Mord an Menschenrechtlerin : Keine Gerechtigkeit
Der Mord an der Menschenrechtlerin Estemirowa bleibt unaufgeklärt, weil der EuGH nicht alle Ermittlungsakten erhalten hatte. Das hat in Russland Methode.
F rüher oder später werde die Wahrheit über dieses Verbrechen ans Licht kommen, heißt es in einer Erklärung der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial vom vergangenen Juli. Gemeint war der bestialische Mord an der tschetschenischen Menschenrechtlerin und Journalistin Natalja Estemirowa, die 2009 in Inguschetien tot aufgefunden worden war und an die sich heute nur noch wenige erinnern.
Leider konnte auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in diesem Fall nicht wirklich zur Wahrheitsfindung beitragen. Eine Beteiligung russischer Geheimdienste an der Tat sei nicht nachweisbar, heißt es in einem Urteil vom Dienstag, da Moskau dem Gericht nicht die vollständigen Ermittlungsakten zur Verfügung gestellt habe.
Das hat in Russland Methode. Erinnert sei nur an den Mord an den Georgier Selimchan Changoschwili im Berliner Bezirk Tiergarten 2019 oder den vergifteten Kremlkritiker Alexei Nawalny. Auch hier war Moskau bei der Herausgabe von Akten eher zurückhaltend. Diese Liste ließe sich problemlos verlängern. Aber auch noch andere Parallelen drängen sich auf: Die Organisation Memorial, für die auch Estemirowa arbeitete, ist heute als ausländischer Agent gelistet und damit quasi auch offiziell zum Abschuss freigegeben.
Ein Blick auf oppositionelle russische Webseiten genügt, um festzustellen, dass genau das geschieht. Was seine Kritiker*innen angeht, verfährt der Kreml nach dem Motto „Tabula rasa“ und das besonders jetzt, nur wenige Wochen vor den Duma-Wahlen. Auch Ramsan Kadyrow, seit 2007 Präsident und Statthalter Putins in Tschetschenien, wütet in der Nordkaukasusrepublik mit seinen gefürchteten Sicherheitstruppen wie eh und je, nur das praktischerweise kaum noch jemand hinsieht.
Immerhin: Der Klägerin und Schwester der Ermordeten hat der EGMR eine Entschädigung in Höhe von 20.000 Euro zugesprochen. Ein bitterer Trost für den Verlust ihrer Schwester und ausbleibende Gerechtigkeit.
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