Neue BMK-Präsidentin: Sie findet Leistung „cool“
Die bayerische Kultusministerin Anna Stolz übernimmt den Vorsitz der Bildungsministerkonferenz. Ihre Schwerpunkte kommen nicht überall gut an.
Die Bundesrepublik schreibt am Donnerstag bildungspolitische Geschichte: Erstmals übernimmt mit Anna Stolz eine Ministerin aus Bayern den Vorsitz der Bildungsministerkonferenz (BMK), die nicht in der CSU ist. Die Politikerin der Freien Wähler ist, das dürfte viele der übrigen Bildungsminister:innen freuen, auch nicht immer einer Meinung mit ihrem Ministerpräsidenten Markus Söder.
Zu dessen jüngstem Vorstoß etwa, dass Schulen in Bayern zu bestimmten Anlässen schon bald verpflichtend die National-, Europa- und Bayernhymne spielen sollen, bemerkte Stolz, dass es dabei nicht auf die Pflicht ankäme, sondern um die Beschäftigung mit Werten und Normen.
Beim Thema unangekündigte Tests an Schulen liegen die Positionen offenbar noch weiter auseinander. Stolz wollte „grundlegend“ prüfen, ob die hohe Zahl an Tests im Unterricht noch zeitgemäß sei, wie das andere Bundesländer längst getan haben – bis Söder ein Machtwort zugunsten unangekündigter Examen sprach. Bei Schulen in Bayern kommt vor allem gut an, dass Stolz großen Wert darauf legt, mögliche Änderungen immer vorab mit der „Schulfamilie“ zu besprechen. Also mit Schulleitungen, Eltern, Schüler:innen und Lehrkräften.
Ihr politisches Profil ist – ungeachtet aller Unterschiede zu Söder – jedoch klar konservativ. Als Schwerpunkt für den einjährigen BMK-Vorsitz hat Stolz unter anderem die Förderung einer „gesunden und positiven Leistungskultur“ an Schulen gewählt. Vor ihrer Abreise zur offiziellen Amtsübergabe nach Berlin sagte Stolz: „Leistung ist auch etwas verdammt Cooles.“ Kinder wollten sich messen, besser werden und spüren, was in ihnen steckt.
Leistung, aber ohne Druck?
Gleichzeitig möchte Stolz aber auch Sport und generell Bewegung an Schulen fördern. Im Freistaat hat Stolz zu Beginn des Schuljahrs bereits mehr Bewegung verordnet. An Grundschulen gilt seither eine tägliche „Bewegungs-Halbestunde“ (in Anlehnung an die „Verfassungs-Viertelstunde“, mit der die politische Bildung gestärkt werden soll). Als BMK-Präsidentin will Stolz natürlich auch die „digitale Bildung“ stärken.
Aus Sicht von Lehrerverbandschef Stefan Düll ist das insgesamt eine vernünftige Schwerpunktsetzung. Vor allem das Bekenntnis zum Leistungsprinzip begrüßt er: „Vom Grundsatz her muss Schule Leistung fordern“, sagt Düll der taz. Leistung und Druck seien nun mal Teil des Lebens. Als Schulleiter weiß er: Mit Lernvorgaben, Tests und Noten könne man Schüler:innen „aus ihrer Komfortzone“ holen. Das sei angesichts sinkender Leistungen deutscher Schüler:innen im Lesen und Rechnen wichtig – und auch politisch das richtige Signal.
Lilli Berthold, Bundesschülerkonferenz
Die Bundesschülerkonferenz hingegen blickt mit Skepsis auf die neue BMK-Präsidentin. „Ein Bekenntnis zum Leistungsprinzip ist für uns kein pädagogisches Konzept“, sagt Vize-Generalsekretärin Lilli Berthold der taz. Im Gegenteil verschärfe es die ungleichen Startchancen. „Nur wer ohnehin schon gute Leistungen erbringt, stellt sich gerne dem Wettbewerb.“ Für alle anderen bedeute es nur noch mehr Druck.
Die Bundesschülerkonferenz fordert seit Längerem mehr Aufmerksamkeit für das Thema psychische Gesundheit an Schulen. In ihrer aktuellen Mental-Health-Kampagne fordert sie unter anderem mehr Schulpsycholog:innen und Sozialarbeiter:innen an Schulen, mehr Präventionsangebote sowie verbindliche Standards für mentale Gesundheitsbildung.
Anna Stolz übernimmt den Vorsitz der BMK von der Bildungsministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Simone Oldenburg (Linkspartei). Ihr Motto war: mehr Chancengerechtigkeit.
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