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Nachhaltige Olympische Spiele in BerlinGolden glänzen nur die Ankündigungen

Berlin verspricht „klimapositive“ Spiele auszurichten. Doch wie das gelingen soll, vermag der Senat nicht zu beantworten.

Das Kapitel in Berlins Olympiabewerbung zum Thema Nachhaltigkeit klingt verheißungsvoll: „Das Konzept BERLIN+ ist darauf ausgerichtet, erstmals klimapositive Olympische und Paralympische Spiele durchzuführen“, heißt es da. In dem im Mai beschlossenen und eingereichten Konzept verspricht der Senat demnach, das Großevent mit einer positiven CO2-Bilanz auszurichten.

Die Spiele, die 2036, 2040 oder 2044 stattfindenden könnten, sollen ein „Katalysator“ sein, um bestehende Ziele schneller umzusetzen. Dazu gehören in erster Linie die angestrebte Klimaneutralität bis 2045 sowie verbindliche CO2-Ziele in einzelnen Sektoren bis 2030. Aber auch Maßnahmen zum Ausbau erneuerbarer Energien, zur Kreislaufwirtschaft, zur Biodiversität und zur Klimaanpassung sollen im Zuge der Vorbereitung auf die Spiele umgesetzt werden. Verbindliche Nachhaltigkeitsstandards sollen über einen „Event Sustainability Standard“ für Sportgroßveranstaltungen definiert werden, der, so heißt es, „Klimapositivität konkret operationalisiert und transparent abbildet“.

Wie belastbar diese Versprechen sind, wollte die Grünen-Abgeordnete Klara Schedlich in einer Kleinen Anfrage wissen, deren Antwort der taz exklusiv vorliegt. Ersichtlich wird daraus: Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Ziele kaum mehr als heiße Luft. So kann der Senat die Frage nach einer prognostizierten Gesamt-CO2-Bilanz nicht beantworten, ebenso wenig werden Emissionsziele, Einsparpotenziale oder Kompensationsbedarfe benannt. Gefragt wird, wie Berlin die CO2-Ziele in verbindliche Vorgaben umsetzen will. Die Antwort: „Durch klar definierte Vorgaben und deren regelmäßige Kontrolle über ein spezifisches Berichtswesen.“ Eine Emissionsbilanz wurde im Rahmen der Bewerbung nicht erstellt.

Schedlich stellt dann auch die Grundannahme „klimapositiver Spiele“ infrage: „Bei der Austragung Olympischer Spiele kann es nur darum gehen, Klimaschäden gering zu halten.“ Allein die Anreise der Ath­le­t:in­nen und Be­su­che­r:in­nen würde ihr zufolge das Klima stark belasten. Schedlich wirft dem Senat vor: „Erst wird mit Nachhaltigkeit geworben, anschließend soll geklärt werden, was Nachhaltigkeit überhaupt konkret bedeutet.“ Es dränge sich die Frage auf, „ob es sich hier um Green Games oder doch eher um Greenwashing handelt“.

Kaum neue Sportstätten

Der Senat wirbt insbesondere damit, dass ein Großteil der Sportstätten bereits errichtet ist. Zusätzliche Bauten sollen nur temporär entstehen, rückbaubar und wiederverwendbar. Veranstaltungsorte sollen durch den Einsatz erneuerbarer Energien einen aktiven Beitrag zur Energiewende leisten und Mobilitätskonzepte auf den öffentlichen Nahverkehr ausgerichtet werden. Gleichzeitig besagt die Antwort, dass ein „Event Sustainability Standard“ erst mit Zuschlag für die Spiele entwickelt werden soll, „Kriterien, Messgrößen und Anforderungen“ bislang nicht existieren.

Schedlich kritisiert das Werben mit einem Standard, den es noch gar nicht gibt. Auch fehlen festgelegte Ziele zu Klimaausgleichsmaßnahmen, zum Wasserverbrauch, zur Biodiversität oder zu Eingriffen in Grün- und Erholungsflächen. Infrage stehe daher, „ob Nachhaltigkeitsmaßnahmen tatsächlich durch die Spiele ausgelöst würden“ und damit über ohnehin geplante Maßnahmen hinausgingen. „Die Nachhaltigkeitserzählung ist deutlich weiter als die tatsächliche Planung“, so ihre Bilanz.

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