Nach gewaltsamen Protesten: Kein Eritrea-Event in Stuttgart
Nach den Ausschreitungen in Stuttgart zieht die Stadt Konsequenzen. Der Mietvertrag für eine Eritrea-Veranstaltung in einer Stadthalle wurde aufgehoben.
dpa/afp | Nach den gewaltsamen Ausschreitungen im Zusammenhang mit einer Eritrea-Veranstaltung in Stuttgart am vergangenen Wochenende soll ein neues ähnliches Treffen in der baden-württembergischen Landeshauptstadt unterbunden werden. Ein für Samstag geschlossener Mietvertrag für eine städtische Halle im Stadtteil Zuffenhausen sei aufgehoben worden, teilte die Stadt am Mittwochabend mit. Darauf hätten sich die Stadt und der Verband der eritreischen Vereine in Stuttgart und Umgebung geeinigt.
Die geplante Veranstaltung des Verbands finde somit nicht statt. Die Entscheidung sei „im Interesse der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nach intensiven Gesprächen“ gefallen, hieß es von der Stadt weiter. Der Verband erklärte demnach, er wolle „den Sorgen der Bürgerschaft und der gesamten Öffentlichkeit Rechnung tragen sowie seine Kooperationsbereitschaft zeigen“.
Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) begrüßte die Aufhebung des Mietvertrags. Er forderte in diesem Zusammenhang erneut „eine harte und schnelle Bestrafung der Gewalttäter“ vom Wochenende – gegebenenfalls in sogenannten beschleunigten Gerichtsverfahren. Er verlangte zudem, „dass sich das Land Baden-Württemberg für eine Abschiebung der Straftäter nach Eritrea einsetzt“.
Der Stuttgarter Polizeivizepräsident Carsten Höfler dankte der Stadt und warnte Gewalttäter vor einer Anreise. Er hoffe, „dass die Aufhebung Wirkung zeigt und alle erreicht, die geplant hatten, am Wochenende erneut nach Stuttgart zu reisen“, erklärte er. Die Polizei werde „am Wochenende besonders aufmerksam sein“, um „konsequent und niederschwellig reagieren zu können“.
Mehr als 30 verletzte Einsatzkräfte
Mutmaßlich zur eritreischen Opposition zählende Tatverdächtige hatten am Samstag Polizisten attackiert. Sie wollten eine als Eritrea-Seminar bezeichnete Veranstaltung eines regierungsnahen eritreischen Vereins stören und setzten auch Schlagwaffen ein. 31 Einsatzkräfte wurden überwiegend leicht verletzt. Insgesamt gibt es 228 Tatverdächtige.
Das seit 1993 von Präsident Isaias Afwerki autoritär regierte Eritrea ist einer der am stärksten abgeschotteten Staaten der Welt. Bei Pressefreiheit, Menschenrechten und wirtschaftlicher Entwicklung rangiert das nordostafrikanische Land weltweit auf einem der hinteren Plätze. Anfang Juli gab es im hessischen Gießen massive Ausschreitungen bei einem Eritrea-Festival.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert