Meme über Reality-Star Georgina Fleur: Der Beach ist geschlossen
Der Satz einer Influencerin wird zum Meme der Woche – und sofort von Politik und Produkten ausgeschlachtet. Was heißt das für die Öffentlichkeit?
Der Satz „Schatz, der beach is closed. Hallo?“ trendet gerade auf Social Media und darüber hinaus. Er stammt aus einer Instagram-Story von Reality-Sternchen und Influencerin Georgina Fleur. Bekannt geworden ist sie 2012 durch ihre Teilnahme an „Der Bachelor“. Ein Jahr später nahm sie an der Sendung „Ich bin ein Star, holt mich hier aus“ aka das Dschungelcamp teil.
Seitdem taucht sie immer wieder in Reality-TV-Formaten auf. Aber vor allem auf Social-Media-Plattformen wie TikTok ist Fleur präsent. Dort zeigt sie den extravaganten Lifestyle in Dubai: Sonne, Luxus und Exklusivität. Aktuell auch ein bisschen Krieg.
Was also tun, wenn Dubai-Content gerade keine Konjunktur mehr hat? Einfach weitermachen. Vor ein paar Tagen erklärte Fleur ihrer Tochter, erschüttert und unter Tränen, dass der Privatstrand des Hotels Jumeirah Burj Al Arab nun für 18 Monate aufgrund von Bauarbeiten geschlossen bleibe. Dabei fiel der Satz „Schatz, der beach is closed. Hallo?“ Das Meme der Woche: war geboren.
Das Internet greift zu, denn zu lachen gab es schon länger nichts mehr. Nur Drama, Drama, Drama. Entweder durch KI-Früchte-Telenovelas oder das anhaltende Wechselbad der Gefühle um Wal Timmy, der sich wohl wünschen würde, dass auch sein Beach closed wäre, damit er endlich seine Ruhe hat.
Der Satz wird tausendfach reproduziert und ironisiert. Manche benutzen ihn inzwischen als Redewendung, als ein Update zu „der Zug ist abgefahren“, und ranken ihn bereits zum Jugendwort des Jahres. Andere setzen ihn gezielt ein, um sich über Luxusprobleme lustig zu machen, während die Welt den Bach runtergeht. Memes werden aber erst dann richtig iconic, wenn sie den ursprünglichen Kontext verlassen. Und genau das passiert gerade: Alle surfen auf der „The beach is closed“-Welle.
Alles Gen-Z-Angestellte?
Die SPD macht daraus so etwas wie politische Kommunikation: Der Beach sei zwar closed, aber dafür gäbe es bald eine Entlastungsprämie in Höhe von 1.000 Euro, gesenkte Energiesteuer auf Diesel und Benzin sowie „verschärftes Kartellrecht gegen Abzocke an den Zapfsäulen“, heißt es auf Tiktok.
Auch Unternehmen machen mit. Die Berliner Verkehrsbetriebe teilen ein Video, in dem es heißt, die U3 komme in drei Minuten – Entschuldigung für die Umstände, der Beach sei schließlich closed. Der Account der Sparkasse kommentiert trocken: „Aber wir sind open.“
Bei so viel gelebter Mehrsprachigkeit darf die Sprachlern-App Duolingo natürlich nicht fehlen und produziert ein eigenes Video mit Fleur-Avatar. In den Kommentaren hoffen User bereits, dass die virale Phrase zur neuen Standardfloskel der App wird. Der Gaga-Grad passt jedenfalls: „The beach is closed“ hat nicht weniger Qualität als Sätze wie „Der Pinguin trinkt Wein“. Auch Discounter ziehen nach. Der Supermarkt Netto postet ein Video, in dem ein Mitarbeiter einer Kundin erklären muss, dass die Kasse closed ist.
Dass der Satz Potenzial hat und das Video für reichlich Kommentare sorgen würde, dürfte Fleur geahnt haben. Im Gespräch zu bleiben, gehört schließlich zum Job. Interessanter ist allerdings, dass offenbar viele andere keine eigenen kommunikativen Ideen mehr haben.
Stattdessen zeigt sich, wie sehr Politik und Werbung inzwischen auf Memefizierung angewiesen sind, um überhaupt noch Aufmerksamkeit zu erzeugen. Oder anders gesagt: Die Marketingabteilungen von Unternehmen und Behörden wirken, als seien sie durchgehend mit Gen-Z-Angestellten besetzt, die direkt aus ihrer For You Page schöpfen.
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