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Neuer Chef der BischofskonferenzHeiner will mehr

Klimaschutz, Frauenweihe, Homosexuelle, Zölibat: Mit Heiner Wilmer wählt die katholische Bischofskonferenz einen progressiven Vertreter an ihre Spitze.

Aufgeklärt: Heiner Wilmer ist der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Foto: Daniel Löb/dpa

Der Missbrauch von Macht stecke „in der DNA der Kirche“. So sagte Heiner Wilmer einmal, kurz nach seiner Ernennung zum Bischof von Hildesheim. Dass seine bischöflichen Brüder Wilmer jetzt an die Spitze der katholischen Kirche in Deutschland gewählt haben, lässt zumindest auf eine gewisse gentechnische Veränderung hoffen.

Wilmer, Jahrgang 1961, ist ein Bauernkind aus dem Emsland. Er besuchte ein Gymnasium der Herz-Jesu-Priester, nach dem Abitur trat er selbst diesem Orden bei, studierte Theologie, Romanistik und Philosophie in Freiburg und Paris.

Eine Zeit lang arbeitete Wilmer als Lehrer in der New Yorker Bronx, leitete dann eine Schule der Herz-Jesu-Priester und wurde 2007 Provinzial seines Ordens in Deutschland. 2015 wechselte er nach Rom, um die weltweite Leitung der Herz-Jesu-Priester zu übernehmen. 2018 ernannte Papst Franziskus Wilmer zum Bischof des relativ armen Diasporabistums Hildesheim.

Am Dienstag dann wählte die Deutsche Bischofskonferenz Wilmer in Würzburg zu ihrem neuen Vorsitzenden. Als solcher folgt er dem Limburger Bischof Georg Bätzing, der dem mächtigsten Gremium in der deutschen katholischen Kirche seit 2020 vorstand und nicht mehr zur Wahl angetreten war.

Verkommene Moralinstitution

In seinem ersten Statement als neuer Vorsitzender der deutschen Bischöfe verwies Heiner Wilmer auf die Rolle der Kirche für die Gesellschaft. Sie sei für viele Menschen ein „wichtiger Anker“ und mit ihrem sozialen Engagement eine Säule in der Gesellschaft. Außerdem wolle sie Botschafterin des Friedens sein. In der Vergangenheit hatte sich Wilmer immer wieder gegen Rüstungsexporte, insbesondere in Kriegs- und Krisengebiete, ausgesprochen. Auch zum Zustand der Demokratie und des Sozialstaats hat er sich wiederholt zu Wort gemeldet sowie zur Notwendigkeit von konsequentem Klimaschutz.

In der innerkirchlichen Debatte gilt Wilmer als progressive Stimme. 2019 kritisierte er, dass die katholische Kirche im 20. Jahrhundert in Verkündigung abgeglitten sei, die dazu geführt habe, dass die Kirche zu einer „Moralinstitution verkommen“ sei. Mit Fokus auf das, „was unter der Bettdecke passieren darf“.

Es könne nicht sein, sagte Wilmer ein andermal, „dass durch die kirchliche Lehre Menschen verletzt oder diskriminiert werden“. Eine solche Haltung könne nicht dem Willen Jesu Christi entsprechen. Als „richtungsweisend“ begrüßte Wilmer die römische Erlaubnis zur Segnung homosexueller Paare.

Er kritisierte, dass die Kirche zu einer Moralinstitution verkommen sei. Mit Fokus auf das, „was unter der Bettdecke passieren darf“

Wilmer will darüber reden, ob der Zölibat wirklich für alle katholischen Priester verpflichtend sein muss, und wünscht sich mit Blick auf die Frage nach der Weihe von Frauen eine offene Gesprächskultur. Allen vatikanischen Sprechverboten zum Trotz. In seinem eigenen Bistum gibt es bereits alternative Leitungsmodelle, auch Frauen besetzen dort Führungspositionen.

Das System ist ein Sünder

Der Machtmissbrauch in der Kirche, sexualisierte Gewalt inklusive, erfordere „ein radikales Umdenken“, sagte Wilmer einmal. Es gebe nicht nur den Einzelnen als Sünder, sondern auch „Strukturen des Bösen“. Um das Böse in der Kirche einzudämmen, müsse es Gewaltenteilung geben.

Die sollte in den letzten Jahren durch den sogenannten Synodalen Weg gelingen. Wilmers Vorgänger war ein entschiedener Befürworter dieses Demokratisierungsprozesses innerhalb der deutschen katholischen Kirche, hat aber deutlichen Gegenwind aus Rom und von konservativen deutschen Oberhirten bekommen. Dass er Gegenwind fürchtet, darauf lässt das bisherige Auftreten des neuen Oberoberhirten nicht schließen.

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3 Kommentare

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  • Wenn neuem Chef Deutscher Bischofskonferenz Heiner Müller Wort in Taten folgen "Um das Böse in der Kirche einzudämmen, müsse es Gewaltenteilung geben" wird es um Rechenschaft übers Handeln gehen, Bilanzen der Finanzen deutscher Bistümer zu erstellen, was seit Restitutionsgesetz 1919 Weimarer Republik mit christlichen Amtskirchen nicht der Fall ist. Offenzulegen vor Gemeinden, was sie woher einnehmen, für was ausgeben, ab wann sie dank staatlichem Steuerprivileg finanziell auf eigenen Füssen standen seit 1919, sich selbsttätig aus staatlicher Alimentation lösen können.



    Diese Gewaltenteilung in Kirchen zu ermächtigen ist Ziel meiner Petition



    "Ende Gelände Blackbox Bistum Finanzen. Her mit den Bilanzen" gegenüber Öffentlichkeit synodalen Weges. Offenlegung Bistum Vermögens an Grund, Boden, Immobilien, Agrarflächen, Forsten, Tendenzbetrieben, Unternehmensbeteiligungen, Joint Ventures mit privaten Firmen Partnern im In- und Ausland, die daduch an staatlichen Kirchenprivilegien partizipieren, geparktes Spendenaufkommen in Kapitalanlagen legal investieren, was aber nicht legitim ist



    www.change.org/p/e...mit-euren-bilanzen

  • Die Katholiken in Deutschland können und werden sich natürlich weiter um die spirituellen Kernthemen Zölibat, Frauenpriestertum, Schwulenehe kümmern. "Nägel mit Köpfen" werden aber im Vatikan gemacht. Der vergleichsweise liberale Papst Franziskus hat bereits daran erinnert, dass in Deutschland keine zweite protestantische Kirche benötigt wird.



    Auch der aktuelle Papst Leo hat sich zu den fraglichen Themen bereits positioniert, sogar mehrfach.



    www.spiegel.de/pan...-9296-d1cd1414c352



    Hr. Wilmer kann es ja auch wieder probieren. Ihm werden ja "kurze Drähte" in den Vatikan nachgesagt.



    Allerdings befürchte ich, dass selbst wenn in der katholischen Kirche in Deutschland die Ziele des synodalen Weges erreicht würden, es ihr um keinen Millimeter besser gehen würde als jetzt. Man schaue sich die protestantischen Kirchen an, die all das ja haben, deren Lage aber genauso prekär ist.



    Was fehlt, sind eben nicht ein paar Änderungen in der Struktur, sondern gläubige Menschen, die die christl. Botschaft ernst nehmen, und die Kirche nicht als NGO, individualistische Wärmestube oder Ringelpiez-mit-Anfassen betrachten.

  • Er sieht sehr evangelisch aus.