piwik no script img

Nach Vorwürfen am Berliner EnsembleSie spielen nicht

Nach Mobbing- und Missbrauchsvorwürfen am Berliner Ensemble ziehen Theatermacherinnen ihr Stück zurück. Intendant Oliver Reese verspricht Aufarbeitung.

Nach dem Bekanntwerden angeblich unzumutbarer Arbeitsbedingungen und gesundheitsgefährdender Schikane in der Maskenabteilung des Theaters Berliner Ensemble (BE) haben die Regisseurin Jorinde Dröse und die Schauspielerin Claude De Demo beschlossen, ihr Stück „#motherfuckinghood“ vorerst nicht mehr dort zu spielen.

Der Spiegel berichtete vergangene Woche von angeblichen Missständen, Mobbing und Schikane in der Maskenabteilung des BE, unter der insbesondere Mütter massiv zu leiden hätten. Sechzehn betroffene, größtenteils bereits ehemalige Mitarbeiterinnen äußerten sich dort zu den Vorwürfen, die unter anderem ständige Verfügbarkeit, permanente Kontrolle, Bestrafung und cholerisches Anschreien umfassen.

In einem Statement gibt sich das BE überrascht. Die Geschäftsführung (GF) sei in Kenntnis der zuweilen problematischen Situation in der Maskenabteilung gewesen, habe diese sehr ernst genommen und im vergangenen Jahr schon Maßnahmen ergriffen: „Zuletzt hat es Ende 2024 ein Gespräch der GF mit der gesamten Abteilung ‚Maske‘ gegeben, in dem sich die Beteiligten positiv über die gegenwärtige Stimmung im Team und am Haus geäußert haben. Weder in diesem Gespräch noch im Nachgang wurden der GF aktuelle Probleme (auch nicht anonym) mitgeteilt.“

In einer Stellungnahme auf Instagram äußerten sich nun auch Dröse und De Demo zum Rückzug ihres Einpersonenstücks, das die Erschöpfung, Veränderung und zuweilen gesellschaftlich prekäre Situation der Mutterschaft in den Mittelpunkt stellt. „#motherfuckinghood“ sei ein sehr persönlicher Abend, dessen Inhalte man ernst nehme, heißt es dort. Um in der politischen Aussage des Stücks glaubhaft zu bleiben, setze man am BE die Aufführung aus, bis die Anschuldigungen gegen das Theater aufgeklärt seien, so Dröse und De Demo.

BE-Intendant Oliver Reese gibt Statement ab

Vor dem Rückzug des Stücks skandierte am 8. März, dem feministischen Kampftag, eine Protestgruppe namens BertiBrichtUltras nach der ausverkauften Vorstellung von „It’s Britney Bitch“ von Sina Martens und Lena Brasch Parolen von den Rängen und warf Flyer ins Publikum. In den sozialen Medien schreibt die Gruppe dazu: „Immer noch klafft an Theatern eine riesige Lücke zwischen nach außen vermarkteten Werten und tatsächlich gelebter Realität hinter den Kulissen.“

Die Vorwürfe treffen das Theater zu einem Zeitpunkt, an dem die von den Haushaltskürzungen des Berliner Senats betroffene Theaterszene stark verunsichert ist. Es sei ein schlechter Moment, um das Theater zu „bashen“, äußerte sich eine Regisseurin, die namentlich nicht genannt werden möchte.

In einem aktuellen Statement gibt BE-Intendant Oliver Reese an, sich „persönlich für eine vollständige Aufklärung aller Vorwürfe“ einzusetzen. Gemeinsam mit dem Betriebsrat und mit Unterstützung der Beratungsstelle ‚Diversity Arts Culture‘ arbeite man nach wie vor daran und werde im Zuge dessen auch die Organisationsstruktur des Theaters überprüfen, um etwaige Defizite ausgleichen zu können. Darüber hinaus habe man die Leiterin der Maskenabteilung freigestellt.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare