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NRW-Umweltminister RemmelDer Katzenfreund

Eine „Katzen-Volkszählung“ wolle der Minister einführen, höhnt die CDU. Dabei will er den Städten helfen, die Vermehrung zu kontrollieren.

Anja Krüger

Aus Berlin

Anja Krüger

Privat hält er einen Hund, aber politisch hat er’s mit den Katzen. Die CDU in Nordrhein-Westfalen echauffiert sich über Landesumweltminister Johannes Remmel (53), weil der Grüne die Kommunen dabei unterstützen will, die Vermehrung verwilderter Katzen zu kontrollieren. Das soll den Städten und Gemeinden nur möglich sein, wenn sie eine Überbevölkerung nachweisen können.

„Regierung Kraft empfiehlt Kommunen eine Katzen-Volkszählung. Man sollte in diesen Tagen besser zählen, ob noch alle Tassen im Schrank sind“, wetterte Oppositionsführer Armin Laschet (CDU) via Kurznachrichtendienst Twitter. Dabei will Remmel den Kommunen nur helfen, das 2014 auch von Laschets Parteifreunden novellierte Bundestierschutzgesetz umzusetzen.

Das regelt in Paragraf 13 b den Schutz frei lebender Katzen. Das sind keine Wildkatzen, sondern entlaufene, ausgesetzte oder in Freiheit geborene Stubentiger. Gibt es zu viele von ihnen, sollen die Kommunen Gebiete bestimmen dürfen, in denen die Tiere kastriert werden können.

Remmel hat eine Musterordnung für diese Gebiete vorgelegt. Sie sieht vor, dass Städte und Gemeinden vor der Einrichtung einer solchen Zone Indizien für zu viele kleine Raubtiere vorlegen, etwa überfüllte Tierheime. Können sie das nicht, müssen sie selbst Beweise erheben: durch Zählung.

Abgesehen hat es Remmel auch auf Freigänger, also Tiere, die ein Zuhause und großzügigen Auslauf haben. „Unkastrierte Freigängerkatzen nehmen zwangsläufig Kontakt mit frei lebenden Katzen auf, sodass sie fortlaufend zum Vermehrungsgeschehen beitragen“, heißt es in der Musterordnung.

„Schlechter Aprilscherz im November“, höhnte der CDU-Landtagsabgeordnete Rainer Deppe über die „Katzen-Volkszählung“. Die CDU solle schon mal mit dem Katzenzählen beginnen, höhnte Remmel zurück. Er hat auch die toten Katzen im Blick. Ende Oktober legte er die „Katzenabschuss“-Bilanz vor: In NRW haben Jäger mehr als 7.344 Katzen im Jagdjahr 2014/15 abgeschossen, immerhin 251 weniger als im Vorjahr. Damit ist jetzt Schluss: Seit Mai hat Remmel den Katzenmord verboten.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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3 Kommentare

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  • Khaled Chaabouté

    Das Katzenthema ist ein beliebter Aufhänger der CDU- Landwirts- und Jägerlobby, um gegen die rotgrüne NRW-Landesregierung zu hetzen.

    Auf diese populistische Ausschlachtung von ein paar unglücklichen Formulierungen bei diesem hochemotionalen Thema sollte man gar nicht näher eingehen.

     

    Klar sind es definitiv keine Tierfreunde, die unkastrierte Katzen als Freigänger halten, Katzen, die zuviel geworden sind, einfach aussetzen oder streunende Katzen füttern, aber dass diese Katzen Schuld am Artensterben der Singvögel und Amphibien/Reptilien seien, ist Humbug.

     

    Umgekehrt gibt es so gut wie keine durchsetzbare rechtliche Handhabe, wenn Jäger ganz eklatant gegen Jagd- und Naturschutzgesetze verstoßen oder wenn Land- und Forstwirte z.B. durch Zuschütten von Tümpeln und Gräben und Roden von Hecken und dichtem Unterholz den dort lebenden Kleintieren ganz definitiv den Garaus machen. Die derzeit größten Amphibienkiller sind übrigens Anglervereine, die sich immer mehr Pachtgewässer von den meist klammen Gemeinden krallen und diese zuvor meist noch einigermaßen natürlichen Gewässer binnen kurzer Zeit zu biologisch toten Fischmastkloaken machen, in denen außer den intensiv gefütterten Besatzfischen und vielleicht ein paar Stockenten kein Leben mehr möglich ist.

  • yohak yohak

    Zuerst heißt es, daß Remmel "Kommunen dabei unterstützen will, die Vermehrung verwilderter Katzen zu kontrollieren." Liest man dann genau weiter, erfährt man, daß das Gegenteil richtig ist: Es geht darum, Gemeinden, die etwas gegen die Vermehrung verwilderter Katzen tun wollen, möglichst viele Steine in den Weg zu legen.

  • Chutriella

    "Seit Mai hat Remmel den Katzenmord verboten" - zu Lasten der heimischen Singvögel, Amphibien und Reptilien. http://www.wildvogelhilfe-rsk.de/hauskatzen-und-voegel.html

    Aber bei solchen Entscheidungen gehts wohl vor allem um Katzenmuttis Wahlstimme.