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Musiker Mendoza über Grenzen„Ich bin ein Kind der Grenze“

Sergio Mendoza und sein Orkesta beginnen ihre Tournee in Hamburg. Zur US-Politik will er sich lieber nicht äußern.

Interview von

Knut Henkel

taz: Herr Mendoza, Sie kommen zum Auftakt der Fußball-WM mit ihrem Orkesta Mendoza auf Tour nach Europa? Was ist der Grund?

Sergio Mendoza: Oh, wir nehmen jede Chance wahr, um in Europa zu spielen, und da spielt die Fußball-WM für uns keine Rolle. Wir sind eine Band mit vielen Facetten. Ich lebe in Tucson, Arizona, das Gros der Band in Hermosillo im mexikanischen Bundesstaat Sonora – und unser Trompeter Raúl Marques in Madrid. Er hat einiges dazu beigetragen, dass die Tour zustande kam.

taz: Sie haben die Band 2009 initiiert und dem Orkesta einen sehr eigenwilligen Sound mit einer dicken Dosis Pérez Prado verpasst. Warum ist ein kubanischer Musiker so prägend für einen mexikanisch-amerikanischen Gitarristen und Sänger?

Sergio Mendoza: Pérez Prado ist ein Kubaner, der seine musikalische Karriere in Mexiko gestartet hat. Er war seiner Zeit musikalisch weit voraus, gilt als Erfinder des Mambo, hat aber vom musikalischen Einfluss Mexikos auch hörbar profitiert. Ich bin mit Pérez Prado groß geworden, denn mein Vater sang seine Songs und legte seine Platten mit großer Begeisterung bei uns zu Hause auf. So kam es, dass ich den Rhythmus und die mitreißenden Bläser-Sets quasi inhaliert habe. Sie prägen mich bis heute, ich habe aber durchaus auch Bezug zu Rock and Roll und Punk.

Mit einem Fuß war ich in den USA, mit dem anderen in Mexiko, sprach sowohl Englisch als auch Spanisch. Meine Musik ist ein Spiegelbild dieser Sozialisation

taz: Das scheint die andere Seite Ihrer musikalischen Sozialisation zu sein…

Sergio Mendoza: Ja, ich habe es genossen, mit zwei Kulturen aufzuwachsen. Mit einem Fuß war ich in den USA, mit dem anderen in Mexiko, sprach sowohl Englisch als auch Spanisch. Meine Musik ist ein Spiegelbild dieser Sozialisation in einer Stadt mit einer amerikanischen und einer mexikanischen Seite: Nogales. Ich habe alles aufgesogen, bin ein Kind der Grenze. Allerdings lebe ich seit nunmehr 26 Jahren in Tucson.

Im Interview: Sergio Mendoza

Multiinstrumentalist und Sänger, bekannt als Mitglied von Calexico, ist seit der Gründung 2009 Leader der Combo Orkesta Mendoza,

taz: Wo Sie die Musiker von Calexico getroffen haben?

Sergio Mendoza: Genau. Mit denen arbeite ich seit Jahren zusammen, bin Teil der Band, und das hat meiner Musik noch mal einen anderen Touch gegeben – den der Wüste. Doch darunter kommen schnell Cumbia und Mambo zum Vorschein. Aber auch Liedermacher wie Pablo Milanés haben mich geprägt.

taz: Doch Sie und Ihr Orkesta haben mehr zu bieten. Im Studio waren zuletzt etliche Gäste zugegen. Ist Fusion Teil des Konzepts?

Sergio Mendoza: Ja, ich liebe es, Musik aus aller Welt zu entdecken und Rhythmen und Klänge zu kombinieren. In meiner musikalischen DNA findet sich von Bolero über Cumbia bis hin zu Bands wie The Smiths aus Manchester vieles, was auf den ersten Blick vielleicht nicht so ganz zusammenpasst. Da ist es fast schon folgerichtig, dass wir immer wieder Gäste ins Studio einladen, unseren Sound weiterentwickeln.

taz: Ist Tucson eine Stadt, in der das Miteinander zweier Kulturen funktioniert?

Sergio Mendoza: Wir haben in Tucson eine große Latin-Comunity, die Stadt ist zweisprachig, und an jeder Ecke gibt es mexikanische Küche, und in den Restaurants spielen oft Mariachi-Kapellen. Selbst in einigen Kirchen ist Mariachi beim Gottesdienst zu hören. Das sorgt dafür, dass ich das Gefühl habe, dass meine Kultur angenommen, geteilt und wertgeschätzt wird. Für mich ist die Region von Tucson ein guter Ort, um dort zu leben und Musik zu machen.

Das Konzert

Orkesta Mendoza, 9. Juni, 21 Uhr, Knust, Neuer Kamp 30, Eintritt 20,70 Euro

taz: Macht das die Stadt zu einem besonderen Ort – in Zeiten, wo die USA Migration bremsen, Abschiebungen von Migranten aus Mexiko, aus Mittel- und Lateinamerika propagiert und über ICE brutal durchsetzen?

Sergio Mendoza: Tucson ist ein außergewöhnlich entspannter Ort. Zur US-Politik, zum Präsidenten der USA und zu seinen Äußerungen zu Mexiko will ich mich nicht äußern. Ich bin Musiker mit kulturellen Stammzellen aus beiden Ländern. Und das ist das Wesentliche.

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