Nazi-Hooligan wird ausgeschlossen

Rechtsausleger im Kampfring

In letzter Minute wird ein rechter Hooligan aus dem Programm eines Kampfabends gestrichen. Es gibt kaum Berührungsängste im Ring.

Zwei Männer kämpfen im Ring

Nahkampf bei Martial Arts: klappt, wenn da keine Nazi-Hools mitmischen Foto: reuters

Balingen ist Kampfstadt. Peter Sobotta hat sich in der 35.000-Einwohner-Stadt am Rande der Schwäbischen Alb niedergelassen. Für Freunde der gemischten Kampfkünste in Deutschland, für Fans der Mixed Martial Arts (MMA), ist der Deutsch-Pole eine große Nummer. Er gehört zu den Kämpfern, die bei der UFC, der Ultimate Fight Championship, dem weltweit größten Ausrichter von Kampfabenden, unter Vertrag steht. In Balingen betreibt er ein Kampfsportstudio. Und am Wochenende stellt er in Balingen sein neues Kampfsportevent „Nova“ vor. Um ein Haar hätte Timo Feucht, ein Nazi-Hooligan aus Leipzig, dort seinen großen Auftritt bekommen. Am Donnerstag wurde bekannt, dass Timo Feucht dann doch nicht kämpfen wird in Balingen.

Linke Aktivisten aus der Kampfsportszene hatten auf den Auftritt des Kämpfers aus dem Nazi-Millieu hingewiesen. Sie hatten auch dazu aufgefordert, sich mit Protestschreiben an den Strea­mingdienst ranfighting.de zu wenden, der das Nova-Event am Samstag kostenlos im Web überträgt. Auch der Schwarzwälder Bote hatte berichtet über den geplanten Auftritt des Schlägers, der festgenommen wurde, als rechte Hooligans den Leipziger Szenestadtteil Connewitz überfallen und dort massive Schäden in 25 Läden und Bars angerichtet hatten. Kein Wunder, dass Balingens 2. Bürgermeister Reinhold Schäfer, heilfroh war, als er am Donnerstag der taz auf Anfrage „vorab“ mitteilen konnte, dass Feucht nun doch nicht kämpfen wird. Auf die Frage, wie man in der Stadt über einen Kampfabend in der städtischen Sparkassen-Arena gedacht hat, an dem ein Nazi-Kämpfer teilnimmt, wollte er nicht mehr antworten.

In der Begründung der Veranstalter zur Absage des Kampfs heißt es: „Schweren Herzens müssen wir euch mitteilen, dass wir euch den Kampf von Timo ‚Teddy‘ Feucht am Samstag nicht mehr präsentieren können.“ Feucht stehe bei einem anderen Veranstalter unter Vertrag, bei Brave, sei von Nova nur ausgeliehen. Weil er bei Brave im nächsten Monat einen hochkarätigen Kampf bestreite, sei er gesperrt. Ob das stimmt, ist schwer überprüfbar. In der Auflistung der Kämpfer von Brave findet sich der Name Feucht jedenfalls nicht. Sicher ist nur, dass er schon einmal für Brave gekämpft hat. Im August 2017 hat er seinen Kampf gegen den Brasilianer Klidson Farias de Abreu verloren. In Balingen wollte er sein Comeback feiern.

Für das hat Feucht in einem Video geworben, das ihn am Völkerschlachtdenkmal im Südosten Leipzigs zeigt. Er trägt eine Hose, die ihn als Anhänger des Fußballklubs Lok Leipzig erkennen lässt, zu dessen rechter Hooligan-Szene er gehört, und eine Trainingsjacke seines Kampfstalls „Imperium Fighting“. In einem Kommentar unter dem Video teilt Feucht mit, er habe gehört, es werde sich eine Armee in Richtung Balingen in Gang setzen. Aus einem machtvollen Auftritt der Leipziger rechten Szene in Balingen wird nun erst mal nichts.

Rechtsaußenkämpfer lechzen nach Auftritten

Ob wirklich stimmt, dass Feucht wegen vertraglicher Verpflichtungen bei Nova absagen musste oder ob man den rechten Kämpfer klamm und heimlich aus dem Programm gestrichen hat, wird sich schon in drei Wochen zeigen. Da steht er bei der Kampfnacht „La Familia“ in Halle auf dem Programm. Der „La Familia Fight Club“ war lange die sportliche Heimat von Feuchts Trainingspartner Benjamin Brinsa.

Dieser Text stammt aus der taz am wochenende. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo. Und bei Facebook und Twitter.

Der hätte es unter seinem Kampfnamen „The Hooligan“ beinahe mal in die UFC und damit auf die internationale Bühne geschafft. Doch die US-Organisation schreckte dann doch vor den Informationen über Brinsa zurück, die ihn als Mitglied der rechten Hooligan-Vereinigung „Szenario Lok“ ausgewiesen haben.

Brinsa, Leiter des „Imperium Fight Club“, ist seit Jahren mit Balingens Vorkämpfer Sobotta befreundet. Der hat keine Berührungsängste mit einem Rechtsaußen wie Brinsa und hätte ihm um ein Haar die Tür für einen seiner rechten Kämpfer aus dem Imperium-Stall geöffnet. Die Rechtsaußenkämpfer lechzen nach Auftritten außerhalb ihrer eigenen finsteren Kampfsportevents wie dem „Ring der Nibelungen“, bei dem Nazis unter sich bleiben. In Balingen aber wird es nun erst mal nichts mit einer rechten Machtdemonstration.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben