Nachruf auf Bernd Hagenkord: Weltoffener, katholischer Visionär

Mit nur 52 Jahren ist Bernd Hagenkord gestorben. Für unseren Autor war der Jesuit, Journalist und Begleiter des „Synodalen Wegs“ ein Vorbild.

Bernd Hagenkord sitit mit Kopfhöreren vor einem Mikrofon im Studio

Bernd Hagenkord am Mikrofon von Vatican News in Rom 2019 Foto: Francesco Pistilli/KNA

Ich weiß nicht mehr genau, wie der Kontakt zustande kam, aber irgendwann hatte Bernd Hagenkord mich, vielleicht vor zwölf Jahren oder so, in der taz kontaktiert, er wolle mich einfach mal kennen lernen, und da saßen wir sehr bald im alten taz-Café, und ich kam aus dem Staunen kaum heraus: Ist das denn möglich, so ein cooler Typ ist ein Jesuit, ein Geistlicher, ein Mann der katholischen Kirche in Deutschland?! Freundlich, zugewandt, intelligent, kritisch, liberal bis links, humorvoll, gebildet (klar – als Jesuit), tolerant – und zu allem Überfluss auch noch gutaussehend.

Hagenkord personifizierte das Beste und Schönste, was die katholische Kirche in Deutschland zu bieten hat – eine Weltoffenheit, eine Intellektualität und eine ökumenische Weite, die sie, neben allen Skandalen und Verbrechen, die von ihr zu melden sind, eben auch auszeichnet, in großen Teilen jedenfalls. Er war in gewisser Weise der Traum der Kirche, die ich gern gesehen hätte, nicht nur hierzulande.

Er hatte ein seltsames Glühen, dieser manchmal recht stille Mann, der Jazz liebte – was sonst? Geboren 1968 in Hamm, trat Hagenkord mit 24 Jahren in den Jesuitenorden ein, in den intelligentesten und freiesten Orden der katholischen Kirche. 2002 wurde er in Köln zum Priester geweiht. Er studierte Journalismus, Geschichte, Philosophie und Theologie in Gießen, Hamburg, München und London.

Nach Abschluss seines Theologiestudiums in London 2002 arbeitete er als Jugendseelsorger im Erzbistum Hamburg. Von 2003 bis 2012 war er in der Redaktion des „Jesuiten“-Magazins tätig. Aber seine große Zeit war die als Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan in Rom. Ich habe ihn dort erlebt, wie er bei der Familiensynode in Rom schon unter Papst Franziskus der Journalistenschar deutscher Zunge erklärte, was hier gerade passierte – und nichts beschönigte.

Immer das Positive

Überhaupt Franziskus: Hagenkord war anfangs, so schien es, fast euphorisch darüber, was dieser Papst seit 2013 symbolisierte, nämlich einen Aufbruch der Weltkirche, eine Erneuerung für und mit den Armen. Und er war in Rom hautnah dabei. Dass dieser Aufbruch nun ziemlich verwässert ist – es hat ihn geschmerzt, aber er sah doch immer das Positive, das auch noch da ist.

Hagenkord wurde, zurück in Deutschland, geistlicher Begleiter des Synodalen Weges, mit dem sich die deutsche katholische Kirche seit zwei Jahren erneuern will. Wenn es denn klappt. Aber auch das machte er natürlich gut. Hagenkord machte nie einen Hehl daraus, auf wessen Seite er bei diesem Prozess steht, bei den Reformkräften, und ich glaube, er hoffte wirklich, Beten werde helfen, dass dies ein gutes Ende nimmt.

Einmal habe ich Bernd Hagenkord gefragt, warum er nun einen kleinen Rosenkranz wie ein dezentes Schmuckstück am Handgelenk trage. Er sagte, es helfe ihm, sich zu konzentrieren. Der schwarzhaarige Jesuit hatte eine ganz eigene Frömmigkeit, die ich bewunderte, weil sie fern von Weltflucht oder gar reaktionärem Denken war. Ich erinnere mich an seine glühenden Augen, wenn er von dem sprach, was nun alles in Rom möglich sei – und war bestürzt, als er eines Tages erzählte, dass er nun schon Monate gegen den Krebs kämpfe. Auch daraus hat er keine große Sache gemacht.

Hagenkord war ein Jesuit vom Schlage derer, die früher in Lateinamerika oder in China ganz allein auf sich gestellt Missionen aufgebaut haben, im Dschungel oder auf Bergspitzen, dabei schnell mal die völlig fremde Sprache lernend. Dieses fast Heldenhafte und Mutige hatte Hagenkord.

Ungutes Gefühl

In den letzten rund zwei Jahren postete er auf Facebook immer wieder seine vielen und sehr guten Fotos seiner Zeit in Rom. Er hätte, das sagte ich ihm einmal, auch ein guter Fotograf werden können… er stritt das nicht ab, falsche Bescheidenheit war nicht seine Sache. Alle Fotos waren in Schwarz-Weiß, und ich hatte immer ein seltsam ungutes Gefühl, wenn ich sie sah, als ob da jemand gedanklich Abschied nehme. Aber ich verdrängte diesen Gedanken möglichst.

Nun ist Bernd Hagenkord gestorben, den einen Freund zu nennen ich mich scheue, da wir uns dafür zwar oft, aber wohl nicht oft genug treffen konnten. Ich habe für ihn seit Monaten jeden Tag gebetet, als ich hörte, dass er schwer krank sei – aber es hat nicht geholfen. Bernd Hagenkord hätte noch so viel Gutes tun können. Was für ein Verlust! Das einzige, was mir Trost gibt, ist, dass sein Leben ein gutes war. Dass er so viel Gutes schon hat hier unter uns und für uns tun können. Und dass er nun ruht im Frieden Gottes.

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