Neue Musik aus Berlin: Kränkerer Mann im Gespräch

Der Musiker Tobias Vethake aka Sicker Man hat auf seinem neuen Album „Dialog“ acht Musikerinnen* für musikalische Zwiegespräche versammelt.

Portätfoto von Tobias Vethake aka Sicker Man

Tobias Vethake aka Sicker Man Foto: Thomas Neukum

Neue Begegnungen gestalten sich seit einiger Zeit ja schwieriger. Wenn alle zu Hause sitzen, kommt der, die oder das Neue allenfalls über den Bildschirm zu einem. Echte Begegnungen in einem Raum, genauer in einem Studio, hat sich hingegen der Berliner Musiker Tobias Vethake für das jüngste Album seines Projekts Sicker Man gesucht. Zum Teil hatte der Cellist mit seinen Studiopartnern noch nie zuvor musiziert.

„Dialog“ nennt sich das Resultat, auf dem Sicker Man acht dieser offenen Zwiegespräche versammelt. Alle Nummern sind ohne vorherige Abstimmung eingespielt. Man traf sich zum vereinbarten Termin und legte los.

Der taz plan erscheint auf taz.de/tazplan und immer Mittwochs und Freitags in der Printausgabe der taz.

Wobei stets instrumental vorgegangen wurde, anders als bei den meisten der älteren Sicker Man-Alben, auf denen Sicker Man mit Vorliebe einen Freiform-Pop erkundete, durchaus schon mal im Songformat. Auf „Dialog“, wie schon auf der 2018 erschienen Platte „Off the Trail“, wird dafür nicht mehr gesungen.

Recht unterschiedlich sind die einzelnen Treffen ausgefallen, selbst wenn es vereinzelte Ähnlichkeiten im Ansatz gibt. Eine Vorliebe für Drones ist zu erkennen, etwa im Stück mit Vethakes Partnerin Kiki Bohemia, die ihrerseits elektronische Klänge beisteuert.

Albumcover Sicker Man "Dialog"

Sicker Man: „Dialog“ (blankrecords/broken silence)

Auch der Gitarrist Aidan Baker, eine veritable Drone-Instanz, bekannt geworden mit Projekten wie Nadja und zudem in diversen anderen Formationen im musikalischen Dauereinsatz, hat mit Vethake eine ruhige, fast schwebende Nummer aufgenommen.

Mit der Performerin Ángela Muñoz Martínez andererseits kommt es zu einer nervös rhythmischen Unterredung, bei der neben allerlei Perkussionsklängen auch Vethakes Cello wie ein Schlaginstrument eingesetzt wird. Jörg Maria Zeger wiederum, unter anderem als Gitarrist der Improv-Gruppe Perlonex aktiv, schichtet mit Vethake behutsam Loops übereinander.

Und im abschließenden Dialog mit dem Gitarrenforscher Schneider TM werden die Verzerrer in nicht-rockender Absicht angeworfen. Am Ende, wie schon zu Beginn der Platte, ertönt türkische Hochzeitsmusik. Auch das der Auftakt zu einem Dialog.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Jahrgang 1971, arbeitet in der Kulturredaktion der taz. Boehme studierte Philosophie in Hamburg, New York, Frankfurt und Düsseldorf. Sein Buch „Ethik und Genießen. Kant und Lacan“ erschien 2005.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de