Nach Rücktritt von Phil Hogan: Politik aus der Steueroase

Der Lette Valdis Dombrovskis wird neuer EU-Handelskommissar. Finanzkommissarin wird ausgerechnet die Irin Mairead McGuinness.

Portrait von Mairead McGuinness

Ihre Heimat Irland gilt als Steuerparadies: Mairead McGuinness Foto: Nicolas Armer/dpa

BRÜSSEL taz | Fast ein Jahr nach ihrem Amtsantritt hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihr Brüsseler Team umgebildet. Die deutsche CDU-Politikerin hat den konservativen Letten Valdis Dombrovskis für den Posten des Handelskommissars nominiert. Die ebenfalls konservative Irin Mairead McGuinness soll neue Finanzkommissarin werden.

Die Umbildung war nötig geworden, nachdem der bisherige irische Handelskommissar Phil Hogan von seiner Regierung zum Rücktritt gedrängt worden war. Hogan hatte gegen nationale Coronaregeln verstoßen und war deshalb in Dublin in Ungnade gefallen. Von der Leyen blieb nichts anderes übrig, als das politische Schwergewicht zu entlassen.

Schon das sorgte in Brüssel für Aufsehen. Die Kommissionschefin ist nicht an Weisungen aus den Hauptstädten gebunden; über die Mitglieder ihrer Behörde soll sie allein entscheiden. Hogans Rücktritt war als Bruch mit dieser Regel gedeutet worden – aber auch als Versuch, die Kommission zu einem vorbildlichen Verhalten zu verpflichten.

Die beiden Neubesetzungen sind ebenfalls ein Politikum. Zunächst entschied sich von der Leyen für eine Frau – neben McGuiness hatte Irland auch einen Mann für Brüssel nominiert. Damit signalisiert sie, dass das Prinzip der Geschlechterparität weiter hochgehalten wird. In der Brüsseler Behörde arbeiten nun 14 Männer und 13 Frauen.

Kommissarin aus dem Steuerparadies

Politische Signalwirkung geht aber auch von der Zuteilung der Aufgabenbereiche aus. Vizepräsident Dombrovskis bekommt noch mehr Macht: Denn neben dem Handelsressort behält er auch die Zuständigkeit für die Wirtschaftspolitik und die Eurogruppe. Auch die Verteilung der EU-Milliarden aus dem neuen Corona-Hilfsfonds soll er überwachen.

Die neue EU-Kommissarin McGuiness, bisher Vizepräsidentin des Europaparlaments, soll sich dagegen um Finanzdienstleistungen kümmern. Das ist pikant, denn ihre Heimat Irland gilt als Steuerparadies für Hightech- und Finanzkonzerne aus den USA.

„Mairead McGuiness muss beweisen, dass sie nicht nur die Interessen des Finanzplatzes Dublin vertritt“, sagt der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber. Auch Dombrovskis muss sich bei den nun fälligen Anhörungen im Europaparlament auf kritische Fragen einstellen.

„Er steht vor der gigantischen Aufgabe, die EU-Handelspolitik neu auszurichten und endlich an den Green Deal anzupassen“, meint Anna Cavazzini, handelspolitische Sprecherin der Grünen. Mit einem Veto der Abgeordneten wird jedoch nicht gerechnet.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de