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Nachruf auf Musiker Juan FormellLokführer der Salsa

„Los Van Van“ heißt Kubas berühmteste Salsaband. Am Donnerstag starb ihr Mitbegründer, der geniale Songwriter Juan Formell, in Havanna.

„Ich bin doch nur der historische Direktor, habe den Job doch lange abgegeben“, erklärte Juan Formell mit einem kecken Lächeln bei einem seiner letzten Interviews. Understatement war typisch für den Bandleader von Kubas berühmtester Salsakapelle Los Van Van. Formell ist am Donnerstag in Havanna gestorben wie das staatliche Fernsehen bekanntgab. Die Urne mit seiner Asche wird im Nationaltheater Kubas am Platz der Revolution aufgebahrt, berichtete die Juventud Rebelde, die Zeitung des kommunistischen Jugendverbandes.

Auch wenn sich Juan Formell in den letzten Jahren mehr und mehr zurückgezogen und seinem Sohn Samuel, Schlagzeuger und Arrangeur, die Leitung von Los Van Van übertragen hatte, kommt die Nachricht vom Tod des 71-jährigen drahtigen Mannes doch sehr überraschend.

Schließlich hatte Juan Formell im letzten Jahr noch einmal seine Kreativität unter Beweis gestellt und mehrere Stücke zum aktuellen Album „La Fantasía“ beigesteuert. Wenige Monate später erhielt er den Latin Grammy für sein Lebenswerk.

Zu Recht, denn der zurückhaltende Bassist und Komponist, ist eine der prägenden Figuren der kubanischen Salsa. Hits wie „La Habana no aguanta más“ oder „Este te pone la cabeza mala“ haben sich generationsübergreifend in den Gehörgängen einer ganzen Nation festgesetzt. Los Van Van, die Band, die Juan Formell gemeinsam mit dem Pianisten Cesar „Pupy“ Pedroso und dem Percussionisten José Luis „Changuito“ Quintana 1969 aus der Taufe hob, betraten immer wieder musikalisches Neuland.

Die Charanga aufgepeppt

Erst wurde die Charanga, das bis dahin gängige Orchesterformat, mit Elektro-Bass und Keyboards aufgepeppt, dann Pop- und Funk-Elemente in den kubanischen Bigband-Sound aufgenommen. Dabei balancierte die „Lokomotive der kubanischen Pop-Musik“, wie Los Van Van in Kuba genannt werden, auf dem schmalen Grad zwischen Internationalisierung und nationaler Identität.

Dafür sorgten Congas und Timbales, genuine kubanische Percussion-Instrumente. Aus ihnen entstand der Sound, der in Kuba als „Songo“ bekannt wurde. Er geht vor allem auf Juan Formell zurückgeht. Davon zeugen unzählige Preise, die Los Van Van erhielten. Mittlerweile tun sie sich zwar schwerer sich gegenüber dem omnipräsenten Reggaetón zu behaupten, schon allein deshalb fehlt Juan Formells Ideenreichtum.

Er überraschte immer wieder, sei es durch die Kooperation mit Flamenco-Star David El Cigala oder durch den Einsatz neuer Musiker. Nun muss sein Sohn Samuel zeigen, dass er in die Fußstapfen des Lokomotivführer der Salsa Cubana treten kann.

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