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Was diese Schüler-Demo mit der DDR zu tun hat? Nicht viel

Am vergangenen Freitag stand ich im Nieselregen auf dem Opernplatz, bei der Abschlusskundgebung des Schüler-Sternmarsches für die Demokratie. Ich beobachtete die Schü­le­r*in­nen mit ihren handgeschriebenen Plakaten, wie sie den Oberbürgermeister um Selfies baten und in die Mikrofone und Kameras der professionellen Beobachter redeten und dachte über diesen DDR-Vergleich nach.

Den hatte ein konservativer Kollege im „Rundblick“ angestellt, weil ihn vor allem eines störte: Dass die Stadt Hannover als Mitveranstalterin der Schüler-Demo auftrat. Die wurde zwar von Schülersprechern angeschoben – am Ende war die Stadtverwaltung von der Idee aber so begeistert, dass sie nicht nur Anmeldung und Organisation unterstützte, sondern auch gleich noch 20.000 Euro raustat und die Schulen anschrieb und zur Teilnahme aufforderte.

Nun weiß jeder, dass diese albernen Diktaturvergleiche bloß eine rhetorische Zuspitzung sind. Aber wenn man sie mal für einen kleinen Augenblick ernst nimmt, diese Frage, die da im „Rundblick“ stand: „Erinnert das an die DDR?“ – Dann muss man mit einem Blick auf das tatsächliche Geschehen sagen: Nö. Wirklich nicht im Geringsten.

Das fängt schon mit der Teilnehmerzahl an: Um die 3.000 Schü­le­r*in­nen waren da. Das ist eine solide Ausbeute für eine freiwillige Veranstaltung. Immerhin weiß jeder, wie schwer es in einer saturierten Wohlstandsgesellschaft ist, Menschen zu mobilisieren.

Faszinierend ist vor allem die Debatten-Dynamik

Wenn dies eine staatlich gelenkte Demonstration wie in der DDR wäre, hätte der zuständige Bezirksleiter allerdings ein Riesenproblem. Und die Genossen Schulleiter auch. Und im Ministerium für Volksbildung wäre die Aufregung sehr groß, weil man gar nicht wüsste, wessen Kopf jetzt zuerst rollen sollte.

Immerhin gibt es in Hannover mehr als 30.000 Schüler und Schülerinnen an weiterführenden Schulen, die zur Demo aufgerufen waren. In der DDR hätten sich die Nicht-Teilnehmer jetzt einer Reihe von sehr unangenehmen Befragungs- und Demütigungsrunden aussetzen müssen.

Sie hätten sich auch Gedanken um ihre berufliche Zukunft machen müssen. Ein Studium wäre nicht mehr drin gewesen. Und wenn sie schon vorher öfter aufgefallen wären, weil sie sich der „Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit“ verweigern, hätte vielleicht auch irgendwann eine dieser als Besserungsanstalt getarnten Jugend-Folter-Einrichtungen auf dem Programm gestanden.

Aber natürlich geht es nicht wirklich um DDR-Geschichte. Faszinierend an diesem Fall ist vor allem die Debatten-Dynamik. Denn die konservative Steilvorlage, zu der neben dem „Rundblick“ auch der CDU-Landtagsabgeordnete Dirk Toepffer mit einem großen Interview in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) beitrug, wurde von rechten Netzwerken dankbar aufgegriffen.

Die stören sich in Wirklichkeit vor allem daran, dass die AfD (und ihr kommunalpolitisches Zerfallsprodukt „Die Hannoveraner“) bei der Veranstaltung unerwünscht war – im Gegensatz zu allen anderen Parteien und ihren Bürgermeisterkandidaten. Aber verpackt wird das Ganze wie üblich in vorgeschobene Bedenken um arme Kinderseelen, eingeschüchterte Schulleitungen und Neutralitätsforderungen.

Blöd finde ich, dass man das bei der Stadtverwaltung nicht kommen sieht oder bewusst ignoriert. Viele Schulen tun sich schwer, den Kulturkämpfen zu begegnen, die durch Facebook- und Telegram-politisierte Eltern an sie herangetragen werden. Da ist es nicht unbedingt hilfreich, wenn die Stadt so leichtfertig für Munition sorgt.

Zumal diese seltsam üppige finanzielle Förderung vor allem gegen die goldene Regel der Pädagogik verstößt: Machen lassen ist der effektivste Lehrmeister. Nicht abnehmen. Nicht vorkauen. Machen lassen. Denn zumindest da muss man dem CDU-Abgeordneten Toepffer ja recht geben: Die Fridays haben das doch auch geschafft.

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