Nachrichten in der Coronakrise: Infektionszahl steigt nicht weiter

Die Zahl der Neuinfektionen ist im Wochenschnitt erstmals seit Neujahr gesunken. Das Bundesverfassungsgericht hat den Eilantrag gegen die Pflege-Impfpflicht abgelehnt.

Eine Frau geht an einem Covid-19-Testzentrum in Frankfurt vorbei

Ein Testzentrum in Frankfurt am Main: Weiterhin fallen zahlreiche Proben positiv auf Covid-19 aus Foto: Michael Probst/ap

Französische Protestkonvois steuern auf Paris zu

Trotz eines polizeilichen Verbots von Straßenblockaden haben sich Gegner von Corona-Auflagen am Freitag in Fahrzeugkonvois auf den Weg nach Paris gemacht. Wohnmobile, Autos und Lastwagen steuerten Frankreichs Hauptstadt mit dem Ziel an, sie lahmzulegen. Organisiert hatten sich die Protestierenden über Online-Chatgruppen, inspirieren ließen sie sich teils von Lastwagenfahrern in Kanada, die die dortige Hauptstadt Ottawa und Grenzübergänge blockiert haben.

Die Behörden im Großraum Paris stellten mehr als 7000 Polizisten an Mautstellen und anderen wichtigen Orten ab, um eine Blockade zu verhindern. Mit Verweis auf ein „Risiko der Störung der öffentlichen Ordnung“ hatte die Polizei zuvor ihr Protestverbot begründet. Wer sich dem widersetze, dem drohten hohe Bußgelder und andere Strafen, hieß es.

Einige der französischen Gruppen drohten, nach Brüssel weiterzufahren und sich dort am Montag mit Fahrern aus anderen Ländern zu versammeln. Vorsorglich untersagten auch die belgischen Behörden die Blockade. Ein ähnlicher „Freiheitskonvoi“, der für Freitag in Wien geplant war, wurde nach einem Verbot abgesagt.

Beobachter vermuten, dass einige Rechtsextreme und andere Personen hinter der Aktion den internationalen Fokus auf die Trucker-Blockaden in Kanada nutzen wollen, um ihren eigenen Protestbewegungen frischen Wind zu verleihen. Die Teilnehmer der Konvois in Frankreich treiben unterschiedliche Motive. Einige trugen etwa gelbe Westen, die als Symbol der Protestbewegung gegen wirtschaftliche Ungleichheit bekannt geworden sind. (ap)

Bei der Infektionszahl deutet sich eine Trendwende an

Bei den Corona-Neuinfektionen zeichnet sich am Freitag eine Trendwende an. Der 7-Tage-Mittelwert ist nach Berechnung der taz erstmals seit dem Jahreswechsel leicht gesunken – um 1.238 auf 191.159. Er liegt damit zwar immer noch 7,7 Prozent höher als vor einer Woche, aber das Absinken gegenüber dem Vortag zeigt, dass der Scheitelpunkt der Omikron-Welle bereits erreicht sein könnte. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte unter Berufung auf eine Modellrechnung des Robert-Koch-Instituts mehrfach erklärt, dass er den Höhepunkt der 5. Welle Mitte Februar erwarte.

Der 7-Tage-Mittelwert gibt an, wie viele Neuinfektionen pro Tag im Schnitt der vergangenen Woche registriert wurden. Er hatte seit Mitte Januar Tag für Tag neue Höchststände erreicht. Die vom Robert-Koch-Institut etwas anders berechnete 7-Tage-Inzidenz ist am Freitag nochmals gestiegen, allerdings auch nur noch im geringen Maß. Die Entwicklung der 7-Tage-Inzidenz des RKI folgt der Entwicklung des 7-Tage-Mittelwertes häufig mit einem Tag Verzug.

Ob es sich diese Trendwende dauerhaft bestätigt, wird man in den nächsten Tagen sehen. Bisher ist es nur eine Momentaufnahme bei durch Meldeverzögerungen arg verzerrte Daten. Und auch das Erreichen eines Scheitelpunktes heißt leider nicht, dass alles vorbei ist. Die Dynamik des Infektionsgeschehens ist weiter extrem hoch. Am Freitag wurde der insgesamt 12 Millionste Infizierte registriert. Die letzte Million kam in nur 5 Tagen zusammen.

Zudem steigt seit nunmehr drei Tagen die Kurve der Todesfälle. Der Tageswert von 226 lässt den 7-Tage-Mittelwert auf 167,9 klettern, das sind 15,2 Prozent mehr als vor einer Woche – aber immer noch deutlich weniger als die Hälfte des Höchststands der vierten Welle im Dezember.

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Auch die Hospitalisierungsrate ist weiter gestiegen. Laut Berechnungen des RKI wurden in den letzten 7-Tagen pro 100.000 Ein­woh­ne­r:in­nen 6,46 coronapositive Pa­ti­en­t:in­nen neu in Krankenhäuser aufgenommen. Das sind 18,5 Prozent mehr als vor einer Woche. Inklusive der regelmäßig erwartbaren Nachmeldungen dürfte die Hospitalisierungsrate bei über 11 liegen. (taz)

Bundesverfassungsgericht lehnt Eilantrag gegen Pflege-Impfpflicht ab

Die Impfpflicht für das Personal in Kliniken und Pflegeeinrichtungen kann zum 15. März in Kraft treten. Das Bundesverfassungsgericht lehnte den Stopp der Impfpflicht ab. Mit der am Freitag bekannt gegebenen Entscheidung blieben Eilanträge von zahlreichen Betroffenen erfolglos. Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts begründete seine Entscheidung mit der in Eilverfahren üblichen Folgenabwägung. Danach seien die Nachteile für die Klägerinnen und Kläger nicht schwerwiegender als die Nachteile für vulnerable Gruppen, die bei einem vorläufigen Stopp der Impfpflicht entstehen würden.(AZ: 1 BvR 2649/21)

Zur Begründung verwiesen die Karlsruher Verfassungsrichter auf die Einschätzung von Experten, wonach Covid-19-Impfungen „einen relevanten – wenn auch nachlassenden – Schutz auch mit Blick auf die Omikron-Variante des Virus begründen.“ Ein vorläufiger Stopp des Gesetzes ginge mit der Gefahr einer geringeren Impfquote in den betroffenen Einrichtungen einher. Damit erhöhe sich wiederum die Gefahr, dass sich die dort arbeitenden Menschen infizieren und sie dann das Virus auf vulnerable Gruppen übertragen. In der Folge müsse damit gerechnet werden, dass gefährdete Menschen schwer an Covid-19 erkrankten oder gar versterben.

Zwar sei die Impfpflicht für das betroffene Personal ebenfalls mit Nachteilen von Gewicht verbunden. Eine Impfung könne zu vorübergehenden Beschwerden führen, im Einzelfall könnten auch schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten, die in extremen Ausnahmefällen auch tödlich sein könnten. Allerdings sei die Impfpflicht für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht unausweichlich. Dass mit einem vorübergehenden Wechsel der Tätigkeit irreversible Nachteile verbunden wären, hätten die Beschwerdeführer nicht dargelegt, erklärten die Verfassungsrichter. Wirtschaftliche Nachteile seien nicht ausreichend, um die Aussetzung eines Gesetzes zu begründen.

Mit der jetzigen Entscheidung wurden nur die Eilanträge abgelehnt. Die Hauptsacheverfahren bleiben weiter anhängig. Der Erste Senat wies darauf hin, dass die Verfassungsbeschwerden nicht offensichtlich unbegründet seien. (rtr)

Coronavirus kann zu Totgeburten führen

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Coronavirus in die Plazenta eindringen und sie zerstören kann. Bei infizierten Frauen führt dies zu Totgeburten. Die Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass eine Impfung helfen kann, diese Fälle zu verhindern.

Forscher in zwölf Ländern haben Plazenta- und Autopsiegewebe von 64 Totgeburten und vier Neugeborenen, die kurz nach der Geburt starben, analysiert. In allen Fällen handelte es sich um ungeimpfte Frauen, die sich während der Schwangerschaft mit Corona infiziert hatten. Die Studie untermauert die Erkenntnisse aus kleineren Fallberichten und bestätigt, dass wahrscheinlich eine Schädigung der Plazenta und nicht eine Infektion des Fötus die Ursache für viele Corona-bedingte Totgeburten ist, wie Jeffery Goldstein, Pathologe an der Feinberg School of Medicine der Northwestern University, erklärte. Er war nicht an der Studie beteiligt, die am Donnerstag in der Fachzeitschrift „Archives of Pathology & Laboratory Medicine“ veröffentlicht wurde.

Der Hauptautor David Schwartz, ein Pathologe aus Atlanta, sagte, dass auch andere Infektionen in die Plazenta eindringen würden und zu Totgeburten führen könnten, in der Regel durch Infektion und Schädigung des Fötus. Ein aktuelles Beispiel sei das Zika-Virus. Bei mit Corona infizierten Frauen hätten sie fast das Gegenteil gefunden: Es sei die Plazenta gewesen, die infiziert und weitgehend zerstört war. „In vielen dieser Fälle waren über 90 Prozent der Plazenta zerstört – sehr beängstigend.“ Zwar können auch andere Infektionen die Plazenta schädigen, doch eine so konsequente und umfassende Zerstörung habe er noch nie gesehen.

Bisherige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit einer Totgeburt bei schwangeren Frauen mit Corona, insbesondere bei der Delta-Variante, höher als üblich ist. Die Impfempfehlungen beziehen auch schwangere Frauen ein und weisen auf ihr höheres Risiko für Komplikationen bei einer Infektion hin. Bei einigen der Föten sei das Coronavirus auch nachgewiesen worden, aber der Nachweis des Erstickens im Mutterleib deute auf eine Schädigung der Plazenta als wahrscheinlichere Todesursache hin.

Es ist unklar, ob auch Omikron-Infektionen das Risiko einer Totgeburt erhöhen. Die Studie wurde vor dem Auftreten der hochinfektiösen Variante durchgeführt. (ap)

RKI registriert 240.172 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 1472,2

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat einen Anstieg der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz gemeldet und damit erneut einen Höchstwert. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Freitagmorgen mit 1472,2 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 1465,4 gelegen, vor einer Woche bei 1349,5 (Vormonat: 387,9). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 240.172 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.20 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche waren es 248 838 Ansteckungen.

Die Zahlen haben allerdings nur noch begrenzt Aussagekraft. Experten gehen von einer hohen Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind. Testkapazitäten und Gesundheitsämter sind vielerorts am Limit, Kontakte werden nur noch eingeschränkt nachverfolgt. Zudem dürfte mit der geplanten Priorisierung bei PCR-Tests die Zahl der Menschen steigen, die ihre Infektion nicht mehr über einen PCR-Test bestätigen lassen – so dass diese nicht in die offizielle Statistik einfließt.

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Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 226 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 170 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 12.009.712 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken gekommenen Corona-infizierten Patienten je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Donnerstag mit 6,23 an (Mittwoch: 6,07). Darunter können auch Menschen mit positivem Corona-Test sein, die eine andere Haupterkrankung haben. Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Freitag mit 8.597.300 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 119.679. (dpa)

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