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Neue SicherheitsarchitekturSydney rüstet sich für den nächsten Terroranschlag

In der australischen Metropole patrouillieren künftig schwer bewaffnete Polizisten als Folge des antisemitischen Terroranschlags vom Bondi Beach.

Aus Canberra

Urs Wälterlin

Wer demnächst durch Sydney spaziert, könnte Polizisten mit automatischen Sturmgewehren und Spezial-SUVs begegnen. Und das ist keine vorübergehende Maßnahme. Das Armed Response Command (ARC) soll künftig rund um die Uhr einsatzbereit sein. Insgesamt 250 Beamte werden der Einheit angehören. Für Aufbau, Ausbildung, Waffen, Fahrzeuge und ein neues Operationszentrum stellt die Regierung des Bundesstaats New South Wales (NSW) zunächst 94 Millionen australische Dollar bereit, umgerechnet 58,5 Millionen Euro.

Der Auslöser liegt zehn Monate zurück: Am 14. Dezember 2025 griffen zwei mutmaßlich vom „Islamischen Staat“ inspirierte Männer eine Chanukka-Feier am berühmten Bondi Beach an und töteten 15 jüdische Menschen. Nach bisherigen Erkenntnissen begann der Angriff als überraschender Anschlag. Innerhalb von 29 Sekunden wurden elf Menschen getroffen.

Vier Polizisten waren zu Beginn vor Ort, innerhalb von fünf Minuten waren es schon elf. Drei Beamte wurden verletzt, die beiden Angreifer innerhalb von sieben Minuten von der Polizei angeschossen. Ein Attentäter starb, der andere sitzt seither in Haft.

Gerade die Bewaffnung der Polizei wurde danach zum Thema. Vor der Untersuchungskommission sagte der stellvertretende Polizeichef Mal Lanyon, die Beamten seien während des Schusswechsels mit ihren 9-Millimeter-Pistolen gegenüber den mit Langwaffen ausgerüsteten Tätern sehr benachteiligt gewesen. Der Aufbau des ARC sei deshalb beschleunigt worden.

Polizeichef: „Das Klima hat sich verändert.“

Die neue Einheit ersetzt Operation Shelter, die angesichts zunehmender antisemitischer und islamfeindlicher Vorfälle nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 auf Israel eingerichtet worden war. Die Aufgabe von Operation Shelter war zunächst der Schutz besonders gefährdeter Einrichtungen wie Synagogen und religiöser Veranstaltungen.

Nun wird daraus eine permanente, mobile Sondereingreiftruppe. Polizeichef Lanyon spricht von einer veränderten Sicherheitslage: „Das Klima hat sich verändert.“ Damit müsse sich auch die Polizeiarbeit verändern.

„Wir hoffen, dass die Polizisten dieser Einheit nie gerufen werden müssen. Aber wenn, ist die Polizei von NSW vorbereitet“, erklärte der Premier des Bundesstaates, der Labor-Politiker Chris Minns. „Die Bevölkerung wird diesen Beamten und ihren Fahrzeugen jetzt in Sydney zu sehen, wenn das Training beginnt. Wir wollen auf das Schlimmste vorbereitet sein und sicherstellen, dass die Stadt sicher ist.“

Verschärftes Waffenrecht

New South Wales verschärfte bereits das Waffenrecht: Seit Juli gelten kürzere Laufzeiten für Waffenscheine und strengere Prüfungen beim Erwerb von Schusswaffen. Parallel prüfte ein Untersuchungsausschuss, ob Polizei und Nachrichtendienste die vor Bondi verfügbaren Informationen ausreichend bewertet und ausgetauscht hatten. Der Zwischenbericht vom April enthielt 14 Empfehlungen.

Die jüdische Gemeinde begrüßt die Verstärkung des Schutzes und die Einrichtung des ARC, drängt jedoch darauf, dass der Staat neben der stärkeren Bewaffnung der Polizei den wachsenden Antisemitismus konsequenter bekämpft. Jüdische Kreise hatten nach dem Terrorangriff eigene bewaffnete Sicherheitskräfte gefordert, die vor gefährdeten Gebäuden patrouillieren sollen. Das lehnte die Polizei ab.

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