der schnell ausrastet.
„Frei wie ein Adler“
Zürich-„Tatort“: „Frei wie ein Adler“, So., 8. November, 20.15 Uhr, ARD (20.05 Uhr, SRF 1)
Krimifans werden sich jetzt ausmalen, was daraus für eine schöne Kumpeldynamik erwachsen könnte. Ich liebe ja ungleiche-aber-kompatible Duos und finde, viele mögliche Kombis sind noch gar nicht probiert worden. Ich kann’s kaum erwarten, mehr Duos aus Menschen mit und ohne Behinderung im Krimi zu sehen.
Viele Plots auf einmal
Nur: Als die beiden aufs Motorrad steigen, ist der Film schon halb vorbei. Der Zürich-„Tatort“ hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, ein gutes halbes Dutzend Geschichten auf einmal zu erzählen, und jede davon so wenig wie möglich.
Die Kommissarinnen Grandjean (Anna Pieri Zürcher) und Ott (Carol Schuler) haben erstens einen Mord zu klären, nämlich den an der Besitzerin der Wäscherei. Unter Verdacht steht der besagte Ex-Rockerchef, grade frisch aus dem Knast gekommen. Der wiederum hat eine Nebenhandlung, nämlich dass er seiner Tochter ab sofort ein guter Vater sein will. Die Tochter, wie gesagt, wird entführt.
Ebenfalls verdächtigt wird Jacob, der mit dem Verlust seines Jobs zu kämpfen hat. Und er hat eine Nebenhandlung in seiner Wohngruppe, nämlich Beziehungsprobleme mit seiner Mitbewohnerin.
Kommissarin Grandjean kriegt ebenfalls einen Subplot: Dass sie einen Mann mit Down-Syndrom als Mörder verdächtigen muss, macht ihr Gewissensbisse.
Zugegeben, in diesem zotteligen Büschel Erzählfäden ist am Ende ein jeder mit dem anderen verknüpft. Schön ist auch, dass hier mit dem Ensemble eines inklusiven Theaters gearbeitet wurde.
Leider bekommt keiner der Plots genug Zeit, emotional hängenzubleiben, geschweige denn Spannung zu erzeugen. Selbst die Motorradkumpel sind nur wenige Minuten im Bild. Kann man aber schauen – vielleicht als Inspiration für ein gutes halbes Dutzend passable Krimis.
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